Thrombozyten-Neutrophilen-Ratio: Neuer Biomarker für die Diagnostik des diabetischen Makulaödems?

Eine aktuelle Studie zeigte, dass eine Thrombozyten-Neutrophilen-Ratio helfen könnte, Patienten mit diabetischer Retinopathie zu identifizieren, die ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines diabetischen Makulaödems aufweisen.

Diabetische Retinopathie Schaubild

Diabetisches Makulaödem - eine der führenden Ursachen für Sehverlust bei Diabetikern

Diabetes mellitus ist eine häufige Krankheit, die eine Vielzahl an Komplikationen mit sich bringt. So führen Schädigungen der kleinen Gefäße zur sogenannten diabetischen Retinopathie, die zu schweren Einschränkungen des Sehens führen kann. Eine der führenden Ursachen ist hier das diabetische Makulaödem. Schätzungen zufolge tritt es bei etwa 7 % der Diabetiker auf. Die Pathogenese des diabetischen Makulaödems ist komplex und beinhaltet eine Überexpression angiogener und proinflammatorischer Faktoren, die zu einer Dysfunktion Mikrogefäße der Retina führen.

Thrombozyten-Neutrophilen-Ratio: Neuer Biomarker für die Diagnostik des diabetischen Makulaödem?

In den letzten Jahren haben Blutzellen und ihre Ratios als inflammatorische Marker an Bedeutung für die Diagnostik und Prognose der diabetischen Retinopathie bzw. des diabetischen Makulaödems gewonnen. Einer von ihnen ist die Thrombozyten-Neutrophilen-Ratio. Sie kombiniert die Thrombozyten- und Neutrophilenzahlen und bietet somit einen integrativen Marker für thrombotische und inflammatorische Prozesse, wie sie bei der Pathogenese des diabetischen Makulaödem eine Rolle spielen. Während dieser Marker bereits bei zerebrovaskulären Erkrankungen untersucht wurde, gibt es bislang nur wenige Daten zur Relevanz dieses Markers bei ophthalmologischen Erkrankungen wie dem diabetischen Makulaödem.

Studie untersuchte diagnostischen Wert der Thrombozyten-Neutrophilen-Ratio bei diabetischem Makulaödem

Eine aktuelle retrospektive Studie verfolgte daher das Ziel, Assoziationen zwischen der Thrombozyten-Neutrophilen-Ratio und des diabetischen Makulaödems zu evaluieren. Hierzu wurden 366 Studienteilnehmer eingeschlossen und in vier Gruppen eingeteilt: diabetisches Makulaödem (n=96), diabetische Retinopathie ohne Makulaödem (n=90), Diabetes mellitus ohne diabetische Retinopathie (n=90) und gesunde Kontrollpersonen (n=90).  

Eine niedrige Thrombozyten-Neutrophilen-Ratio als unabhängiger Risikofaktor für ein diabetisches Makulaödem

Die Forscher sahen, dass die Gruppe der Patienten mit diabetischem Makulaödem signifikant niedrigere Level der Thrombozyten-Neutrophilen Ratio aufwiesen im Vergleich zu den anderen drei Gruppen (p<0,001). Die Studiengruppe zeigte zudem, dass mit Hilfe des neuen Biomarkers ein diabetischen Makulaödem vorhergesagt werden kann: Ein PNR-Wert ≤ 68,51 war mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines diabetischen Makulaödems assoziiert (p < 0,001). Hier lag die Sensitivität bei 80,2 % und die Spezifität bei 75,6 %.

Die Thrombozyten-Neutrophilen-Ratio könnte helfen, Risikopatienten für diabetisches Makulaödem zu identifizieren

Die Studie unterstreicht das Potenzial der Thrombozyten-Neutrophilen-Ratio als einfacher und kostengünstiger Biomarker zur Identifikation von Patienten mit erhöhtem Risiko für die Entwicklung eines diabetischen Makulaödems.

Autor:
Stand:
05.05.2025
Quelle:

Sun et al. (2025): The diagnostic value of platelet-to-neutrophil ratio in diabetic macular edema. BMC Ophthalmology, DOI: https://doi.org/10.1186/s12886-025-04001-2

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: