Die Früherkennungsuntersuchungen (U-Untersuchungen) sind ein integraler Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems und bieten eine systematische Überwachung der Gesundheit von der Geburt bis zum fünften Lebensjahr. Trotz der hohen Teilnahmerate bei den U-Untersuchungen besteht eine signifikante Vorsorgelücke zwischen dem fünften und dreizehnten Lebensjahr, dem Zeitpunkt der Jugendgesundheitsuntersuchung (J1). Zudem sinkt die Teilnahmerate von den Früherkennungsuntersuchungen zur J1: Während die Teilnahmeraten an den U-Untersuchungen über 90% betragen, liegt die an der J1 derzeit bei knapp unter 50%.
Die Patientenvertretung des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) hat daher einen Antrag gestellt, der darauf abzielt, diese Vorsorgelücke zu schließen und die Teilnahmerate an der J1 zu erhöhen. Der Antrag stützt sich insbesondere auf Ergebnisse der 2. Erhebungswelle der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS), die vom Robert-Koch-Institut (RKI) durchgeführt wird.
Neue U-Untersuchung und Dokumentation der J1
Der Antrag beabsichtigt zum einen, die Ergebnisse der J1-Untersuchung in das Gelbe Heft zu integrieren, um so die Aufmerksamkeit und Inanspruchnahme der J1 zu erhöhen.
Des Weiteren gibt es seit der Verabschiedung des Präventionsgesetzes im Jahr 2015 politische Forderungen, unterstützt durch wissenschaftliche Empfehlungen, für eine standardisierte Früherkennungsmaßnahme für Kinder im Alter von 9 Jahren. Im internationalen Kontext existieren bereits ähnliche Vorsorgeprogramme. Der Antrag zielt daher weiterhin darauf ab, eine neue Früherkennungsuntersuchung für Kinder zwischen 9 und 10 Jahren einzuführen. Diese Untersuchung soll insbesondere die Themen Übergewicht/Adipositas, Bewegung und Medienkonsum, psychische Auffälligkeiten und Impfberatung abdecken.
Impfberatung und HPV
So ist ab dem Alter von 9 Jahren eine Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) zugelassen und empfohlen. Trotz der nachgewiesenen Wirksamkeit der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs ist die Impfrate in Deutschland unzureichend. Der Antrag sieht vor, durch gezielte Aufklärungsarbeit die Impfrate zu steigern.
Regelversorgung für jedes Kind
Die Einführung einer neuen Früherkennungsuntersuchung für Kinder im Alter von 9 bis 10 Jahren und die Optimierung der J1 sind wichtige Schritte zur Schließung der Vorsorgelücke. Insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie, die weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat, ist eine solche Initiative von hoher Relevanz. Durch die Integration der J1-Ergebnisse in das Gelbe Heft könnte zudem die Teilnahmerate an der J1 signifikant gesteigert werden.
„Wir wissen, dass Krankenkassen zusätzliche Vorsorgemaßnahmen in Form von Selektivverträgen anbieten. Ob Familien dieses Angebot nutzen können, hängt allerdings davon ab, ob die Kinderärztin oder der Kinderarzt und die Krankenkasse an einem solchem Vertrag teilnehmen. Unser Anliegen ist es hier, ein Angebot der Regelversorgung zu machen, das allen Heranwachsenden zusteht – unabhängig von der Krankenkassenzugehörigkeit und der Kinderarztpraxis“, so Raimund Geene, Patientenvertreter im G-BA.
Der Antrag wurde am 17. August 2023 durch den G-BA (Plenum) angenommen und das Beratungsverfahren eingeleitet. Es bleibt abzuwarten, ob und wie diese Änderungen in der Praxis umgesetzt und angenommen werden.









