Prostatakarzinom: MRT-gesteuerte adaptive Bestrahlung verträglicher

Die stereotaktische Körperradiotherapie, insbesondere die MRg-A-SBRT, gewinnt an Bedeutung in der Behandlung des Prostatakarzinoms. Eine neue Studie präsentiert Daten zur Toxizität im Vergleich zur CT-gesteuerten stereotaktischen Bestrahlung.

Prostatakrebs-Puzzle

Stereotaktische Radiotherapien der Prostata

Die stereotaktische Körperradiotherapie (stereotactic body radiotherapy [SBRT]) wird zunehmend zur Behandlung des Prostatakarzinoms eingesetzt. Mithilfe bildgebender Verfahren wird der Tumor präzise lokalisiert und schwere Nebenwirkungen nach der Prostata-SBRT treten selten auf. Dennoch gibt es Bedenken, dass leichte bis moderate Nebenwirkungen durch die SBRT im Vergleich zu anderen Bestrahlungsmodalitäten verstärkt werden könnten.

Die in der klinischen Praxis relativ neue Magnetresonanz-geführte täglich adaptierte SBRT (MRg-A-SBRT) bietet einige technologische Vorteile, die die Toxizität der Strahlentherapie reduzieren können. Inzwischen wurden mehrere prospektive Bewertungen der MRg-A-SBRT bei Prostatakrebs durchgeführt, allerdings wurden bisherige Toxizitätsraten dieser Methode jedoch nie direkt mit der herkömmlichen Computertomographie-geführten SBRT (CT-SBRT) verglichen.

Schützt das moderne Bestrahlungsverfahren tatsächlich vor Nebenwirkungen?

Ein Team von Forschern, angeführt von Dr. Jonathan Leeman vom Department of Radiation Oncology des Dana-Farber Cancer Institute/Brigham and Women's Hospital an der Harvard Medical School in Boston, USA, veröffentlichte eine Metaanalyse im Fachmagazin "Cancer"[1]. Diese Untersuchung zielte darauf ab, die Häufigkeit akuter Toxizitätsreaktionen im Zusammenhang mit MRg-A-SBRT und CT-SBRT bei Prostatakrebs zu vergleichen.

Analyse der Nebenwirkungsprofile: MRg-A-SBRT vs. CT-SBRT

Die Metaanalyse umfasste Daten zu 2.547 Patienten in 29 prospektiven Studien, die zwischen 1. Januar 2018 und 31. August 2022 veröffentlicht worden waren und die Einschlusskriterien erfüllten.

Anhand der gepoolten Daten stellten die Forscher fest, dass die Rate urogenitaler Nebenwirkungen mindestens zweiten Grades nach MRg-A-SBRT bei 16% lag, während sie bei CT-SBRT 28% betrug. Des Weiteren traten gastrointestinale Nebenwirkungen nach MRg-A-SBRT in 4% der Fälle auf, wohingegen sie nach CT-SBRT bei 9% lagen.

Eine multivariate Analyse ergab, dass das Risiko für urogenitale Nebenwirkungen mindestens zweiten Grades nach MRg-A-SBRT gegenüber CT-SBRT um 44% reduziert war (Odds Ratio 0,56). Für gastrointestinale Nebenwirkungen waren es sogar 60% (OR 0,40).

Ursachen und Langzeiteffekte unbekannt

Die möglichen Gründe, die dem reduzierten Risiko für eine akute Toxizität nach MRg-A-SBRT zugrunde liegen, seien zahlreich, so die Forscher. Anders als bei der CT-SBRT wird bei der MRg-A-SBRT die Bestrahlungsplan täglich an die anatomischen Veränderungen angepasst und die MRT-basierte Konturierung führt zu kleineren Behandlungsvolumina. Zusammen mit dem Tracking durch die MR-Bildgebung ermöglicht dies eine größere Präzision der Behandlung. Aus der aktuellen Studie könne man nicht ableiten, ob die beobachtete Reduktion der Toxizität mit der Art der Bildgebung oder mit der adaptiven bzw. nicht-adaptiven Behandlung oder beidem zusammenhängt.

Die spezifischen zugrunde liegenden Ursachen sollten in prospektiven Studien untersucht werden, meinen die Forscher. Außerdem sollten Unterschiede bei später auftretenden Nebenwirkungen und in den Krankheitskontrollraten nach CT-SBRT bzw. MRg-A-SBRT in Langzeitstudien betrachtet werden.

Außerdem gaben die Wissenschaftler zu bedenken, dass die MRg-A-SBRT mit erheblichen Kosten und hohem Ressourcenbedarf durch die Bereitstellung verbunden ist. Auch Nachteile der Methode, wie die Möglichkeit von Artefakten und längere Behandlungszeiten in einer klaustrophobischen Umgebung seien bei der Evaluation des klinischen Werts zu berücksichtigen.

Autor:
Stand:
21.08.2023
Quelle:

Leeman et al. (2023): Acute toxicity comparison of magnetic resonance‐guided adaptive versus fiducial or computed tomography‐guided non‐adaptive prostate stereotactic body radiotherapy: A systematic review and meta‐analysis. Cancer, DOI: 10.1002/cncr.34836

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