Bei Kindern, die häufig an Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfällen oder Verstopfung leiden, kann ein Reizdarmsyndrom (RDS) dahinterstecken. Die genaue Anzahl der betroffenen Kinder hängt von den Einschlusskriterien der Studien ab und davon, welche Altersgruppe untersucht wurde. Die Prävalenz liegt zwischen 4,9% und 8,8%. In der aktuellen S3-Leitlinie ist dem empfindlichen Darm bei Kindern ein ganzes Kapitel gewidmet [1].
Die Bedeutung kognitiver Prozesse im therapeutischen Ansprechen, insbesondere von durch den psychosozialen Behandlungskontext oder Vorerfahrungen induzierten Erwartungen, wird zunehmend anerkannt. Diese Erkenntnis ist wichtig, da sie nachweislich die Wirksamkeit von Therapien wesentlich beeinflusst, wie zahlreiche Studien zum Placeboeffekt verdeutlichen. Eine Forschungsgruppe vom First Teaching Hospital der Tianjin University of Traditional Chinese Medicine (TCM), China, hat kürzlich die Placebo-Ansprechrate und die damit verbundenen Einflussfaktoren bei der Behandlung von Kindern mit RDS untersucht. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im „Pediatric Research“ veröffentlicht [2].
Hohe Placebo-Ansprechrate
Die Forschenden durchsuchten die Datenbanken Pubmed, Embase, MEDLINE, Cochrane Library, CNKI, Wanfang und CBM nach randomisierten, placebokontrollierten Studien zum Reizdarmsyndrom bei Kindern von ihrem Beginn bis März 2022. Ziel war die Bewertung der Placebo-Ansprechrate bei Symptomverbesserung.
Insgesamt wurden 13 Studien einbezogen, mit 445 Patienten in der Placebo-Gruppe. Die Rate der Symptombesserung und des Verschwindens von Bauchschmerzen betrug 28,2% (95%-Konfidenzintervall [95%-KI]: 16,6–39,9%) bzw. 5% (95%-KI: 0–18,4%). Der Placeboeffekt basierend auf dem Bauchschmerz-Score betrug 0,675 (95%-KI: 0,203–1,147). Die Art der Verabreichung (p<0,01), das Dosierungsschema (p<0,01) und der klinischen Ergebnisprüfer (p=0,04) hatten einen signifikanten Einfluss auf das Ausmaß des Placeboeffekts.
Placeboeffekt in klinischen Studien berücksichtigen
Dies ist die erste Meta-Analyse, die den Placeboeffekt für die Verbesserung und das Verschwinden von Symptomen bei Kindern mit Reizdarmsyndrom untersucht hat, so die Forschenden. Sie stellten fest, dass mehr als jedes vierte Kind (28,2%) eine positive Reaktion auf die Placebointervention zeigte. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, den Placeboeffekt in klinischen Studien zu berücksichtigen und gegebenenfalls zu reduzieren, um die Genauigkeit der Ergebnisse sicherzustellen.
Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die Art der Verabreichung, eine verringerte Dosierungshäufigkeit und die Bewertung von patientenbezogenen Ergebnissen dazu beitragen könnten, den Placeboeffekt abzuschwächen, kommentieren die Studienautoren.









