Testosteron

Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon und anaboles Steroid, das eine Schlüsselrolle in der Entwicklung männlicher Geschlechtsmerkmale, der Förderung der Muskelmasse, der Knochendichte und der Produktion von roten Blutkörperchen spielt. Es wirkt durch Bindung an Androgenrezeptoren, wodurch es die Genexpression beeinflusst und die Proteinsynthese fördert.

Testosteron

Anwendung

Testosteron ist indiziert bei männlichem Hypogonadismus, wenn der Testosteronmangel klinisch und labormedizinisch bestätigt wurde.

Anwendungsart

  • Injektionslösung: Intramuskulär, langsam über zwei Minuten injizieren. Die Injektion sollte tief in den Gesäßmuskel erfolgen, unter Vermeidung von intravasalen Injektionen.
  • Dermalanwendung: Auf saubere, trockene und gesunde Haut auf den Oberarmen und Schultern auftragen. Nicht auf die Genitalien auftragen und das Gel nicht einreiben. Vor dem Ankleiden sollte das Gel mindestens 3 bis 5 Minuten trocknen.

Wirkmechanismus

Testosteron ist ein Steroidhormon aus der Gruppe der Androgene, das eine zentrale Rolle in der Entwicklung und Aufrechterhaltung männlicher Geschlechtsmerkmale spielt. Es wird hauptsächlich in den Hoden bei Männern und in geringeren Mengen in den Eierstöcken bei Frauen sowie in den Nebennierenrinden beider Geschlechter produziert. Testosteron wirkt durch Bindung an Androgenrezeptoren in Zielzellen, was zur Transkription spezifischer Gene führt und eine Vielzahl von physiologischen Effekten hervorruft.

In der Pubertät fördert Testosteron die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane, die Zunahme der Muskelmasse, das Wachstum der Körperbehaarung und die Vertiefung der Stimme. Im Erwachsenenalter trägt es zur Spermienproduktion, zur Aufrechterhaltung der Libido und zur allgemeinen körperlichen und psychischen Gesundheit bei. Testosteron beeinflusst auch den Proteinmetabolismus, indem es die Proteinsynthese fördert, was zu Muskelwachstum und -erhaltung, sowie zur Knochenmineraldichte beiträgt.

Auf zellulärer Ebene aktiviert Testosteron die Androgenrezeptoren, die entweder direkt die Transkription bestimmter Gene beeinflussen oder über die Interaktion mit anderen Signalwegen wie dem Wachstumsfaktor-Signalweg wirken. Diese Prozesse sind entscheidend für die Differenzierung, das Wachstum und die Funktion von vielen Geweben im Körper.

Dosierung

Dosierung der Injektionslösung (Testosteronundecanoat):

  • Erstdosierung und Beginn der Therapie: 1000 mg Testosteronundecanoat alle 10 bis 14 Wochen intramuskulär.
  • Aufsättigungsdosis: Das erste Injektionsintervall kann auf minimal 6 Wochen reduziert werden, um schnell ausreichende Steady-state-Testosteronspiegel zu erreichen.
  • Erhaltungstherapie und Individualisierung: Das Injektionsintervall sollte zwischen 10 bis 14 Wochen liegen.
  • Die Testosteron-Serumspiegel sind regelmäßig zu überprüfen und das Injektionsintervall entsprechend der Serumspiegel und klinischen Symptome anzupassen.

Dosierung der Dermalanwendung (Testosteron):

  • Standarddosis: Täglich eine Dosis von 40,5 mg Testosteron, aufgetragen als Gel.
  • Maximaldosis: 81 mg Testosteron pro Tag.
  • Dosisanpassung: In Schritten von ca. 20,25 mg Testosteron (entspricht einem halben Beutel Gel) je nach klinischem Ansprechen und Laborwerten.
  • Messung der Testosteron-Serumspiegel: Ab dem 3. Tag nach Behandlungsbeginn, vor der täglichen Anwendung, um die Dosis anzupassen.

Nebenwirkungen

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen während der Behandlung mit Testosteron sind Akne und Schmerzen an der Injektionsstelle. Bei der Anwendung auf der Haut sind die häufigsten Nebenwirkungen Hautreaktionen: Reaktionen an der Anwendungsstelle, Erytheme, Akne und trockene Haut.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Testosteron zu beachten:

