Körperliche Aktivität ist entscheidend für Gesundheit und Wohlbefinden, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 17 Jahren täglich mindestens 60 Minuten moderat bis intensiv körperlich aktiv sein sollten. Weltweit erfüllt jedoch weniger als ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen diese Empfehlung. Die COVID-19-Pandemie hat diesen Trend zur körperlichen Inaktivität weiter verstärkt, was langfristig schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann.
Fitnesstracker als Interventionsmaßnahme
Fitnesstracker wie Smartwatches und andere Sportuhren bieten die Möglichkeit, körperliche Aktivität durch Selbstüberwachung und Zielsetzung zu fördern. Diese Geräte können das Verhalten positiv beeinflussen, indem sie positive Rückmeldung über die tägliche körperliche Aktivität geben und so zur Aufrechterhaltung gesunder Lebensgewohnheiten beitragen. Während die Wirksamkeit solcher Tracker bei Erwachsenen gut dokumentiert ist, fehlten bislang eindeutige Belege für den Nutzen bei Kindern und Jugendlichen.
Fitnesstracker auch bei Kindern und Jugendlichen sinnvoll?
In einer systematischen Übersicht und Metaanalyse wurden 21 Studien mit insgesamt 3676 Teilnehmern untersucht, die den Einfluss von Fitnesstrackern auf die körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 19 Jahren evaluierten. Die Studien umfassten sowohl gesunde als auch klinisch belastete Populationen und die Interventionen hatten eine durchschnittliche Dauer von 17,2 Wochen. Verwendet wurden zumeist Geräte mit einem Schrittzähler zur Messung der körperlichen Aktivität.
Steigerung der täglichen Schrittzahl
Die Metaanalyse ergab, dass die Nutzung von Fitnesstrackern bei Kindern und Jugendlichen zu einer signifikanten Erhöhung der täglichen Schrittzahl führte, mit einer standardisierten mittleren Differenz (SMD) von 0,37 (p=0,013). Dieser Anstieg war jedoch mit einer großen Heterogenität zwischen den Studien verbunden (I² = 72,7 %), was darauf hindeutet, dass die Ergebnisse stark von den jeweiligen Studienbedingungen abhängig waren. Insbesondere Studien mit einer kürzeren Dauer von weniger als 12 Wochen zeigten tendenziell stärkere Effekte. Trotz dieser Variabilität wurden positive Effekte von Fitnesstrackern auf die Schrittzahl in verschiedenen Kontexten beobachtet, sei es in der Schule, im Alltag oder in klinischen Settings.
Kein Einfluss auf sonstige körperliche Aktivität
Im Gegensatz dazu ergab die Analyse der moderaten bis intensiven körperlichen Aktivität keinen signifikanten Effekt (SMD -0.08; p=0.11). Ein möglicher Grund hierfür könnte laut der Forscher sein, dass in den Studien überwiegend Schrittzähler verwendet wurden, die zwar Schritte zählen, aber keine genaue Rückmeldung über die Intensität der Aktivität geben. Dies macht die Aussagekraft hinsichtlich anderer körperlicher Aktivität fraglich.
Hinzu kommt, dass die Tracker von den Jugendlichen häufig während intensiver Aktivitäten, wie z.B. Sport, abgelegt werden, da sie als störend empfunden werden. Ein weiteres Problem ist die fehlende Standardisierung der Messkriterien für die Aktivitätsintensität in den verschiedenen Studien, was die Vergleichbarkeit und Genauigkeit der Ergebnisse beeinträchtigen könnte.
Adhärenz lässt mit der Zeit nach
Die Untersuchung der sekundären Endpunkte, einschließlich der Gesamtaktivität (gemessen in „counts per minute“), der leichten körperlichen Aktivität und der Reduktion der Sitzzeiten, ergab ebenfalls keine signifikanten Veränderungen durch den Einsatz der Tracker. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die im Laufe der Zeit abnehmende Adhärenz bei der Nutzung der Anwendungen, was die langfristige Wirksamkeit der Interventionen in Frage stellen lässt.
Fitnesstracker könnten Potenzial haben
Die Ergebnisse dieser Metaanalyse zeigen, dass Fitnesstracker bei Kindern und Jugendlichen zu einer moderaten Steigerung der täglichen Schrittzahl führen können, was sich positiv auf die Gesundheit auswirken kann. Ihre Wirksamkeit zur Förderung intensiverer körperlicher Aktivität bleibt jedoch, zumindest anhand dieser Analyse, begrenzt.
Zukünftige Studien sollten sich darauf konzentrieren, die Compliance bei der Nutzung dieser Geräte zu verbessern und die Langzeiteffekte genauer zu untersuchen, um das volle Potenzial von Fitnesstrackern für die Gesundheitsförderung auszuschöpfen. Darüber hinaus sollten die immer innovativeren Geräte und Bedienelemente in zukünftige Studien einbezogen werden, da verschiedene Wettbewerbe und Spiele untereinander die Adhärenz weiter fördern könnten.