In den USA sterben jedes Jahr mehr als 2900 Kinder unter vier Jahren an unbekannten Ursachen. Der plötzliche Kindstod (engl. Sudden Infant Death Syndrome; SIDS) stellt dort die fünfthäufigste Todesursache in dieser Altersgruppe dar. Meistens treten derartige Todesfälle im Schlaf auf. Autopsien sind meist unauffällig. Der genaue Todesmechanismus bleibt somit oftmals unbekannt.
Um mögliche Todesmechanismen besser zu verstehen, analysierte ein Autorenteam 301 Fälle von ungeklärten plötzlichen Todesfällen bei Kindern aus dem Datensatz des SUDC- (Sudden Unexplained Death in Childhood) Registers der Universität in New York. Darunter auch mehrere Videos, die die letzte Schlafphase von sieben Kleinkindern zeigten, bevor sie unerwartet verstarben. Es handelte sich dabei um vier Jungen und drei Mädchen, die im Alter von 13 bis 27 Monaten verstorben sind. Sie wiesen ähnliche demografische Merkmale auf, wie die restlichen knapp 300 Fälle, zu denen keine Videoaufnahmen vorlagen.
Videos zeigen Krampfanfälle
Die Heimvideos wurden von acht Ärzten unabhängig begutachtet und ausgewertet, darunter sechs Rechtsmediziner. Alle sieben Kinder starben im Schlaf in Bauchlage. Sechs der Kinder lagen dabei mit dem Gesicht nach unten. Allen Videos gemein ist das teils deutliche bis sehr wahrscheinliche Auftreten von Krampfanfällen im Vorfeld des eintretenden Todes.
Bei vier Kindern zeigten sich die Anfälle den Ärzten eindeutig, bei einem Kind als sehr wahrscheinlich. Auch bei den verbleibenden Kindern gab es Hinweise auf einen Krampfanfall, wenn auch weniger eindeutig.
Bei denjenigen Kindern, die nach dem Anfall noch einige Minuten überlebten, kam es in der Zeitspanne bis zum Tod zu Tachykardie und Atemproblemen, wie beispielsweise agonales Atmen oder eine verlangsamte Atemfrequenz.
Risiko für kardiale Krankheiten nicht vorhanden
Alle Kinder waren normal entwickelt und wiesen eine normale kardiale Pathologie auf. Des Weiteren deutete keine der Genanalysen auf ein gesteigertes Risiko für kardiale Krankheitsvarianten hin, die manchmal als Todesursache angenommen werden. Zudem gab es keinen Hinweis auf Herzrhythmusstörungen.
Drei der Kinder hatten keine signifikante Krankengeschichte im Vorfeld. Vier wiesen allerdings häufige pädiatrische Krankheiten auf. Darunter Mittelohrentzündungen, Allergien und Fieberkrämpfe.
Auch in den 72 Stunden vor dem Tod traten bei vier Kindern Infektionen, wie Erkältungen oder Windelausschlag, auf. Bei weiteren zwei lagen Infektionen schwacher Natur vor, die jedoch laut Autopsie wahrscheinlich nicht mit dem Tod zusammenhingen.
Unterschiede zu älteren Kindern
Bezogen auf die gesamte Kohorte der 301 Fälle gab es im Gegensatz dazu bei den älteren Kindern (älter als 60 Monate) nur bei einem geringen Anteil Infektionen in den beiden Tagen vor dem Tod; auch hatten nur wenige von ihnen Fieberkrämpfe in der Vorgeschichte. Zudem verstarb ein Drittel nicht im Schlaf.
Fazit der Autoren
Die Auswertung der Videos deutet darauf hin, dass die Todesfälle der Kleinkinder mit krampfartigen bzw. konvulsiven Anfällen in Zusammenhang stehen. Die Forscher stellten fest, dass der postkonvulsive Verlauf der Anfälle typischen Merkmalen von plötzlichen ungeklärten Todesfällen bei Epilepsie ähnlich war. Allerdings hatte nur ein Kind eine Vorgeschichte von (fieberhaften) Krampfanfällen.
Der Schluss liegt nahe, dass krampfartige Anfälle eine häufige aber unterschätzte Ursache für zahlreiche schlafbezogene ungeklärte Todesfälle bei Kleinkindern darstellen könnten und einem ähnlichen Mechanismus wie dem, der konvulsiven Anfällen zugrunde liegt, folgen - auch ohne Vorliegen einer Epilepsiediagnose. Mögliche Auslöser sind unbekannt. Die Forscher vermuten jedoch, dass leichte Infektionen die Anfallsschwelle gesenkt haben könnten.
Die Autoren erkennen die Schwächen der Studie, wie die kleine Stichprobengröße und das Fehlen einer physiologischen Überwachung sowie die unterschiedliche Qualität und Dauer der Aufnahmen, als begrenzende Faktoren an. Dennoch weisen sie auf die besondere Relevanz der Aufnahmen von plötzlichen Todesfällen als einzigartigen Datensatz hin. Er liefert Beweise dafür, dass terminale Anfälle möglicherweise häufiger als angenommen auftreten.
Sie geben zudem zu bedenken, dass anfallsbedingte Todesfälle bei Patienten mit Epilepsie oftmals nur schlecht und bei Personen ohne Epilepsie gar nicht erkannt werden. Autopsien hätten ohne Videobeweis ebenfalls nicht auf Anfälle hingedeutet.









