Männer und HPV: Ein globales Gesundheitsproblem im Fokus

HPV stellt ein signifikantes Gesundheitsrisiko für Männer dar. Aktuelle Forschungen zeigen, dass nahezu ein Drittel der Männer weltweit mit dem Virus infiziert ist. Die Studie beleuchtet neben der Prävalenz auch Risikofaktoren sowie die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen.

Humanes Papilloma Virus

HPV-Infektion oft asymptomatisch, aber potenziell onkogen

Das humane Papillomavirus (HPV) stellt die weltweit am häufigsten vorkommende sexuell übertragbare Virusinfektion dar. Ein Großteil der sexuell aktiven Bevölkerung, sowohl Männer als auch Frauen, wird im Laufe ihres Lebens mindestens einmal damit konfrontiert. Von den über 200 sexuell übertragbaren HPV-Typen sind mindestens zwölf als krebserregend eingestuft.

Die Mehrheit der HPV-Infektionen verläuft bei Männern und Frauen asymptomatisch, allerdings sterben mehr als 340.000 Frauen pro Jahr an HPV-induziertem Zervixkarzinom. Bei Männern manifestiert sich eine HPV-Infektion klinisch oft als anogenitale Warzen. HPV-Infektionen, insbesondere mit dem HPV-Typ 16, stehen auch in Zusammenhang mit Penis-, Anal- und Oropharyngealkarzinomen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung schätzt, dass es im Jahr 2018 etwa 69.400 Krebsfälle bei Männern gab, die durch HPV verursacht wurden.

Epidemiologie des HPV bei Männern wenig bekannt

Während die Epidemiologie des HPV bei Frauen gut erforscht ist, gibt es für Männer weniger Daten. Diese stammen meist von Hochrisikogruppen wie Männern, die Sex mit Männern haben oder mit dem Humanen Immundefizienzvirus (HIV) leben. Erste globale Untersuchungen zur HPV-Prävalenz bei Männern wurden 2006 veröffentlicht, wobei die Prävalenz je nach Studie und Risikogruppe stark variierte.

In einer umfangreichen Studie aus dem Jahr 2011 wurde eine beträchtliche Variabilität in der HPV-Prävalenz bei sexuell aktiven Männern festgestellt. Die Zahlen schwankten zwischen 1% und 84% bei Männern mit niedrigem HPV-Risiko und zwischen 2% und 93% bei Männern mit erhöhtem Risiko.

Eine weitere Studie, die 2018 veröffentlicht wurde, ergab, dass die globale gepoolte Prävalenz für jegliche Art von genitaler HPV-Infektion bei Männern, unabhängig vom Risikostatus, bei 49% lag. Für Infektionen mit Hochrisiko-HPV-Typen wurde eine Prävalenz von 35% ermittelt.

Aktuelle Forschung zur globalen Prävalenz bei Männern

Informationen über die Prävalenz von HPV-Infektionen bei Männern sind unerlässlich, um die Krankheitslast und das Übertragungsrisiko bei Männern und Frauen zu verstehen und um Programme zur Prävention und Eliminierung von Gebärmutterhalskrebs zu implementieren und zu bewerten.

Dr. Laia Bruni vom L’Hospitalet de Llobregat im spanischen Barcelona und Kollegen überprüften systematisch die zwischen 1995 und 2022 zu der Thematik veröffentlichte Literatur und führten eine Metaanalyse durch.

Insgesamt wurden 5.685 Veröffentlichungen gesichtet, von denen 65 Studien mit Daten von 44.769 Männern aus 35 Ländern die Kriterien erfüllten und in die Analyse einbezogen wurden.

Studien, die sich auf Männer mit HPV-bezogenen Erkrankungen oder bekannten Risikofaktoren konzentrierten, wurden bewusst ausgeschlossen, um ein repräsentatives Bild der Allgemeinbevölkerung zu erhalten.

Alters- und Regionsspezifische Verbreitung von Genital-HPV bei Männern

Die Forscher stellten fest, dass die globale gepoolte Prävalenz für HPV-Infektionen bei 31% lag, während 21% der Fälle Hochrisiko-Varianten betrafen. Der am häufigsten vorkommende Genotyp war HPV-16 mit einer Prävalenz von 5%, dicht gefolgt von HPV-6 mit 4%.

Bei jungen Erwachsenen war die HPV-Prävalenz besonders hoch und erreichte ihren Höhepunkt im Alter zwischen 25 und 29 Jahren, um danach stabil zu bleiben oder leicht abzunehmen.

Die Schätzungen der gepoolten Prävalenz waren für die geografischen Regionen Europa und Nordamerika, Subsahara-Afrika, Lateinamerika und die Karibik sowie Australien und Neuseeland ähnlich. In Ost- und Südostasien hingegen waren die Zahlen etwa halb so hoch wie in den anderen Regionen.

Umfassende Präventionsstrategien für Männer- und Frauengesundheit wichtig

Nahezu ein Drittel aller Männer über 15 Jahre weltweit ist mit mindestens einem Typ des genitalen HPV infiziert, und etwa jeder Fünfte trägt eine oder mehrere Hochrisiko-Varianten. Angesichts dieser hohen Prävalenzraten bilden sexuell aktive Männer ein signifikantes Reservoir für die Verbreitung von HPV-Genitalinfektionen, so die Forscher.

Daher ist es von entscheidender Bedeutung, Männer in umfangreiche HPV-Präventionsmaßnahmen einzubinden. Dies dient nicht nur der Reduzierung der HPV-assoziierten Morbidität und Mortalität bei Männern, sondern auch der Prävention von HPV-bedingten Erkrankungen wie Gebärmutterhalskrebs.

HPV Männer
Autor:
Stand:
18.09.2023
Quelle:

Bruni al. (2023): Global and regional estimates of genital human papillomavirus prevalence among men: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Global Health, DOI: 10.1016/S2214-109X(23)00305-4

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