RNA-Nachweis verbessert Genauigkeit des Darmkrebs-Screenings

Der vom US-Hersteller Geneoscopy entwickelte Test ColoSense, der acht verschiedene RNA-Moleküle identifiziert, hat in einer Querschnittstudie alle kolorektalen Karzinome im Frühstadium erkannt.

Darm Entzündung Krebs

Die Früherkennung von kolorektalen Karzinomen stellt einen entscheidenden Faktor für die rechtzeitige Diagnose und effektive Behandlung dar. In diesem Zusammenhang hat ein neu entwickelter Stuhltest vom US-Hersteller Geneoscopy, der acht verschiedene Tumor-RNA-Moleküle identifiziert, vielversprechende Ergebnisse erzielt. Laut einer Pressemitteilung des Unternehmens erzielte der Test (ColoSense) in der CRC-PREVENT-Studie die höchste Sensitivität für die Erkennung von Darmkrebs und fortgeschrittenen Adenomen unter den verfügbaren nicht invasiven Screening-Tests.

Die Ergebnisse wurden im Rahmen der Jahrestagung des American College of Gastroenterology (ACG) in Vancouver, Kanada, präsentiert [2] und im US-amerikanischen Ärzteblatt 'JAMA' veröffentlicht [3]. Laut dem Unternehmen erkannte der Multi-Target-Test auf Stuhl-RNA (mt-sRNA) alle Fälle von kolorektalen Karzinomen im Frühstadium.

Herausforderungen in der Darmkrebsfrüherkennung

Die bisherigen Methoden zur Darmkrebsfrüherkennung basieren auf dem Nachweis von Blutspuren im Stuhl, die von den Krebsgeschwüren freigesetzt werden. Der immunologische FIT (Fecal Immunochemical Test) gilt dabei als zuverlässiger als der Guajak-Test.

Doch nicht jeder Darmkrebs blutet im Frühstadium, zudem gibt es andere mögliche Gründe für Darmblutungen. Aus diesem Grund könnten Tests, die auf dem Nachweis von Tumorgenen basieren, die Zukunft der Darmkrebsfrüherkennung prägen. Ein Beispiel für solch einen Ansatz ist der mt-sDNA-Test Cologuard.

Noch präziser wären Tests, die die RNA der Krebszellen nachweisen. Die Messenger-RNA, kurz mRNA, gibt Aufschluss darüber, welche Gene in einer Zelle aktiv sind. Dies könnte wertvolle Informationen zur Tumorbiologie liefern, die über das hinausgeht, was die DNA allein bietet, erklärte Studienleiterin Erica Barnell und ihr Team von der Washington University School of Medicine in St. Louis.

Die CRC-PREVENT-Studie: Vergleich von mt-sRNA-Test und FIT

Im Rahmen der CRC-PREVENT-Studie sandten 8.920 Teilnehmer, die über soziale Medien rekrutiert wurden, Stuhlproben ein. Gleichzeitig stimmten sie zu, sich im Anschluss einer Koloskopie zu unterziehen. Die Probanden waren alle älter als 45 Jahre, was den Empfehlungen der US-Fachgesellschaften zur Darmkrebsfrüherkennung entspricht.

Die eingereichten Stuhlproben wurden sowohl mit dem mt-sRNA-Test von Geneoscopy als auch mit einem konventionellen FIT-Test untersucht. Die Kombination beider Tests erkannte 34 von 36 Darmkrebserkrankungen, die in der nachfolgenden Koloskopie bestätigt wurden. Dies ergab eine Sensitivität von 94,4% (95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 81–99). Der FIT-Test allein detektierte 28 der 36 Krebserkrankungen, was einer Sensitivität von 77,8% (95%-KI 61–90) entspricht.

mt-sRNA-Test: Alle Darmkrebserkrankungen im Frühstadium identifiziert

Der mt-sRNA-Test (zusammen mit FIT) erkannte alle 14 Darmkrebserkrankungen im Stadium I (Sensitivität 100%, 95%-KI 77–100), während der FIT-Test allein vier dieser Fälle nicht identifizierte (Sensitivität 71,4%, 95%-KI 42–92).

Im Stadium II wurden vom mt-sRNA-Test zwei von zwölf Erkrankungen (Sensitivität 83,3%, 95%-KI 52–98) übersehen, während der FIT allein drei von zwölf Erkrankungen nicht erkannte (Sensitivität 75,0%, 95%-KI 43–95).

Bei den fortgeschrittenen Adenomen, die in der nachfolgenden Koloskopie entfernt wurden, zeigte der mt-sRNA-Test mit 45,9% (95%-KI 42–50) während der FIT allein eine Sensitivität von 28,9% aufwies (95%-KI 25–33).

mt-sRNA-Test übertrifft FIT in der Erkennung von Darmkrebs

Die hohe Sensitivität des mt-sRNA-Tests ging zwar zulasten der Spezifität, die sich auf 88% belief. Ein potenziell falsch positives Ergebnis hat im Rahmen des Darmkrebs-Screenings aber nur begrenzte Auswirkungen, da der Stuhltest als eine alternative Methode zur Koloskopie dient, die den Patienten ohnehin (wenn auch in größeren Zeitabständen) angeboten wird.

In der Receiver Operating Characteristic (ROC)-Kurve, die sowohl Sensitivität als auch Spezifität berücksichtigt, erzielte der mt-sRNA-Test einen AUC-Wert von 0,92 für die Identifikation von Darmkrebserkrankungen und 0,68 für fortgeschrittene Adenome. In beiden Fällen war er dem alleinigen FIT-Test überlegen.

FDA-Zulassung im Blick

Sehr wahrscheinlich wird Geneoscopy die Erkenntnisse aus dieser Studie nutzen, um eine Zulassung bei der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zu beantragen. Aktuell ist jedoch noch nicht absehbar, wann der Test kommerziell verfügbar sein wird und zu welchem Preis.

Autor:
Stand:
06.11.2023
Quelle:
  1. Geneoscopy, Pressemitteilung, 23. Oktober 2023.
  2. American College of Gastroenterology (ACG), Jahrestagung, 2023.
  3. Barnell, E. K. et al. (2023): Multitarget Stool RNA Test for Colorectal Cancer Screening. JAMA The Journal of the American Medical Association, DOI: 10.1001/jama.2023.22231.
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