MRT als Erstliniendiagnostik bei Verdacht auf Prostatakrebs
Bei Männern mit erhöhten Spiegeln des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) empfehlen nationale und internationale Richtlinien derzeit, zunächst eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata durchzuführen. Diese dient als Grundlage für die Entscheidung, ob eine Prostatabiopsie notwendig ist oder nicht. MRT-geführte Biopsien werden immer häufiger bei Männern mit auffälligen MRT-Ergebnissen durchgeführt, während bei unauffälligen Befunden in der Regel von einer Biopsie abgesehen wird.
In randomisierten klinischen Studien (RCTs) konnten Forscher einen Zusammenhang zwischen MRTs, die vor der Entscheidung über eine Prostatabiopsie durchgeführt wurden und einer reduzierten Anzahl tatsächlich durchgeführter Biopsien feststellen. Zudem zeigte sich eine niedrigere Detektionsrate für Prostatakrebsfälle mit einem Gleason-Score von 6 und eine höhere Detektionsrate für Krebserkrankungen mit einem Gleason-Score von 7 oder höher.
Reduziert der MRT-Einsatz die Anzahl der Prostatabiopsien?
Dr. David Robinson und sein Team vom Department of Urology am Highland Hospital in Eksjö, Schweden, untersuchten, ob der Einsatz von MRTs in der klinischen Routine tatsächlich zu einer Reduzierung der Biopsien führt.
Sie analysierten retrospektiv die Daten einer Kohorte von 23.802 Männern aus der Region Jönköping im mittleren Alter von 60,8 Jahren aus, bei denen zwischen November 2011 und 2020 erhöhte PSA-Spiegel gemessen worden waren. Die Publikation über die Ergebnisse erschien im Fachblatt JAMA Network Open [1].
Reduzierte Biopsie-Raten durch MRT-Einsatz
Die Implementierung der MRT in die klinische Routine führte in dieser Studie zu einer signifikanten Reduzierung der Anzahl der Männer, bei denen eine Biopsie durchgeführt wurde (Odds Ratio [OR] 0,84). Zudem ging der Anteil der Männer mit negativen Biopsieergebnissen von 28% auf 7% zurück.
Verbesserte Detektion höhergradiger Tumoren
Die Studie zeigte, dass Krebserkrankungen mit einem Gleason-Score von mindestens 7 häufiger erkannt wurden (Odds Ratio [OR] 1,24). Der Anteil der Männer, bei denen ein Tumor mit einem Gleason-Score von 6 identifiziert wurde, sank von 24% auf 6%. Im Gegensatz dazu stieg der Anteil der Männer mit einer diagnostizierten Erkrankung, die einen Gleason-Score zwischen 7 und 10 aufwies, von 49% auf 86%.
MRT in der klinischen Routine bewährt
Die Autoren der Studie schlussfolgerten, dass die Anwendung einer MRT vor der Prostatabiopsie auch in der klinischen Praxis Vorteile für die Patienten bietet. Sie empfehlen, dass alle Männer mit PSA-Werten zwischen 3 und 20 ng/ml vor einer Biopsie eine MRT erhalten sollten.
Jedoch sollten die Ergebnisse dieser Studie bestätigt und auf größere Kohorten in der klinischen Praxis erweitert werden, um relevante Untergruppen zu bestimmen.








