Intervallfasten (intermittierendes Fasten, IF) ist eine Form des Fastens, bei welcher stunden- bzw. tageweise auf Nahrung verzichtet wird. Dabei gibt es verschiedene Modelle, die sich in Dauer und Häufigkeit des Nahrungsverzichts unterscheiden, wie zum Beispiel das 16:8-Fasten, bei dem man 16 Stunden fastet und in einem 8-stündigen Zeitraum isst. Eine andere Methode ist das 5:2-Fasten, bei dem man an 5 Tagen normal isst und an 2 Tagen nur 500-600 Kalorien zu sich nimmt.
In den letzten Jahren hat sich das Intervallfasten zu einer immer beliebteren Methode zur Gewichtsreduktion etabliert, denn im Gegensatz zu einer Diät wird nicht auf bestimmte Lebensmittel verzichtet, sondern die Zeit des Essens reduziert. In der Phase des Nicht-Fastens darf somit alles ad-libitum, also nach Belieben, verzehrt werden [1].
Aktuelle Studienlage - Intervallfasten wirklich zielführend?
Intervallfasten hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen und soll im Gegensatz zu anderen Diätformen eine bessere Adhärenz haben. Ihm werden positive Stoffwechseleffekte zugeschrieben, die in Tierstudien gezeigt werden konnten. Regelmäßiges Fasten soll das Risiko für chronische Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologische Erkrankungen sowie Krebs senken.
Klinische Humanstudien zu Langzeitauswirkungen und potenziellen Nebenwirkungen sind aktuell selten. Beobachtungen zeigen jedoch, dass intermittierendes Fasten mit verschiedenen Formen der Essstörungen in Verbindung gebracht werden kann.
Ziel eines Wissenschaftlerteams um Kyle Ganson der Universität Toronto war es daher, die Prävalenz von Intermittierendem Fasten bei einer großen kanadischen Stichprobe von jungen Männern, Frauen und transgender/gender non-confirming (TGNC)-Personen zu ermitteln und zusätzlich den Zusammenhang von IF und Essstörungsverhalten sowie Psychopathologien zu beschreiben [1].
Intervallfasten mit erhöhter Prävalenz von Essstörungen assoziiert
Die Studie umfasste etwa 2.700 Teilnehmer im Alter von 16 bis 30 Jahren. Die Teilnehmer füllten Fragebögen aus, die ihre Ernährungsgewohnheiten, Essstörungen und psychische Gesundheit erfassten. Die Forscher analysierten die Daten, um den Zusammenhang zwischen Intervallfasten und Essstörungen sowie psychischen Erkrankungen zu untersuchen.
Die Studie ergab, dass 47% der Frauen, 38% der Männer und 52% der TGNC-Personen IF in den letzten 12 Monaten praktiziert hatten. Diese Gruppe von Teilnehmern hatte eine höhere Wahrscheinlichkeit, Essstörungen und psychische Probleme zu haben als Teilnehmer, die nicht fasteten.
Männer waren dabei genauso wie Frauen von Essstörungen betroffen, jedoch zeigten sich bei beiden Geschlechtern unterschiedliche Muster und Symptome. Bei Männern war eher die Entwicklung eines Sportzwangs zu beobachten, während Frauen eher zu Essanfällen, unkontrolliertem Essen, erzwungenem Erbrechen und dem Gebrauch von Abführmitteln neigten [1].
Mehr Forschung notwendig, um Zusammenhänge zu verstehen
Es ist wichtig, dass alle Formen von Essstörungen bei der Betrachtung der Auswirkungen von Intervallfasten auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen berücksichtigt werden. Außerdem muss beachtet werden, dass diese Studie nicht beweist, dass Intervallfasten Essstörungen verursacht. Es könnte sein, dass Menschen, die anfälliger für Essstörungen und psychische Probleme sind, eher dazu neigen, Intervallfasten auszuprobieren.
Die Ergebnisse unterstreichen allerdings den gemeinsamen Charakter von IF und die damit verbundenen psychopathologischen Verhaltensweisen dem Essen und Abnehmen gegenüber. Die Autoren fordern weitere Studien zu diesem Thema, sowie klinische und öffentliche Gesundheitsbemühungen zum Schutz der Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen [1].
Kinderärzte rufen zur Vorsicht auf - Abnehmen mit Expertenteam
Wollen Kinder und Jugendliche ihr Gewicht reduzieren bzw. normalisieren, soll dies altersadaptiert und in einem multimodalen Konzept geschehen. In einer Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte empfehlen Experten eine Kombination aus Diät und körperlicher Aktivität unter der Betreuung durch einen Ernährungsspezialisten sowie Arztes [2].










