ASCO GU 2025: Prostatakarzinom – Einfluss von Testosteron nach der Therapie

Eine langfristige Nachbeobachtung von Patienten nach Androgendeprivationstherapie (ADT) und Bestrahlung bei Prostatakarzinom wirft interessante Fragen zu den Auswirkungen der Testosteronerholung auf die Prognose auf. Was bedeutet dies für zukünftige Behandlungsstrategien?

Prostatakarzinom

Eine über 17 Jahre lange Nachbeobachtung von Patienten einer Phase-III-Studie belegt, dass bei fehlender Testosteronerholung nach der Androgendeprivationstherapie (ADT) und Strahlentherapie die Mortalität, die nicht durch das Prostatakarzinom bedingt ist, erhöht ist, berichtete Professor Dr. Abdenour Nabid vom Universitätsklinikum in Sherbrooke, Kanada. Das wirft Fragen für das Langzeitmanagement der Betroffenen auf. 

Erkenntnisse aus der Phase-III-Studie PCS 4  

Wie Nabid berichtete, hatte die randomisiert-kontrollierte Phase-III-Studie PCS 4 mit 630 Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom gezeigt, dass eine 36 Monate andauernde ADT einer 18-monatigen ADT, jeweils in Kombination mit einer Bestrahlung von Becken und Prostata, nicht signifikant überlegen ist. Die Rate des Gesamtüberlebens (engl. overall survival, OS) lag nach der 5-Jahres-Schätzung bei längerer ADT bei 91 %, bei kürzerer bei 89 % (p=0,07). 

Testosteron-Erholung bei etwa der Hälfte der Patienten

Nach einer medianen Beobachtungszeit von 17,4 Jahren prüfte das Studienteam den Einfluss der Erholung des Testosteronspiegels nach der Therapie auf das Langzeitüberleben. Für 515 Patienten waren Verlaufsdaten des Testosteronspiegels über bis zu 22 Jahre verfügbar. Bei 270 Patienten (52,4 %) erholt sich der Testosteronspiegel nach Ende der ADT wieder. Der Anteil war höher in der Gruppe mit kürzerer ADT (18 Monate ADT: 57 %, 36 Monate ADT: 44,3 %; p=0,006). 

Ohne Testosteronerholung schlechteres OS

Die 10-Jahres-Rate des OS betrug mit Testosteronerholung 76 %, ohne 55 %. Ein Unterschied war bereits nach 5 Jahren deutlich: Mit Testosteronerholung betrug die 5-Jahres-OS-Rate 98 %, mit anhaltendem Hypogonadismus 84 %. Bei fehlender Testosteronerholung war das Mortalitätsrisiko um 46 % erhöht (Hazard Ratio [HR] 0,54; 95 % Konfidenzintervall [KI] 0,44–0,67; p<0,001). 

Testosteronerholung: Ein unabhängiger Faktor für OS 

In der multivariaten Analyse blieb die Testosteronerholung ein signifikanter Faktor für das OS unabhängig von anderen potenziell prognostisch relevanten Faktoren (HR 0,69; 95 % KI 0,55–0,86; p=0,0012). Dagegen war die Länge der ADT in dieser Analyse nicht signifikant mit dem OS assoziiert (HR 1,10; 95 % KI 0,88–1,37; p=0,4248). Bestätigte prognostisch relevante Faktoren waren neben der Testosteronerholung das Alter, kardiale Erkrankungen, eine chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (COPD) und Diabetes. Sowohl in der Kohorte mit 18-monatiger wie in der mit 36-monatiger ADT war eine Testosteronerholung mit einem besseren OS assoziiert als bei anhaltendem Hypogonadismus. Dabei gab es über die Langzeitbeobachtung hinweg keine Hinweise auf eine verringerte krebsspezifische Mortalität bei anhaltendem Hypogonadismus. 

Sollte man Testosteron substituieren? 

Wenn eine Testosteronerholung bis auf Normalwerte mit einem signifikant besseren Langzeitüberleben assoziiert ist, ohne dass das Risiko für das Aufflammen der Krebserkrankung erhöht ist, stellt sich die Frage nach einer Testosteronsubstitution bei anhaltendem Hypogonadismus. Nabid führt hierzu aus, dass eine Testosteronsubstitution bei Patienten, die über längere Zeit keine Anzeichen einer Krankheitsaktivität zeigen, nach individueller klinischer Eischätzung und unter strenger Überwachung in Erwägung gezogen werden könnte. Klinische Studien zu dieser Fragestellung gibt es nicht. 

Die Studie PCS 4 ist auf ClinicalTrials.gov unter der Nummer NCT00223171 registriert. Sie wurde von der Universität von Sherbrooke finanziert.

Autor:
Stand:
24.02.2025
Quelle:
  1. Prof. Dr. Abdenour Nabid: „Impact of testosterone recovery after androgen deprivation therapy on overall survival in patients with high-risk prostate cancer: Long-term data from a phase III trial“, 2025 ASCO Genitourinary Cancers Symposium, San Francisco, 13.-15. Februar 2025, Abstract #310. DOI: 10.1200/JCO.2025.43.5_suppl.310
  2. Nabid A et al. (2018): Duration of Androgen Deprivation Therapy in High-risk Prostate Cancer: A Randomized Phase III Trial. European Urology, DOI: 10.1016/j.eururo.2018.06.018
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