Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Mammakarzinom

Männlicher Brustkrebs tritt häufig im späteren Lebensalter auf und wird oft in einem fortgeschritteneren Stadium diagnostiziert. Die Behandlung ist in der Regel radikaler als bei Frauen und die Prognose schlechter.

Brustkrebs Mann

Das männliche Mammakarzinom (MBC) ist eine seltene Erkrankung, die weniger als 0,5% aller jährlich diagnostizierten männlichen Krebsarten ausmacht. Trotz steigender Inzidenz ist MBC in Bevölkerungs- und klinischen Studien unterrepräsentiert. Dies führt dazu, dass sich die Behandlung bei männlichen Brustkrebspatienten am aktuellen Forschungsstand zum weiblichen Brustkrebs (FBC) orientiert. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede in der Tumorbiologie, die möglicherweise unterschiedliche Behandlungsstrategien erfordern.

Eine Forschungsgruppe aus Indien untersuchte kürzlich Patientenmerkmale, Genetik und klinische Ergebnisse von männlichen und weiblichen Brustkrebspatienten. Die Ergebnisse ihrer ausführlichen Literaturrecherche wurden im 'International Journal of Breast Cancer' veröffentlicht.

Epidemiologische Unterschiede

Männlicher Brustkrebs wird oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert und tritt überwiegend im höheren Lebensalter auf. Das durchschnittliche Alter bei Erstdiagnose liegt meist bei über 60 Jahren.

Im Vergleich zu weiblichen Brustkrebspatientinnen sind Männer mit MBC tendenziell älter, haben mehr Begleiterkrankungen und erhalten seltener eine Chemo- und Strahlentherapie. Diese Unterschiede betonen die Notwendigkeit, insbesondere bei älteren Patienten frühzeitig an das Vorliegen von Brustkrebs zu denken und eine gezielte, differenzierte Diagnostik in Betracht zu ziehen.

Risikofaktoren für männlichen Brustkrebs

Eine familiäre Vorbelastung ist bei männlichen Patienten signifikant höher als bei weiblichen (30,9% vs. 18,4%). Darüber hinaus treten bei Männern häufiger BRCA-positive Tumore auf als bei Frauen. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung einer genetischen Testung bei MBC-Patienten, so die Studienautoren.

Genetische Mutationen

Bei männlichen Mammakarzinomen wurden zahlreiche genetische Mutationen identifiziert, die entscheidend für das Verständnis der Tumorbiologie sind. Besonders hervorzuheben sind hierbei die Transkriptionsfaktoren TWIST1 und RUNX3.

Diese Mutationen könnten potenziell dazu beitragen, spezifische Tumorsubtypen vorherzusagen sowie das krankheitsspezifische Überleben und die Proliferationsrate zu bewerten. Dennoch ist ihre klinische Relevanz noch nicht vollständig geklärt und bedarf weiterer Forschung, um ihre Rolle in der Prognose und Therapie des MBC besser zu verstehen.

Klinische Präsentation von männlichem Brustkrebs

Im Vergleich zu weiblichem Brustkrebs präsentieren sich Männer häufig mit größeren Tumoren. Zudem zeigen sie eine höhere Wahrscheinlichkeit für Lymphknotenbefall sowie Metastasenbildung, insbesondere in den Knochen.

Histologische Typen und molekulare Marker

Der häufigste histologische Typ des männlichen Mammakarzinoms ist das infiltrierende duktale Karzinom. MBCs sind meist hormonrezeptorpositiv und zeigen im Vergleich zu weiblichem Brustkrebs eine schlechtere histologische Klassifikation. Dies unterstreicht die Bedeutung der Hormontherapie und die Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnose, da eine frühzeitige Behandlung möglicherweise effektiver ist.

Für die molekulare Bildgebung könnte ein Panel von Markern wie CD44v6, EGFR, HER2, IGF1-R und GLUT1, ergänzt durch FGFR2 und CAXII, die Sensitivität für männliche Brustkrebsfälle (MBC) erhöhen.

Behandlung und Prognose

Die Behandlung von männlichem Brustkrebs orientiert sich in der Regel an den gleichen Grundsätzen wie bei Frauen und umfasst systemische Therapien, chirurgische Entfernung des Tumors und Strahlentherapie.

Männer weisen oft eine ungünstigere Prognose auf, was möglicherweise auf die späte Diagnose des Tumors zurückzuführen ist. Aufgrund des fortgeschrittenen Krankheitsstadiums bei der Diagnose und der schlechteren prognostischen Merkmale wird die Behandlung bei Männern häufig radikaler durchgeführt als bei Frauen.

Retrospektive Daten zeigen außerdem, dass adjuvante Chemo- und Strahlentherapien bei männlichem Brustkrebs seltener eingesetzt wurden, was weiterer Untersuchung und Anpassung bedarf.

Wissenslücken in Bezug auf MBC bedürfen weiterer Forschung

Männlicher Brustkrebs ist eine seltene, aber bedeutsame Erkrankung, bei der noch immer erhebliche Wissensdefizite bestehen, insbesondere in Bezug auf die molekularen Subtypen und deren Einfluss auf die Prognose und das Therapiemanagement. Es besteht ein dringender Bedarf an weiterer Forschung, um die spezifischen biologischen Eigenschaften und die Rolle neuer genetischer Mutationen besser zu verstehen.

Multidisziplinäre Ansätze sind entscheidend, um personalisierte und effektive Behandlungsstrategien zu entwickeln und die Prognose für männliche Brustkrebspatienten zu verbessern.

Autor:
Stand:
26.09.2024
Quelle:

Khare, V. S. et al. (2024): Male Breast Cancer: An Updated Review of Patient Characteristics, Genetics, and Outcome. International Journal of Breast Cancer, DOI: 10.1155/2024/9003572

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