Frühzeitige Detektion der diabetischen Retinopathie wichtig für Therapieeinleitung
Diabetes mellitus ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen und betrifft weltweilt eschätzt 537 Millionen Menschen. Die diabetische Retinopathie zählt zu den häufigsten mikroangiopathischen Komplikationen des Diabetes mellitus und ist eine führende Ursache für visuelle Beeinträchtigungen bei Erwachsenen weltweit. Fortschritte bei der Visualisierung retinaler Gefäßveränderungen konnten das Monitoring der diabetischen Komplikationen verbessern. Ein effektives frühes Screening und damit einsetzende Therapie sind wichtig für die Reduktion von durch die diabetische Retinopathie verursachter Blindheit.
Bestimmte Screeningmethoden bieten nur zweidimensionale Darstellungen
Derzeitige Screeningmethoden basieren besonders auf der Farb-Fundusfotografie und Fluoreszenzangiographie. Diese bieten überwiegend zweidimensionale Darstellungen pathologischer Veränderungen, wie beispielsweise Mikroaneurysmen, Hämorrhagien und Exsudate. Sie erfassen jedoch keine dreidimensionalen Biomarker der retinalen und choroidalen Schichten. Dies limitiert die Sensitivität zur Erkennung frühester Gefäßveränderungen.
Optische Kohärenztomographie Angiographie kann Gefäßstrukturen dreidimensional visualisieren
Im Gegensatz dazu bietet die optische Kohärenztomographie Angiographie (OCTA) eine nicht-invasive Alternative zur dreidimensionalen Visualisierung retinaler und choroidaler Gefäßstrukturen. Hierdurch kann die diagnostische Lücke zwischen gesunden Individuen und solchen mit präklinischer diabetischer Retinopathie überwunden werden. Dennoch werden in der Forschung häufig nur die hinteren Pole gescannt. Dadurch können Veränderungen übersehen werden. Die Ultraweitfeld-OCTA erweitert das Sichtfeld und ermöglicht so eine umfassende Analyse der retinalen Mikrozirkulation.
Studie untersuchte quadrantenspezifische Unterschiede der Gefäßdichte
Eine aktuelle Studie nutzte die Ultraweitfeld-OCTA-Methode um detaillierte dreidimensionale Gefäßdaten der Retina zu erfassen. Die Forscher setzten sich zum Ziel, die Unterschiede in den verschiedenen Quadranten (oben, unten, nasal, temporal) sowie in konzentrischen Regionen bis 21 mm von der Makula zwischen gesunden Probanden (54 Augen von 30 Teilnehmern), Diabetikern ohne diabetische Retinopathie (77 Augen; 40 Teilnehmer) und Diabetikern mit Retinopathie (62 Augen von 37 Probanden) zu vergleichen. Besonderes Augenmerk legten sie auf die Schlüsselparameter Gefäßdichte innerhalb des oberflächlichen Gefäßkomplexes und des tiefen Gefäßkomplexes.
Quadranten- und schichtspezifische Unterschiede
Die Studie identifizierte zwei unterschiedliche Muster vaskulärer Veränderungen:
Erhöhte Gefäßdichte im superfiziellen Gefäßkomplex temporal und verminderte Dichte nasal
Bei Patienten der Gruppe mit Diabetes mellitus ohne diabetische Retinopathie zeigte sich eine erhöhte Gefäßdichte im superfiziellen Gefäßnetz in temporalen Quadranten und gleichzeitig eine verminderte Dichte in nasalen Quadranten im Vergleich zu den gesunden Individuen. Diese naso-temporale Divergenz korrelierte stark mit dem Fortschreiten der diabetischen Retinopathie. Wenn sich diabetische Augen ohne Retinopathie in Richtung diabetische Retinopathie entwickelten, sank die mittlere Gefäßdichte des superfiziellen Gefäßkomplexes. Dies deutet laut den Forschern darauf hin, dass pathologische mit Diabetes assoziierte Veränderungen ihren Ursprung im oberflächlichen Gefäßkomplex haben könnten. Mit der Progression zur diabetischen Retinopathie trat der pathologische Gefäßverlust in der kompletten Retina auf.
Schichtenspezifische Divergenz zwischen dem superfiziellen und tiefen Gefäßkomplex
Die Forscher fanden zudem einen Unterschied zwischen den Gefäßschichten. Während die Gefäßdichte im oberflächlichen Gefäßkomplex bei den Teilnehmern mit diabetischer Retinopathie global sank, wurde im tiefen Gefäßkomplex der zentralen Makula zunächst eine Abnahme in der Diabetes-Gruppe ohne Retinopathie und später ein signifikanter Anstieg in der Gruppe mit diabetischer Retinopathie beobachtet.
Forscher empfehlen Monitoring der 16-21mm Region auf Veränderungen zur frühen Detektion diabetischer Retinopathie
Weitere Analysen bestätigten, dass insbesondere die Veränderungen der Gefäßdichte im oberflächlichen Gefäßkomplex im temporalen Bereich (16–21 mm) einen hohen diagnostischen Wert für die Vorhersage für eine klinische diabetische Retinopathie besitzen.
Fazit: Frühzeitige Detektion diabetischer Retinopathie mittels Ultraweitfeld-OCTA
Die Identifikation quadrantenspezifischer Gefäßveränderungen mittels Ultraweitfeld-OCTA eröffnet neue Perspektiven für die frühe Diagnostik der diabetischen Retinopathie. Sie könnte dazu beitragen die Früherkennung und Prävention der Erkrankung maßgeblich zu verbessern.









