Selen und Vitamin E zur Prävention von Krebsrezidiven und -progression?

Weder Selen noch Vitamin E beeinflussten in einer randomisierten klinischen Studie das Fortschreiten von nicht muskelinvasivem Blasenkrebs oder das Gesamtüberleben. Die Vitamin-E-Supplementierung war mit einem erhöhten Rezidivrisiko verbunden und kann Patienten dadurch sogar schaden.

Blasentumor

Chemoprävention eine Option bei nicht muskelinvasivem Blasenkrebs?

In Ländern mit hohem Einkommen wird bei 75-85% der Patienten mit Blasenkrebs die nicht-muskelinvasive Form (NMIBC) diagnostiziert. Die Standardbehandlung besteht zunächst in einer transurethralen Resektion des Tumors und einer adjuvanten intravesikalen Therapie.

Dennoch treten Rezidive bei bis zu 80% der Patienten auf. Alarmierend ist, dass bei rund 45% der Patienten mit NMIBC im Anfangsstadium T1 die Erkrankung zum muskelinvasiven Blasenkrebs fortschreitet.

Angesichts der hohen Rezidiv- und Progressionsraten und des chronischen Verlaufs des NMIBC haben Forscher die Möglichkeit einer Chemoprävention in Erwägung gezogen. Selen und Vitamin E wurden zwar als vielversprechende Wirkstoffe identifiziert, zeigten jedoch in neueren klinischen Studien in der primären und sekundären Krebsprävention keine oder sogar eine schädliche Wirkung.

Die SELENIB-Studie

Wissenschaftler um Richard Bryan vom Bladder Cancer Research Centre der University of Birmingham in Großbritannien, untersuchten daher in einer multizentrischen, prospektiven, doppelt verblindeten, placebokontrollierten, randomisierten klinischen Studie zum ersten Mal, ob Selen und/oder Vitamin E als adjuvante Therapie bei Patienten mit neu diagnostiziertem NMIBC das Wiederauftreten der Krankheit verhindern kann.

Zwischen 2005 und 2007 wurden 270 Patienten, überwiegend Männer (75%), mit einem Durchschnittsalter von 68,9 Jahren für die Studie rekrutiert. Alle hatten zuvor eine transurethrale Resektion des Tumors erhalten.

Die Patienten erhielten im Median über 1,5 Jahre Selen (200 μg/Tag aus Hefe mit hohem Selengehalt) plus Placebo, Vitamin E (200 IE/Tag d-alfa-Tocopherol) plus Placebo, eine Kombination aus beidem oder ausschließlich Placebo. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 5,5 Jahre. Die Wissenschaftler beschrieben die Ergebnisse der Studie im Fachblatt JAMA Network Open [1].

Kein Nutzen bei Progression und Überleben, schneller Rezidive unter Vitamin E

Beim Vergleich Selen vs. Placebo beobachteten die Forscher insgesamt 122 Rezidive. Von diesen entfielen 49% auf die Selengruppe (n = 134) und 51% auf den Placeboarm (n = 136). Das Rezidiv-freie Intervall (RFI) zeigte zwischen den Gruppen keinen signifikanten Unterschied (Hazard Ratio [HR] 0,92; p = 0,65). Das mediane RFI wurde in keinem der beiden Studienarme erreicht.

Bei der Gegenüberstellung von Vitamin E und Placebo traten 59% der Rezidive in der Vitamin E-Gruppe (n = 140) und 41% im Placeboarm (n = 130) auf. Auffällig war, dass das RFI unter Vitamin E-Supplementierung signifikant verkürzt war (HR 1,46; p = 0,04). Das mediane RFI lag bei 3,3 Jahren für die Vitamin E-Gruppe, während es für den Placebo-Arm nicht erreicht wurde.

Bei 37 Patienten wurde eine Krankheitsprogression festgestellt, wobei kein signifikanter Unterschied im progressionsfreien Intervall oder in der Gesamtüberlebenszeit zwischen den Supplementierungsgruppen beobachtet wurde.

Insgesamt wurden 1.975 unerwünschte Ereignisse gemeldet. Bei 85 Fällen handelte es sich um schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, keines davon stand jedoch in Zusammenhang mit der Studienbehandlung. 

Autor:
Stand:
06.11.2023
Quelle:

Bryan (2023): Selenium and vitamin E for prevention of non–muscle-invasive bladder cancer recurrence and progression: a randomized clinical trial. JAMA Network Open, DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2023.37494

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: