Weltweit zählen Augenverletzungen zu den wichtigsten Ursachen für Sehbehinderung und Sehverlust bis hin zur Blindheit. Neben akuten Schäden können sie langfristige funktionelle Einschränkungen verursachen und sind häufig mit psychosozialen Belastungen verbunden. Okuläre Traumata stellen auch für Gesundheitssysteme eine relevante Herausforderung dar.
Erhöhtes Verletzungsrisiko im Kindes- und Jugendalter
Kinder und Jugendliche gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen, wenn es um Augenverletzungen geht. Gründe dafür sind unter anderem ihr spielerisches Verhalten, ihre noch eingeschränkte Fähigkeit zur Risikoeinschätzung und ihre noch nicht vollständig entwickelte motorische Koordination. Auch anatomische Faktoren können das Verletzungsrisiko erhöhen.
Globale Datenanalyse zu Augenverletzungen
Im Rahmen einer aktuellen Auswertung auf Basis der Global Burden of Disease Study 2021 wurde die Entwicklung der Krankheitslast von Augenverletzungen bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 19 Jahren zwischen 1990 und 2021 untersucht. Dafür wurden Daten aus 204 Ländern und Territorien herangezogen.
Dabei wurden die Inzidenz sowie die Years Lived with Disability (YLD), also die mit gesundheitlichen Einschränkungen verbrachten Lebensjahre, analysiert. Die Auswertung erfolgte nach Geschlecht, Altersgruppen, Regionen, Ländern und soziodemografischem Entwicklungsindex.
Weltweit sinkende Inzidenz- und Belastungsraten
Zwischen 1990 und 2021 zeigte sich weltweit ein Rückgang der altersstandardisierten Inzidenzrate und der altersstandardisierten YLD-Rate von Augenverletzungen bei Kindern und Jugendlichen.
Im Jahr 2021 waren schätzungsweise 11,5 Millionen Kinder und Jugendliche von einer Augenverletzung betroffen. Diese führten zu etwa 85.000 YLD. Der Rückgang der absoluten Fallzahlen fiel deutlich geringer aus als die Abnahme der altersstandardisierten Raten. Ein wesentlicher Grund dafür ist das globale Bevölkerungswachstum.
Geschlechts- und altersabhängige Unterschiede
Die Analyse zeigte durchgängig höhere Belastungsraten bei Jungen als bei Mädchen. Dieses Muster zeigte sich sowohl bei der Inzidenz als auch bei den YLD.
Auch zwischen den Altersgruppen bestanden deutliche Unterschiede. Zwar ging die Krankheitslast in allen Altersgruppen im Vergleich zu 1990 zurück. Besonders ausgeprägt war der Rückgang bei jüngeren Kindern, während die Krankheitslast mit zunehmendem Alter anstieg und bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren ihren Höchststand erreichte.
Deutliche regionale und nationale Unterschiede
Regional betrachtet wies Südasien im Jahr 2021 die höchste absolute Krankheitslast durch Augenverletzungen bei Kindern und Jugendlichen auf, dicht gefolgt von Ostasien. Die höchsten altersstandardisierten Raten wurden jedoch in Australasien beobachtet, während Ozeanien die niedrigsten Werte aufwies. In den meisten Weltregionen gingen die Raten im Untersuchungszeitraum zurück. Besonders ausgeprägt war der Rückgang im tropischen Lateinamerika.
Auch auf Länderebene zeigte sich eine große Spannweite. Indien verzeichnete die höchste absolute Zahl an Fällen und YLD. Die höchsten altersstandardisierten Raten wurden in Neuseeland beobachtet, die niedrigsten in Kiribati. In einigen Ländern, darunter Afghanistan, der Jemen und Libyen, nahmen die altersstandardisierten Raten im Untersuchungszeitraum zu. Die stärksten Rückgänge wurden in Timor-Leste beobachtet.
Krankheitslast abhängig vom soziodemografischen Entwicklungsstand
Die Analyse nach dem sozio-demografischen Entwicklungsindex (SDI) zeigte, dass Länder mit hohem bzw. hohem mittlerem SDI die höchsten altersstandardisierten Belastungsraten aufwiesen. Zwischen 1990 und 2021 gingen die Raten in nahezu allen SDI-Gruppen zurück. In Ländern mit niedrigem SDI war dieser Rückgang jedoch nicht statistisch signifikant. Seit etwa 2015 ist in Ländern mit hohem SDI erneut ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Auch auf nationaler Ebene nahm die Krankheitslast im oberen SDI-Bereich mit steigendem Entwicklungsniveau zu.
Unbeabsichtigte Verletzungen als wichtige Ursache
Weltweit waren die meisten Augenverletzungen bei Kindern und Jugendlichen auf unbeabsichtigte Verletzungen zurückzuführen. Deutlich seltener waren Verletzungen durch Selbstschädigung, interpersonelle Gewalt oder Verkehrsunfälle.
Regional bestanden jedoch Unterschiede. So spielten in Nordafrika und im Nahen Osten Verletzungen durch Selbstschädigung und interpersonelle Gewalt eine vergleichsweise größere Rolle. In der Hocheinkommensregion Nordamerika wurden transportbedingte Verletzungen dagegen häufiger beobachtet.
Anstieg der Krankheitslast bis 2040 erwartet
Modellierungen deuten darauf hin, dass die globale Krankheitslast künftig wieder ansteigen könnte. Sowohl die altersstandardisierte Inzidenzrate als auch die altersstandardisierte YLD-Rate dürften bis 2040 zunehmen. Parallel dazu wird ein weiterer Anstieg der absoluten Fallzahlen erwartet. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung gezielter Präventionsmaßnahmen in besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen und Regionen.












