Die Gabe von Melatonin, beispielsweise in Form von Melatonin-Gummibärchen, bei Kindern und Jugendlichen ist in der Fachwelt und darüber hinaus umstritten. Auf der diesjährigen Jahrestagung der DGSM in Berlin stellte die Fachgesellschaft erstmals ihre neue interdisziplinäre medizinische Leitlinie zu den Möglichkeiten und Grenzen des Melatonin-Einsatzes bei Kindern und Jugendlichen vor.
Melatonin-Gabe bei Kindern birgt Risiken
Melatonin ist ein Hormon, das nur nach ärztlicher Abklärung verabreicht werden sollte. Das gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche, bei denen die langfristige Wirkung von verabreichtem Melatonin noch nicht vollständig bekannt ist. Es gibt Hinweise darauf, dass eine chronische Einnahme von Melatonin bei Jugendlichen den Pubertätseintritt beeinflussen kann. Zudem kam es kürzlich in den USA vermehrt zu Todesfällen von Kindern im Alter von 1 bis 2 Jahren, die im zeitlichen Zusammenhang mit Melatonin-Überdosierungen berichtet wurden.
Melatonin-Gabe kann in einzelnen Fällen sinnvoll sein
Weltweit liegen 33 randomisierte placebokontrollierte Studien zum Einsatz von Melatonin bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 2 bis 18 Jahren vor, die sich auf zwölf klar definierte Diagnosen beziehen. Darunter fallen Einschlafstörungen (allein oder in Verbindung mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom), Autismus-Spektrum-Störungen, krankhafte Verschiebungen der Schlafphasen oder etwa nach Gehirnerschütterungen. Nicht wirksam war Melatonin in Studien hingegen bei Kindern und Jugendlichen mit Dravet-Syndrom, einer schweren, frühkindlichen Epilepsieform.
In Deutschland ist Melatonin nur für Kinder und Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störung oder Smith-Magenis-Syndrom zugelassen, die an Schlafstörungen leiden.
Von Einschlafstörungen wird gesprochen, wenn das Einschlafen mehrmals in der Woche länger als 30 Minuten dauert. Melatonin sollte erst nach einer ausführlichen ärztlichen Anamnese und entsprechenden gezielten Untersuchungen als Therapieoption erwogen und erst dann eingenommen werden, wenn andere Maßnahmen zur Schlafhygiene gescheitert sind. Dann kann Melatonin in einer möglichst geringen Dosis (<1 mg, je nach Alter 0,25-0,5 mg) vor dem Schlafengehen eingenommen werden.
Schlaflieder und Mozart-Melodien können Schlafqualität verbessern
Dass eine medikamentöse Behandlung nicht immer notwendig ist, zeigen auch Studien, die nachgewiesen haben, dass vorgesungene Schlaflieder bei Säuglingen die Sauerstoffsättigung, die Herzfrequenz und den Blutdruck positiv beeinflussen und somit auch die Schlafqualität verbessern können. Melodien von Mozart haben ähnliche Wirkungen gezeigt.









