Neue S3-Leitlinie rückt späteren Beikoststart in den Fokus

Die Stilldauer in Deutschland ist vergleichsweise kurz. Eine neue S3-Leitlinie kehrt nun zur internationalen WHO-Empfehlung zurück und betont einen späteren Beikoststart.

Stillende mit Säugling

Die Bedeutung der Stilldauer für verschiedene gesundheitliche Aspekte von Kindern wird in zahlreichen Beobachtungsstudien untersucht. Die vorhandenen Daten deuten darauf hin, dass ein längeres ausschließliches Stillen mit einem geringeren Risiko für bestimmte Infektionen, Übergewicht sowie einige chronische Erkrankungen assoziiert sein kann.

Rückkehr zur WHO-Empfehlung als zentraler Leitlinienwechsel

Vor diesem Hintergrund gewinnt die neue S3-Leitlinie besondere Relevanz. Sie empfiehlt nun wieder ein ausschließliches Stillen bis zum Ende des sechsten Lebensmonats sowie die Einführung von Beikost ab dem Beginn des siebten Lebensmonats. Damit wird ein zentraler Paradigmenwechsel vollzogen, der den seit etwa fünfzehn Jahren bestehenden deutschen Sonderweg beendet. Dieser basierte auf Studien zur Allergieprävention, die eine frühere Beikosteinführung während der Stillzeit nahegelegt hatten. 

Gründe für die Neubewertung bisheriger Empfehlungen

Die Leitlinie greift die anhaltende Diskussion um die optimale Stilldauer auf und adressiert bestehende Unsicherheiten in der Praxis. Die bisherigen Empfehlungen zielten darauf ab, allergiepräventive Effekte durch eine frühere Beikosteinführung zu nutzen. Gleichzeitig wurde jedoch versäumt, die Stilldauer insgesamt zu verlängern. Die neue Leitlinie bewertet die Evidenzlage neu und stellt den gesundheitlichen Nutzen des exklusiven Stillens wieder stärker in den Vordergrund.

Einschätzungen des Deutschen Hebammenverbands erhöhen Praxiseinordnung

Der Deutsche Hebammenverband (DHV) begrüßt ausdrücklich die Rückkehr zu den international etablierten Empfehlungen. Nach Aussage der kommissarischen Bundesbeauftragten für Stillen und Ernährung, Kathrin Herold, stellt die Leitlinie einen wichtigen Schritt dar, um den gesellschaftlichen Nutzen des Stillens gegenüber wirtschaftlichen Interessen zu stärken. Auch DHV-Präsidentin Ulrike Geppert-Orthofer erwartet positive Effekte auf die Frauengesundheit, da längeres Stillen langfristig mit gesundheitlichen Vorteilen für stillende Mütter korreliert. 

Bedeutung für die klinische Praxis

Die klare zeitliche Struktur der Leitlinie unterstützt medizinisches Fachpersonal bei der Beratung und erleichtert eine einheitliche Versorgungspraxis. Die Empfehlungen schaffen Orientierung für die Stillförderung und betonen die Notwendigkeit unterstützender gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Zugleich bleibt weiterer Forschungsbedarf bestehen, um Einflussfaktoren auf die tatsächliche Stilldauer und das Zusammenspiel von Allergieprävention und Beikosteinführung besser zu verstehen.

Autor:
Stand:
16.03.2026
Quelle:

Deutscher Hebammenverband e. V., Pressemitteilung, 20. Februar 2026.

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