Magnetresonanztomographie in der Früherkennung zunehmend eingesetzt
Das Screening auf Prostatakrebs auf der Basis Prostata-spezifischer Antigen (PSA)-Spiegel hat die Prostatakrebs-spezifische Mortalität reduziert, allerdings kommt es durch das Screening zu unnötigen Biopsien, Überdiagnosen und Überbehandlungen. Der Effekt auf das Gesamtüberleben ist immer noch unklar.
Die Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata vor einer Biopsie, gefolgt von gezielten Biopsien, wurde weitgehend in den diagnostischen Pfad für Prostatakrebs integriert. Mithilfe der MRT werden klinisch signifikante Prostatakrebserkrankungen besser erkannt, Biopsien können vermieden werden, und es kommen weniger unbedeutende Krebserkrankungen in die Klinik. In den Leitlinien für die klinische Praxis wird daher die MRT vor der Biopsie empfohlen.
Bisher gibt es jedoch keinen Konsens über die Rolle der MRT als integriertes Werkzeug für das Prostatakrebs-Screening. Der Wert einer MRT vor der gezielten Biopsie in populationsbasierten Screening-Protokollen wird in mehreren laufenden Studien untersucht.
Sind Screeningprotokolle mit MRT anderen Screeningprotokollen überlegen?
Ein internationales Forscherteam um Dr. Tamás Fazekas vom Comprehensive Cancer Center an der Universitätsklinik für Urologie der Medizinischen Universität Wien, in Österreich befasste sich in einer systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse mit der Frage, ob Prostatakrebs-Screening-Protokolle, die MRT und gezielte Biopsien beinhalten, bessere Ergebnisse liefern als Strategien, die sich ausschließlich auf PSA-Tests und systematische Biopsien stützen.
Insgesamt synthetisierten die Wissenschaftler Daten von 80.114 Männern aus 12 Studienpublikationen, die sie in den Datenbanken PubMed/MEDLINE, Embase, Cochrane/Central, Scopus und Web of Science identifiziert hatten. Aus den Daten zu den randomisierten klinischen Studien und prospektiven Kohortenstudien leiteten die Wissenschaftler Informationen zum diagnostischen Nutzen der Prostata-MRT im Rahmen des Screenings auf Prostatakrebs ab. Die Ergebnisse publizierten sie im Fachblatt JAMA Oncology [1].
csPCa-Detektion mit MRT vergleichbar gut wie mit reinem PSA-Screening
Als primären Endpunkt hatten die Wissenschaftler die Detektionsrate klinisch signifikanter Prostatakrebserkrankungen (csPCa) gewählt. Die Analysen deuteten darauf hin, dass Protokolle mit MRT als Teil des sequenziellen Screenings bei der Erkennung klinisch signifikanter Prostatakrebserkrankungen ähnlich gut funktionierten wie herkömmliche PSA-basierte Strategien (Odds Ratio [OR] 1,02; P = 0,86).
Anzahl an Überdiagnosen und unnötigen Biopsien mit MRT reduziert
Klinisch nicht bedeutsame Prostatakrebserkrankungen wurden beim Screening, das eine MRT beinhaltete, seltener detektiert (OR 0,34; P = 0,002).
Der positive prädiktive Wert war besser als der des standardmäßigen PSA-basierten Screenings. Bei einem positiven Testergebnis, das auf einem Screeningprotokoll mit MRT basierte, lag mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eine csPCa vor (OR, 4,15; P ≤ 0,001).
Außerdem war bei der Anwendung von MRT-basierten Screeningprotokollen die Biopsierate niedriger (OR 0,28; P ≤ 0,001).
Wurde ein PI-RADS-Score von mindestens vier als Schwellenwert für die Durchführung einer Biopsie angesetzt, war mit MRT-basierten Screeningprotokollen die Wahrscheinlichkeit, nicht signifikante Prostatakrebserkrankungen zu erkennen, weiter verringert (OR 0,23; P = 0,048), es wurden weniger Biopsien durchgeführt (OR 0,19; P = 0,01), und die Detektionsrate für csPCa blieb der von PSA-basierten Protokollen vergleichbar (OR 0,85; P = 0,22).
Fazit
Für die Wissenschaftler bedeuten diese Ergebnisse, dass die Prostata-MRT mit gezielten Biopsien eine effektive Strategie zur Früherkennung von Prostatakrebs darstellt und in einigen Aspekten sogar günstiger abschneidet als das standardmäßige PSA-basierte Screening. Sie meinen, dass der Ansatz für das bevölkerungsbasierte Screening überdacht werden sollte. Zunächst müssten jedoch weitere Untersuchungen klären, welches MRT- und Biopsieschema für den Screening-Prozess am besten geeignet ist.








