Umfassende molekulare Profilierung verbessert Behandlungsergebnisse bei metastasiertem Brustkrebs

Die Heidelberger Auswertung der prospektiven CATCH-Studie zeigt: Eine umfassende molekulare Profilierung geht bei metastasiertem Brustkrebs mit höheren Ansprechraten und einem verlängerten progressionsfreien Überleben einher.

Biomarker Schriftzug

Brustkrebs gehört weltweit zu den häufigsten Tumorerkrankungen und führt trotz verbesserter Therapieoptionen in der metastasierten Situation weiterhin zu einer hohen Mortalität. In Deutschland sterben jährlich rund 18.500 Menschen an einem Mammakarzinom. Für Patientinnen mit fortgeschrittener Erkrankung bleibt die Prognose eingeschränkt, da Standardtherapien oftmals nur begrenzte Wirksamkeit zeigen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die präzise Anpassung von Therapien an individuelle genetische Tumorprofile zunehmend an Bedeutung. Ob eine umfassende molekulare Diagnostik einen klinischen Vorteil bringt, wurde in Deutschland am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg und am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) in der prospektiven CATCH-Studie systematisch untersucht. Die Ergebnisse wurden im 'International Journal of Cancer' veröffentlicht.

Molekulare Gesamtanalysen als Ansatzpunkt für personalisierte Therapieentscheidungen

Bisherige diagnostische Routinen basieren meist auf begrenzten Paneltests, die nur ausgewählte Gene berücksichtigen. Dadurch können relevante Biomarker unentdeckt bleiben. Die CATCH-Studie setzte auf Ganzgenom- beziehungsweise Exomsequenzierung und RNA-Sequenzierung. Ziel war es, umfassende Tumorprofile zu erstellen, um bislang verborgene therapeutische Ansatzpunkte zu identifizieren.

Neben der technischen Machbarkeit untersuchte die Analyse, ob molekular gesteuerte Therapien in der klinischen Routine tatsächlich umgesetzt werden können und ob sie einen messbaren Vorteil gegenüber Standardbehandlungen bieten.

Molekulare Profilierung einer breit gefassten metastasierten Brustkrebskohorte

Zwischen 2017 und 2021 wurden insgesamt 558 Personen mit metastasiertem Brustkrebs in die Studie aufgenommen. Für die aktuelle Auswertung standen 412 konsekutive Patientinnen zur Verfügung, deren Tumorproben vollständig genomisch und transkriptomisch analysiert wurden.

Die Verteilung der molekularen Subtypen entsprach einer breiten real-world-Kohorte:

  • 54,9 % HR+/HER2−
  • 31,3 % triple-negativ
  • 6,8 % HR−/HER2+
  • 7,0 % HR+/HER2+

Die Empfehlungen zur Therapie erfolgten im interdisziplinären molekularen Tumorboard (MTB). Die Umsetzung und das Ansprechen wurden im weiteren Krankheitsverlauf dokumentiert.

Umfassende Sequenzierungsdaten eröffnen deutlich mehr therapeutische Ansatzpunkte

Die umfassenden Sequenzierungen lieferten in 93 % der Fälle mindestens einen relevanten molekularen Befund für Therapieempfehlungen. Identifiziert wurden Mutationen, Amplifikationen, Deletionen, Genfusionen und komposite Biomarker wie mutationale Signaturen, Tumormutationslast, Mikrosatelliteninstabilität oder HR-Defizienz-Scores.

Die Kombination aus WGS/WES und RNA-Sequenzierung erweiterte das Spektrum potenzieller Therapieoptionen im Vergleich zu konventionellen Paneltests erheblich. Empfehlungen auf Grundlage der Genexpressionsanalysen wurden für über die Hälfte der untersuchten Personen ausgesprochen, was die Bedeutung transkriptomischer Daten für die Therapieentscheidung unterstreicht.

Hohe Umsetzungsrate im Klinikalltag

Die MTB-Empfehlungen konnten bei 44,4 % der Patientinnen tatsächlich klinisch umgesetzt werden. Diese Umsetzungsrate liegt deutlich über den bisherigen Werten internationaler Präzisionsonkologieprogramme.

Bemerkenswert ist der hohe Anteil an Off-Label-Therapien (86 %), von denen ein relevanter Teil inzwischen regulär zugelassen ist. Dies spiegelt die frühe Einbindung innovativer Therapieansätze innerhalb der CATCH-Struktur wider.

Behandlungsergebnisse: Verbesserte Krankheitskontrolle und verlängertes progressionsfreies Überleben

Für 152 Patientinnen lagen auswertbare klinische Verlaufsdaten vor. Die Analyse zeigte:

  • Krankheitskontrollrate (DCR): 58,6 %
  • Objektive Ansprechrate (ORR): 27,0 %
  • 32,8 % erreichten ein um mindestens 50 % verlängertes progressionsfreies Überleben im Vergleich zur jeweils vorangegangenen Standardtherapie

Der Vorteil zeigte sich subtypenübergreifend, ohne dass eine einzelne molekulare Konstellation dominierte.

Ein Beispiel für differenzierte Subgruppenanalysen ist die Gruppe mit PARP-Inhibitor-Behandlung:

  • Etablierte Biomarker (BRCA1/2, PALB2): Eine PFS-Verlängerung von ≥ 1,5 wurde bei 33,3 % erreicht.
  • Emerging Biomarker (HRD/BRCAness): Eine entsprechende Verlängerung zeigte sich bei 18,8 %.

Deutlich höhere Implementierungsrate im Vergleich zu internationalen Programmen

Die CATCH-Studie erreicht eine signifikant höhere Implementierungsrate als andere internationale Programme wie AURORA (7 %). Deutsche Vergleichsinitiativen lagen bei 16 % beziehungsweise 29 %. Gründe hierfür sind unter anderem:

  • Einbindung von Patientinnen in früheren Therapielinien
  • strukturell eng verknüpfte Zusammenarbeit zwischen Diagnostik und MTB
  • Zugang zu innovativen, teils noch nicht zugelassenen Therapien

Fazit: Klinischer Nutzen umfassender Genom- und RNA-Analysen bestätigt

Die CATCH-Studie bestätigt, dass umfassende Genom- und RNA-Analysen in der metastasierten Brustkrebstherapie klinisch relevante Vorteile ermöglichen. Das Spektrum therapeutischer Optionen erweitert sich deutlich über konventionelle Paneldiagnostik hinaus.

Weitere Forschung ist erforderlich, um den Einfluss einzelner Biomarkerprofile auf das Langzeitüberleben besser zu verstehen und Therapieentscheidungen weiter zu präzisieren. Die CATCH-Daten stellen hierbei einen wichtigen Baustein dar und bieten eine Grundlage für zukünftige interventionelle Studien.

Autor:
Stand:
09.02.2026
Quelle:
  1. Hlevnjak, M. et al. (2025): Delivering precision oncology in metastatic breast cancer: Clinical impact of comprehensive genomic profiling – The CATCH experience. International Journal of Cancer. DOI: 10.1002/ijc.70208.
  2. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Pressemitteilung, 10. November 2025.
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