Mütterliche Adipositas ist bereits als Risikofaktor für negative Schwangerschaftsausgänge bekannt. Dazu gehören Totgeburten, Frühgeburten, angeborene Fehlbildungen und eine erhöhte Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Therapie.
Ein hoher maternaler Body-Mass-Index (BMI) ist zudem mit einer erhöhten Säuglingssterblichkeit assoziiert, insbesondere bei Todesfällen aufgrund angeborener Anomalien oder Geburtskomplikationen wie Asphyxie.
Diese Zusammenhänge deuten darauf hin, dass es einen biologischen Zusammenhang zwischen Adipositas der Mutter und dem Risiko des plötzlichen Säuglingstodes geben könnte.
Unklarheiten im Zusammenhang zwischen Adipositas und SIDS
Bislang ist dieser Zusammenhang nicht eindeutig geklärt, aber der plötzliche unerwartete Kindstod (SUID [sudden unexpected infant death]) ist nach wie vor eine der häufigsten Ursachen für Säuglingssterblichkeit in den USA.
Jedes Jahr werden etwa 3.500 SUID-Fälle gemeldet. Diese können in drei Hauptkategorien eingeteilt werden: Plötzlicher Kindstod (SIDS [Sudden Infant Death Syndrome]), unklare oder unbekannte Ursachen sowie Ersticken und Strangulation im Bett.
Während die SUID-Raten in den USA in den 1990er Jahren dank Aufklärungskampagnen über sichere Schlafpositionen deutlich zurückgingen, stagnieren sie seit Ende der 1990er Jahre trotz eines Rückgangs von Risikofaktoren wie bspw. dem Rauchen der Mutter.
Im Gegensatz zu den sinkenden Raucherquoten steigt die Rate der mütterlichen Adipositas weiter an. Dennoch wird mütterliche Adipositas bisher weder in Expertenmeinungen noch in öffentlichen Aufklärungskampagnen als Risikofaktor für den plötzlichen Säuglingstod anerkannt. Einige Experten vermuten, dass Adipositas in Kombination mit einer gemeinsamen Bettnutzung das Risiko für den plötzlichen Säuglingstod erhöhen könnte. Diese Vermutungen beruhen jedoch hauptsächlich auf Einzelfallberichten und nicht auf groß angelegten epidemiologischen Studien.
Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Adipositas und SUID
Ziel einer US-amerikanischen Studie war es daher, den Zusammenhang zwischen mütterlicher Adipositas und dem Risiko für SUID zu untersuchen.
Primärer Endpunkt war die Häufigkeit von SUID in Abhängigkeit vom mütterlichen BMI vor der Schwangerschaft. Es wurde untersucht, wie verschiedene BMI-Kategorien das SUID-Risiko beeinflussen.
Zusätzlich wurde der Einfluss des Gestationsalters bei der Geburt auf das SUID-Risiko analysiert. Ein weiterer Endpunkt war die Schätzung des Anteils der SUID-Fälle, die auf mütterliche Adipositas zurückzuführen sind.
Signifikante Risikoerhöhung mit zunehmendem BMI
Eine Kohortenanalyse von fast 19 Millionen Lebendgeburten in den USA ergab, dass 16.545 dieser Kinder einen plötzlichen Säuglingstod erlitten. Dies entspricht einer Rate von etwa 0,88 Fällen pro 1.000 Geburten.
Das Risiko für SUID stieg signifikant mit dem Schweregrad der mütterlichen Adipositas. Kinder von Müttern mit leichter Adipositas (BMI 30,0-34,9 kg/m²) hatten ein um 10% erhöhtes Risiko, bei moderater Adipositas (BMI 35,0-39,9 kg/m²) stieg das Risiko um 20% und bei schwerer Adipositas (BMI ≥40,0 kg/m²) um 39%.
Diese Risikoerhöhung bestand unabhängig von der Schwangerschaftsdauer, was darauf hindeutet, dass das erhöhte SUID-Risiko nicht nur auf eine Frühgeburt zurückzuführen ist, sondern direkt mit einem höheren maternalen Körpergewicht zusammenhängt.
Zudem stieg das SUID-Risiko bei Müttern mit einem BMI >25 kg/m² besonders schnell an. Insgesamt ist davon auszugehen, dass etwa 5,4% der SUID-Fälle auf mütterliches Übergewicht zurückzuführen sind, was in den USA schätzungsweise 179 Todesfällen pro Jahr entspricht.
Praktische Bedeutung: Prävention und Beratung
Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Gewichtskontrolle bei Frauen im gebärfähigen Alter. Angesichts des anhaltenden Anstiegs der Adipositasraten und der damit verbundenen Gesundheitsrisiken ist es von entscheidender Bedeutung, dass medizinisches Fachpersonal diesen Faktor bei der Beratung und Behandlung berücksichtigt.
Die Berücksichtigung der mütterlichen Adipositas als Risikofaktor in Präventionsstrategien gegen SUID könnte dazu beitragen, die Säuglingssterblichkeit weiter zu senken.
Zukünftige Studien sollten sich auf die spezifischen Mechanismen konzentrieren, die den Zusammenhang zwischen mütterlicher Adipositas und SUID erklären, um gezielte Interventionen zu entwickeln.









