Myopie bei Kindern: Vorbeugen und Behandeln

Bei der Online-Pressekonferenz der Stiftung Auge wurde auf die Bedeutung früher Diagnostik und Behandlung von Myopie bei Kindern aufmerksam gemacht und über Risiken schlecht behandelter Kurzsichtigkeit aufgeklärt.

Sehtest Kind

Die wachsende Bedeutung der Myopiekontrolle im Kindesalter.

Kurzsichtigkeit (Myopie) ist weltweit auf dem Vormarsch, bedingt durch veränderte Verhaltensweisen in Bezug auf Seh-, Lern- und Freizeitaktivitäten. In der Online-Pressekonferenz der Stiftung Auge wurde darauf hingewiesen, dass eine ausgeprägte Myopie das Risiko für schwerwiegende Augenerkrankungen wie Katarakt, Glaukom und Netzhautablösung signifikant erhöht. Eine frühzeitige Kontrolle und Prävention im Kindesalter sei daher essenziell, um die Progression der Myopie und damit verbundene Risiken zu minimieren.

Ursachen für Myopie sind multifaktoriell.

Myopie tritt auf, wenn der Augapfel länger als normal ist, was dazu führt, dass Lichtstrahlen vor der Netzhaut gebündelt werden und Betroffene in der Ferne unscharf sehen. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von genetischen Faktoren über Krankheiten wie Diabetes bis hin zu umweltbedingten Einflüssen wie erhöhter Naharbeit und geringer Zeit im Freien.

Globale Unterschiede im Anstieg der Myopie-Inzidenz

Die Myopieraten haben besonders in Südostasien zugenommen, wo die Prävalenz von Kurzsichtigkeit seit dem Zweiten Weltkrieg von 20- auf 80% angestiegen ist. In Deutschland blieb die Rate mit etwa 11% stabil, aber zukünftige Trends, vor allem nach der Corona-Pandemie, müssen genau beobachtet werden.

Starker Einfluss von Verhalten und Umwelt auf das Myopierisiko

Verhalten und Umwelt spielen eine größere Rolle bei der Entwicklung von Myopie als genetische Faktoren. Die Zeit, die Kinder mit Naharbeit verbringen, sowie der Leseabstand beeinflussen das Myopierisiko deutlich. Körperliche Aktivitäten und regelmäßiger Aufenthalt im Freien seien effektive Maßnahmen zur Verringerung des Myopierisikos.

Frühe Diagnose und regelmäßige Überwachung ratsam

Es sei entscheidend, Kinder frühzeitig augenärztlich untersuchen zu lassen, insbesondere wenn Risikofaktoren wie familiäre Vorbelastungen oder bestimmte Grunderkrankungen vorliegen. Regelmäßige Kontrollen helfen, die Entwicklung der Sehfähigkeit genau zu überwachen und entsprechend zu handeln, wenn eine Progression der Myopie festgestellt wird.

Atropin zur Verlangsamung des Augenwachstums

Die Verwendung von niedrig dosiertem Atropin zur Verlangsamung des Augenwachstums ist eine bewährte Methode. Diese Behandlung wird Kindern im Alter von 6 bis 14 Jahren angeboten, wenn eine signifikante Progression der Myopie vorliegt.

Alternativen zur medikamentösen Kontrolle der Myopie Progression.

Optische Hilfsmittel wie multifokale oder orthokeratologische Kontaktlinsen sowie speziell entwickelte Brillengläser, die einen zusätzlichen Fokus vor der peripheren Netzhaut erzeugen, können ebenfalls zur Kontrolle des Augenwachstums eingesetzt werden. Diese Methoden bieten eine alternative oder ergänzende Möglichkeit zur medikamentösen Therapie.

Aufklärung der Eltern essenziell.

Angesichts der steigenden Myopieraten sei es wichtiger denn je, dass Eltern über die Risiken und Präventionsstrategien informiert sind. Durch frühzeitige Erkennung, regelmäßige Überwachung und gezielte Behandlung kann das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit bei Kindern wirksam reduziert werden. Dadurch lassen sich laut der Experten nicht nur die Sehfähigkeit der Kinder verbessern, sondern auch das Risiko für spätere Augenerkrankungen verringern.

Autor:
Stand:
10.06.2024
Quelle:

Stiftung Auge, Stiftung der Deutschen Ophthalmologie Gesellschaft (DOG), Pressekonferenz, 15. Mai 2024

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