Präzisionsdiagnsotik beim Prostatakarzinom
Das Prostatakarzinom zeichnet sich durch erhebliche klinische, histomorphologische und genetische Variabilität aus. Die multiparametrische Magnetresonanz-Bildgebung (mpMRI) hat die Erkennung von klinisch relevanten Prostatakarzinomherden erheblich optimiert und erlaubt die zielgerichtete Behandlung der aggressivsten Läsionen durch fokale Therapie. Dennoch besteht die Gefahr, klinisch nicht signifikante Läsionen zu übersehen.
Die mpMRI/Ultraschall-fusionierte (mpMRI/US) Prostatabiopsie ist derzeit der Goldstandard zur Bestätigung einer Prostatakarzinom-Diagnose. Diese Methode kombiniert mpMRI-Bilder mit Echtzeit-TRUS (transrektalem Ultraschall), wodurch bis zu 80% der aggressiven Läsionen (Indexläsionen) identifiziert werden können. Jedoch werden 20% potenziell letaler Herde, die künftig fortschreiten könnten, nicht erkannt.
Für Patienten mit mittlerem Risiko bietet die fokale Therapie eine schonende Behandlungsoption, birgt jedoch auch Risiken. Die Auswahlkriterien für diese Patientengruppe befinden sich noch in der Entwicklung. Molekulare Biomarker ergänzen zunehmend die existierenden diagnostischen und prognostischen Werkzeuge. Insbesondere die DNA-Methylierung, eine der frühesten, stabilsten und häufigsten genetischen Abweichungen bei Pankreaskarzinomen, spielt hierbei eine wichtige Rolle.
Fokale Therapie und Biomarker
Das Ziel einer Studie war die Erforschung der Feldkanzerisierung nahe den Indexläsionen bei Prostatakrebs. Hierzu wurde die DNA-Methylierung von ausgewählten Tumorsuppressorgenen im perifokalen Gewebe untersucht, welches in der mpMRT nicht sichtbar ist, um ein umfassenderes Bild der Erkrankung zu erhalten.
Insgesamt wurden 272 Patienten in diese Studie aufgenommen, Gewebeproben von 44 Patienten in die Untersuchung der Feldkanzerisierung und 272 Urinproben in die Entwicklung des urinbasierten Tests eingeschlossen. Gezielte Biopsien wurden mit dem mpMRT/US-Fusionssystem durchgeführt.
Die Ergebnisse publizierten die Wissenschaftler um Erstautor Dr. Augustinas Matulevičius von der Vilnius University, dem National Cancer Institute und dem Vilnius University Hospital Santaros Klinikos in Litauen im Fachblatt The Prostate [1].
Ergebnisse und klinische Relevanz
Die quantitative Analyse ergab signifikant höhere DNA-Methylierungswerte der RARB-, RASSF1-, GSTP1- und APC-Gene in der Indexläsion im Vergleich zu perifokalen Gewebeproben in einer Entfernung von 10 mm (p < 0,0001).
Bemerkenswert fanden die Forscher, dass die Kombination der DNA-Methylierungswerte der Biomarker RARB, GSTP1 und APC sowie von RARB, RASSF1, GSTP1 und APC die höchste Sensitivität und Spezifität im Vergleich zum Ausmaß der DNA-Methylierung in Indexläsionen und gutartigem Prostatagewebe in 20 mm Entfernung aufwiesen (beide AUC = 0,98; p < 0,0001).
Kombination von Blut- und Gewebebiomarkern
Die Analyse der potenziellen Urin-Biomarker zeigte, dass die Kombination aller vier DNA-Methylierungs-Biomarker mit den Spiegeln von prostataspezifischem Antigen (PSA) bzw. mit der PSA-Dichte (PSAD) im Blut den Nachweis eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms signifikant verbesserte. Die Kombination des Vier-Biomarker-Tests mit PSAD ermöglichte die Identifizierung eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms mit einer Sensitivität und Spezifität von ≥90%.
Nutzen für die Praxis
Aus den Ergebnissen der Studie leiten die Autoren ab, dass bei der fokalen Therapie von Prostatakarzinomen mit mittlerem Risiko ein Sicherheitsabstand von mindestens 10 mm von der Indexläsion eingehalten werden sollte.
Für die kontinuierliche Überwachung der Patienten könnten nichtinvasive DNA-Methylierungstests im Urin, kombiniert mit der PSAD im Blut, von Nutzen sein. Dennoch betonen die Autoren die Notwendigkeit weiterer, umfangreicherer prospektiver Studien mit externer Validierung, um die vorliegenden Erkenntnisse zu untermauern.