  • Orale Antikoagulanzien: Testosteron und seine Derivate können die Wirkung von oralen Antikoagulanzien verstärken. Bei Patienten, die solche Blutverdünner einnehmen, ist eine sorgfältige Überwachung nötig. Dies gilt besonders zu Beginn und am Ende der Testosterontherapie. Es wird empfohlen, die Prothrombinzeit und den INR-Wert häufiger zu überprüfen, um das Blutgerinnungsrisiko angemessen zu managen.
  • ACTH oder Corticosteroide: Die gleichzeitige Anwendung von Testosteron mit ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) oder Corticosteroiden kann das Risiko für Ödeme erhöhen. Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten mit Herz- oder Lebererkrankungen sowie bei solchen, die zu Wassereinlagerungen neigen. Die Kombination dieser Medikamente sollte daher nur unter strenger medizinischer Überwachung erfolgen.
  • Beeinflussung von Laboruntersuchungen: Testosteron kann die Konzentration des thyroxinbindenden Globulins im Blut senken, was zu niedrigeren Gesamt-T4-Serumspiegeln und einer erhöhten Aufnahme von T3 und T4 führen kann. Trotz dieser Veränderungen in den Laborwerten bleiben die Spiegel der freien Schilddrüsenhormone unverändert, und es gibt keine Hinweise darauf, dass die Schilddrüsenfunktion klinisch beeinträchtigt wird.

Kontraindikation

Testosteron ist kontraindiziert bei Männern mit:

  • androgenabhängigem Karzinom der Prostata oder der männlichen Brustdrüse
  • früheren oder bestehenden Lebertumoren
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff

Verkehrstüchtigkeit

Testosteron hat keinen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Testosteron zu beachten:

  • Anwendungseinschränkungen: Die Verwendung von Testosteron bei Kindern und Jugendlichen wird nicht empfohlen. Es sollte nur bei eindeutig diagnostiziertem Hypogonadismus, nach Ausschluss anderer Ursachen für die Symptomatik, angewendet werden. Die Diagnose muss durch klinische Symptome und zweifache Testosteron-Bluttests bestätigt werden.
  • Ältere Patienten: Für Patienten über 65 Jahre liegen nur begrenzte Erfahrungen vor. Da Testosteronspiegel natürlich mit dem Alter sinken, ist besondere Vorsicht geboten.
  • Medizinische Untersuchungen: Vor und während der Behandlung sind gründliche Untersuchungen erforderlich, um das Risiko eines Prostatakarzinoms auszuschließen. Regelmäßige Kontrollen der Prostata und Brust sind notwendig.
  • Laboruntersuchungen: Testosteronspiegel sollten vor und während der Therapie regelmäßig überprüft werden, um eine individuelle Dosierung zu gewährleisten. Weitere regelmäßige Tests umfassen Hämoglobin, Hämatokrit, Leberfunktionstests und Lipidprofil.
  • Tumoren: Testosteron kann die Entwicklung von Prostatakrebs und benigner Prostatahyperplasie beschleunigen. Vorsicht ist geboten bei Patienten mit Krebsrisiko, insbesondere bei Knochenmetastasen, und regelmäßige Kalziumspiegelkontrollen werden empfohlen. Lebertumoren sollten bei schweren Oberbauchbeschwerden in Betracht gezogen werden.
  • Herz-, Leber- oder Niereninsuffizienz: Bei schweren Fällen dieser Erkrankungen kann die Therapie ernsthafte Komplikationen verursachen und sollte sofort abgebrochen werden. Die Anwendung bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion erfordert besondere Vorsicht.
  • Herzinsuffizienz und Bluthochdruck: Vorsicht bei Patienten mit Neigung zu Ödemen oder arterieller Hypertonie, da Testosteron die Natrium- oder Wasserretention verstärken kann.
  • Blutgerinnungsstörungen: Bei Patienten mit Blutgerinnungsstörungen ist Vorsicht geboten, da Testosteron die Wirkung von oralen Antikoagulantien steigern kann.
  • Andere Erkrankungen: Bei Epilepsie oder Migräne mit Vorsicht anwenden. Eine Anpassung der Dosierung blutzuckersenkender Mittel kann notwendig sein. Symptome einer übermäßigen Androgenexposition erfordern eine Dosisanpassung.
  • Medikamentenmissbrauch und Abhängigkeit: Missbrauch von Testosteron kann zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen. Von einem Missbrauch ist abzuraten.
  • Injektionshinweise: Testosteron muss exakt intramuskulär und sehr langsam injiziert werden. Vorsicht bei Anzeichen einer öligen pulmonalen Mikroembolie.
  • Anaphylaktische Reaktionen: Es wurden Fälle von anaphylaktischen Reaktionen nach einer Injektion berichtet.
  • Doping: Testosteron führt bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen. Das Medikament ist nicht zur Muskelentwicklung bei gesunden Personen vorgesehen.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
288.42 g·mol-1
Autor:
Stand:
28.02.2024
Quelle:
  1. Fachinformation Nebido
  2. Fachinformation Testogel
  3. Steinhilber, Dieter, Manfred Schubert-Zsilavecz, and Hermann Roth. "Medizinische Chemie." (2017).
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