Zusammenhang zwischen nächtlicher Hypoxie und feuchter AMD

Ein nocturnaler Sauerstoffmangel aufgrund obstruktiver Schlafapnoe könnte einen Risikofaktor für die feuchte altersbedingte Makuladegeneration darstellen – und einen Ansatzpunkt für präventive Maßnahmen.

CPAP-Therapie Schlafapnoe

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) zählt zu den häufigsten Ursachen für Erblindung bei Menschen über 50 Jahre. Allein in Deutschland sind etwa 4,5 Millionen Menschen von AMD betroffen. Die Erkrankung wird in zwei Hauptformen unterteilt: die trockene und die feuchte, neovaskuläre AMD (nAMD). 
Während genetische Prädisposition, Rauchen und Ernährung als etablierte Risikofaktoren gelten, bleiben viele Fragen zu weiteren potenziell modifizierbaren Faktoren offen.

Ein möglicher Zusammenhang zwischen nächtlicher Hypoxie, verursacht durch obstruktive Schlafapnoe (OSA), und der Entwicklung von nAMD ist bislang wenig untersucht. Eine aktuelle Studie des Centre for Eye Research Australia (CERA) zeigt nun, dass moderate bis schwere Formen der OSA mit einem erhöhten Risiko für nAMD assoziiert sein könnten. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Clinical & Experimental Ophthalmology veröffentlicht.

Analyse von Schlafapnoe und AMD bei über 50-Jährigen

In einer Querschnittsstudie untersuchten die Forschenden insgesamt 225 Teilnehmende im Alter von über 50 Jahren. Diese waren entweder von AMD betroffen oder gehörten zu einer gesunden Kontrollgruppe. Probanden, die bereits wegen OSA behandelt wurden, waren von der Studie ausgeschlossen.

Mittels multimodaler Bildgebung wurde die AMD-Form und der Schweregrad bestimmt. Gleichzeitig erfolgte eine Überwachung der Sauerstoffsättigung über bis zu drei Nächte mit einem Heim-Pulsoximeter.

Die Klassifikation der obstruktiven Schlafapnoe erfolgte anhand des Oxygen Desaturation Index (ODI):

  • Mild: ODI 5–15
  • Moderat bis schwer: ODI >15

Zusammenhang zwischen OSA und feuchter AMD

Von den 225 Teilnehmenden litten 76% an AMD, wobei 42% zusätzlich die Hochrisiko-Subform der retikulären Pseudodrusen (RPD) aufwiesen.

Die Studie zeigte keinen generellen Zusammenhang zwischen obstruktiver Schlafapnoe und AMD. Weder milde noch moderate bis schwere Formen standen im Gesamtkollektiv mit einem erhöhten Risiko für AMD oder RPD in Verbindung (p≥0,180).

Eine Ausnahme bildete jedoch die feuchte AMD: Hier waren moderate bis schwere Ausprägungen der obstruktiven Schlafapnoe signifikant mit einem erhöhten Risiko für die feuchte AMD assoziiert (Odds Ratio 6,35; 95%-KI 1,18–34,28; p=0,032). In frühen und intermediären Stadien der AMD sowie bei geografischer Atrophie (GA) konnte hingegen keine statistisch signifikante Korrelation festgestellt werden (p≥0,130).

Einfluss von nächtlicher Hypoxie auf das Gefäßwachstum bei feuchter AMD

Die lichtsensitive Retina hat nachts einen erhöhten Energiebedarf, um die Regeneration der Sehzellen sicherzustellen. Eine nocturnale Hypoxie, wie sie bei unbehandelter OSA auftritt, könnte die Sauerstoffversorgung der Retina beeinträchtigen und dadurch ischämische Prozesse begünstigen.

Besonders bei der feuchten AMD spielt die Bildung neuer, pathologischer Blutgefäße eine entscheidende Rolle. Hypoxie-induzierte Faktoren könnten dieses Gefäßwachstum stimulieren und somit das Fortschreiten der Erkrankung begünstigen. Dies würde erklären, warum gerade moderate bis schwere Formen der OSA spezifisch mit der nAMD korrelieren, so die Forschenden.

Klinische Relevanz und Handlungsbedarf

Die Studienergebnisse legen nahe, dass obstruktive Schlafapnoe ein bisher unterschätzter, modifizierbarer Risikofaktor für die feuchte AMD ist. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Ophthalmologie und Schlafmedizin und liefern neue Ansätze zur Risikominimierung für Betroffene.

Aus klinischer Sicht ergeben sich folgende Implikationen:

  • Ein systematisches Screening auf OSA erscheint bei Patientinnen und Patienten mit frühen AMD-Stadien sinnvoll.
  • Eine rechtzeitige Behandlung der OSA, beispielsweise durch CPAP-Therapie, könnte das Risiko eines Übergangs zur feuchten AMD reduzieren.

Dr. Carla Abbott, Co-Supervisorin der Studie, betont jedoch die Notwendigkeit größerer, prospektiver Studien, um diese Ergebnisse zu bestätigen und den konkreten Nutzen einer OSA-Therapie bei AMD-Patienten zu evaluieren.

Autor:
Stand:
30.12.2024
Quelle:

Chaudhary, A. et al. (2024): Nocturnal hypoxia and age‐related macular degeneration. Clinical & Experimental Ophthalmology, DOI: 10.1111/ceo.14428.

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