Bei Patienten mit Prostatakrebs und biochemischem Rezidiv oder ungünstiger Pathologie nach radikaler Prostatektomie ist die postoperative Radiotherapie eine etablierte Option zur Reduktion des Rezidivrisikos. Dennoch bleibt ihre Anwendung deutlich hinter dem Bedarf zurück. Ein wesentlicher Grund ist die lange Behandlungsdauer der konventionell fraktionierten Radiotherapie (CFRT), die tägliche Sitzungen über mehrere Wochen erfordert und viele Patienten abschreckt.
Neue Verfahren wie die stereotaktische Körperstrahlentherapie (SBRT) könnten hier Abhilfe schaffen. Sie ermöglichen eine hochdosierte Behandlung in deutlich kürzerer Zeit. Während SBRT im präoperativen Setting bereits gut etabliert ist, liegen zur Anwendung nach Prostatektomie bislang nur begrenzt Daten vor – nicht zuletzt aufgrund anatomischer Herausforderungen im postoperativen Bereich.
Zwei-Jahres-Analyse zu Verträglichkeit und Patientenfeedback nach SBRT
Die in 'JAMA Oncology' veröffentlichte Phase-II-Studie SCIMITAR (Stereotactic Intensity Modulated Radiotherapy After Radical Prostatectomy) zielte darauf ab, die Verträglichkeit der SBRT nach radikaler Prostatektomie zu bewerten. Untersucht wurden sowohl ärztlich dokumentierte Spättoxizitäten als auch patientenberichtete Endpunkte (Patient-Reported Outcomes, PROs) über einen Zeitraum von zwei Jahren.
An der prospektiven Studie nahmen 100 Patienten aus zwei akademischen Zentren in den USA teil. Eingeschlossen wurden Männer mit einem PSA-Wert > 0,03 ng/mL oder ungünstiger Pathologie. Die Therapie erfolgte mit 30 bis 34 Gy in fünf Fraktionen. Als Vergleichsgruppe wurde eine retrospektive Kohorte von 200 Patienten mit konventioneller postoperativer Bestrahlung herangezogen.
Häufigkeit und Schweregrad von Nebenwirkungen unter SBRT
Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 43 Monate. Die kumulative Inzidenz von Spättoxizitäten ≥ Grad 2 im urogenitalen Bereich lag bei 25 %, für Grad 3 bei 4 %. Gastrointestinale Nebenwirkungen ≥ Grad 2 wurden in jeweils 3 % der Fälle dokumentiert.
Bezogen auf die patientenberichteten Endpunkte verzeichneten 38,9 % der Patienten unter SBRT eine Verschlechterung der Harninkontinenz, die mehr als das Doppelte der minimal klinisch relevanten Differenz (MCID) betrug. Bei irritativen Harnsymptomen lag dieser Anteil bei 17,9 %, bei der Darmfunktion bei 34,1 %.
Im Vergleich zur CFRT-Gruppe ergaben sich keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der PRO-Verschlechterungen:
- Urininkontinenz: Odds Ratio (OR) 1,55; 95 %-KI 0,87–2,76; p = 0,14
- Harnreizung: OR 0,94; 95 %-KI 0,46–1,94; p = 0,87
- Darmfunktion: OR 1,03; 95 %-KI 0,57–1,84; p = 0,93
Vergleich mit konventioneller Radiotherapie zeigt ähnliche Belastung für Patienten
Die Ergebnisse zeigen, dass die stereotaktische Körperstrahlentherapie im postoperativen Setting keine messbar höhere Belastung für die Patienten mit sich bringt als die konventionelle Strahlentherapie. Auch unter SBRT blieben Einschränkungen der Lebensqualität im Rahmen dessen, was unter CFRT erwartet wird.
Besonders hervorzuheben ist die Möglichkeit, durch moderne Bildgebung – insbesondere MRT-gestützte Planung – die Präzision zu erhöhen und so toxische Effekte weiter zu minimieren. Die Autoren führen die geringeren Sicherheitsabstände (3 mm statt 5 mm) auf die verbesserte Bildführung und Bewegungssteuerung zurück.
Fazit: SBRT als potenzielle Alternative im postoperativen Setting
Die SCIMITAR-Studie liefert belastbare Daten zur Verträglichkeit der SBRT nach radikaler Prostatektomie. Die Kurzzeitbestrahlung in fünf Fraktionen zeigte dabei ein vergleichbares Nebenwirkungsprofil zur konventionellen Therapie über mehrere Wochen.
Die Ergebnisse unterstreichen die Möglichkeit, SBRT als strahlenbiologisch begründete, zeitlich verkürzte Option im postoperativen Setting einzusetzen – ohne nachweisbare Zunahme therapieassoziierter Belastungen im Vergleich zur CFRT.
Für eine abschließende Bewertung der onkologischen Wirksamkeit sind jedoch randomisierte Studien und längere Nachbeobachtungszeiträume erforderlich. Weitere Erkenntnisse hierzu werden von der laufenden EXCALIBUR-Studie erwartet.








