Erhöhtes Schlaganfallrisiko bei Kopf-Hals-Tumor-Patienten
Unter dem Begriff Kopf-Hals-Tumor (Head and Neck Cancer, HNSCC) werden maligne Tumoren in Regionen wie der Mundhöhle, Pharynx und Larynx zusammengefasst. Die Therapie besteht derzeit insbesondere aus Operation, Bestrahlung (Radiatio), Chemotherapie und deren Kombination. Die Nähe dieser Tumore zu den großen Halsgefäßen erhöht das Risiko vaskulärer Komplikationen, insbesondere von Schlaganfällen. Therapeutische Maßnahmen wie die Radiochemotherapie erhöhen das Risiko zusätzlich.
Review analysierte Zusammenhang zwischen Apoplex und Kopf-Hals-Tumorbehandlungsformen
Trotz dieses Wissens gibt es bisher keine exakten Daten bezüglich der Zusammenhänge zwischen der Apoplex-Inzidenz, -Mortalität oder der Zeit bis zum Auftreten des ersten Schlaganfalls bei unterschiedlichen Therapieformen des Kopf-Hals-Tumors.
Das vorliegende Review mit Meta-Analyse hatte zum Ziel, diese Wissenslücke zu schließen, indem sie die Daten aus 69 Studien mit insgesamt 258.850 Patienten auswertete.
Die Wissenschaftler untersuchten die Schlaganfallinzidenz und -mortalität sowie prädiktive Faktoren in Bezug auf verschiedene Therapiemodalitäten.
Schlaganfallinzidenz höher im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung
Die Studie zeigte, dass die Schlaganfall-Inzidenzraten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung signifikant erhöht waren. So ergab die Auswertung der Studien eine globale kumulative Schlaganfallinzidenz von 4,1 % bei HNSCC-Patienten. Bei den Patienten, die sich einer Radiochemotherapie unterzogen, stieg die Inzidenz auf 4,9 %, während sie bei bestrahlten Patienten 3,8 % betrug. Die mediane Zeit bis zum ersten Apoplex lag bei 45 Monaten nach Radiochemotherapie bzw. bei 36 Monaten nach reiner Bestrahlung.
Schlaganfallmortalität bei RCT höher im Vergleich zur alleinigen Radiatio
Eine positive Entwicklung ist, dass die Schlaganfallmortalität von 28,5 % vor 2010 auf 14,5 % zwischen 2010 und 2024 gesunken ist. Die Mortalität unterschied sich bei den verschiedenen Behandlungsformen und ist nach einer Radiochemotherapie mit 39, % höher als nach einer reinen Radiatio ( %).
Risikofaktoren für Apoplex waren Hypertonie, Diabetes und Alter >65 Jahre
Als signifikante Risikofaktoren für das Auftreten eines Schlaganfalls im Zusammenhang mit der HNSCC-Therapie identifizierte die Studiengruppe arteriellen Hypertonie (HR = 1,75), Diabetes mellitus (HR = 1,71) und ein Alter über 65 Jahre (HR = 2,17).
Schlaganfall-Screening für HNSCC Patienten nach Radiochemotherapie
Die Ergebnisse dieser Analyse betonen die Notwendigkeit eines erhöhten Bewusstseins für das gesteigerte Schlaganfallrisiko bei HNSCC-Patienten. Das Risiko hängt von der gewählten Therapie ab. Insbesondere die Radiochemotherapie erhöht das Apoplexrisiko. Da Schlaganfälle meist nach 36–45 Monaten nach der Radiochemotherapie auftreten, empfehlen die Studienautoren bei diesen Patienten ein enges Monitoring und proaktives Management der Risikofaktoren. Sie empfehlen ein interdisziplinäres Vorgehen unter Beteiligung von HNO-Ärzten, Neurologen, Kardiologen und Hausärzten, um das Schlaganfallrisiko in dieser Patientengruppe zu minimieren und das langfristige Behandlungsergebnis der Patienten zu verbessern.








