Einschätzung des Rezidivrisikos nach der Erstbehandlung
Als empfindlichster Biomarker für das Wiederauftreten von Prostatakrebs nach einer radikalen Prostatektomie oder Strahlentherapie gilt der Spiegel des Prostata-spezifischen Antigens (prostate specific antigen [PSA]) im Serum.
Derzeit empfehlen Leitlinien, beim Auftreten eines biochemischem Rezidivs (biochemical recurrence [BCR]), also einem Anstieg des PSA-Spiegels nach der Behandlung mit kurativer Absicht, anhand der PSA-Verdopplungszeit und des Gleason-Scores das Risiko für eine symptomatische metastasierende Folgeerkrankung zu ermitteln. Dies soll Medizinern als Basis für Entscheidungen über weiterführende Tests und Therapien dienen
Ob ein BCR auch mit der Prostatakrebs-spezifischen Mortalität (prostate cancer–specific mortality [PCSM]) zusammenhängt, ist derzeit kaum untersucht.
Besteht ein Zusammenhang zwischen BCR und Mortalität?
Wissenschaftler untersuchten in einer Kohortenstudie mit 16.311 Patienten aus der Region Stockholm, wie häufig nach der Erstbehandlung eines Prostatakarzinoms ein BCR auftrat und ob die Inzidenz mit der PCSM zusammenhing. Dabei werteten die Wissenschaftler die Daten nach Art der Erstbehandlung, einer radikalen Prostatektomie oder einer Strahlentherapie, und der Risikoklasse aus.
10.364 (64%) Männer in der Kohorte hatten eine radikale Prostatektomie und 5.947 (36%) Männer hatten eine Strahlentherapie mit kurativer Absicht erhalten. Das mittlere Alter betrug 64 bzw. 69 Jahre. Die Wissenschaftler verfolgten den Krankheitsverlauf der Männer im Mittel über 88 bzw. 89 Monate.
Die Ergebnisse ihrer Studie publizierten Dr. Ugo Giovanni Falagario vom Karolinska-Institut in Stockholm, Schweden, und von der Universität Foggia in Italien und sein Team in JAMA Network Open [1].
BCR-Inzidenz: Prostatektomie vs. Strahlentherapie
Nach einer radikalen Prostatektomie betrug die kumulative BCR-Inzidenz über 15 Jahre für die 4.024 Patienten in der Gruppe mit niedrigem D’Amico-Risiko (basierend auf dem PSA-Spiegel, dem Gleason Score und dem klinischen Stadium zum Zeitpunkt der Diagnose) 16%, für die 5.239 Patienten in der Gruppe mit mittleren D'Amico-Risiko 30% und für die 1.101 Patienten in der Gruppe mit hohem D'Amico-Risiko 46%.
Nach der Strahlentherapie betrug die kumulative BCR-Inzidenz über 15 Jahre für die 1.230 Patienten in der Niedrigrisikogruppe 18%, für die 2.355 Patienten in der mittleren Risikogruppe 24% und für die 2.362 Patienten in der Hochrisikogruppe 36%.
Deutlich höhere Mortalität nach Strahlentherapie
Die 10-Jahres-Kumulativinzidenzen der PCSM nach radikaler Prostatektomie lagen bei 4% für die 1.101 Patienten, die ein als geringes Risiko eingestuftes BCR nach den Kriterien der European Association of Urology (EAU) entwickelt hatten, und bei 9% für die 649 Patienten mit einem von der EAU als Hochrisiko-BCR klassifizierten Rezidiv.
Nach einer Strahlentherapie lagen die kumulativen 10-Jahres-PCSM-Inzidenzen bei 24% für die 591 Patienten mit einem Niedrigrisiko-BCR laut EAU und bei 46% für die 600 Patienten mit einem Hochrisiko-BCR nach EAU-Kriterien.
Biochemisches Rezidiv kein zuverlässiger Prognosemarker
Ein BCR nach der Erstbehandlung trat häufig auf und zeigte einen begrenzten Zusammenhang mit der PCSM. Bei einer Prostatektomie stellte ein Hochrisiko-BCR einen signifikanten Risikofaktor für PCSM dar, im Gegensatz zu einem Niedrigrisiko-BCR (Hazard Ratio (HR) 1,27 bzw. 1,18). Bei einer Strahlentherapie deuteten sowohl Hoch- als auch Niedrigrisiko-BCR auf ein erhöhtes Mortalitätsrisiko hin (HR 1,34 bzw. 1,45).
Die Forscher hoben hervor, dass die kumulative Inzidenz eines BCR nach radikaler Prostatektomie höher ausfiel als nach Strahlentherapie. Dennoch war das Risiko, an Prostatakrebs zu versterben, nach einem Niedrigrisiko-BCR nach radikaler Prostatektomie geringer als nach Strahlentherapie.
Die stärksten Assoziationen mit der Mortalität zeigten sich bei Patienten mit hohem Risiko bei der Diagnose, einem raschen Anstieg des PSA und in Abhängigkeit von der Art der Erstbehandlung.
Überbehandlung und Menge an Staging-Tests reduzieren
Ein BCR stellt das früheste Indiz für ein Wiederauftreten von Krankheiten dar und führt in der klinischen Praxis zu zusätzlichen Tests und Behandlungen. Die Studienautoren betonen, dass eine verfeinerte Risikostratifizierung bei Patienten mit BCR entscheidend ist, um fundierte Therapieentscheidungen zu treffen, Überbehandlungen zu vermeiden und die Zahl der Staging-Tests bei einem Anstieg des PSA-Werts nach der Erstbehandlung zu minimieren.








