Taillenumfang-Größe-Verhältnis besser als Body-Mass-Index

Die Probleme mit dem Body-Mass-Index sind bekannt: der Body-Mass-Index kann nicht zwischen Fett- und Muskelmasse unterscheiden und liefert deshalb teilweise inadäquate Ergebnisse bei der Diagnostik der Adipositas. Das zeigt sich auch für Kinder. Ein neuer Parameter schafft Abhilfe.

Messung Taille Kind

BMI: günstig und einfach zu erheben, jedoch nicht immer genau genug

Adipositas im Kindes- und Jugendalter ist ein weltweites und gravierendes Problem mit weitreichenden Folgen für die Betroffenen. So sind adipöse Kinder im Erwachsenenalter von Insulinresistenz, Arteriosklerose, Bluthochdruck und vorzeitiger kardiovaskulärer Mortalität bedroht. Der Körpermasseindex oder Body-Mass-Index (kurz BMI) wird seit mehreren Jahrzehnten als kostengünstiges Maß herangezogen, um Adipositas bei Kindern zu diagnostizieren und zu überwachen. Neue Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass bei Kindern eine Überdiagnose von Adipositas resultiert, da der BMI nicht in der Lage ist, zwischen Fettmasse und Muskelmasse zu unterscheiden.

Die Suche nach einem einfach zu erhebenden Parameter zur Diagnostik der Adipositas bei Kindern geht deshalb weiter. Eine englisch/finnische Studie untersuchte in diesem Zusammenhang über 15 Jahre hinweg 7000 Kinder ab dem neunten Lebensjahr auf Adipositas hin und verglich den Vorhersagewert von BMI und des Taillenumfang-Größe-Verhältnisses (Waist-circumference-to-height-ratio , WHtR) mit den Daten aus Dualenergie-Röntgenabsorptiometrie-Aufnahmen (DEXA).Die Kinder und Jugendlichen wurden dafür im Alter von 9, 11, 15, 17, and 24 Jahren untersucht. In der DEXA wurden die Gesamtkörperfettmasse, die Rumpffettmasse und die Muskelmasse bestimmt.

Die Waist- circumference-to-height-ratio: Eine vielversprechende Alternative

Alle Messungen der Körperzusammensetzung stiegen im Alter von 9 bis 24 Jahren an, mit Ausnahme des WHtR, die im Alter von 9 bis 15 Jahren stabil blieb. Damit könnte der Parameter ideal geeignet sein, um bei Kindern und Jugendlichen übermäßiges Fettgewebe zu erkennen. Die WHtR wies im Vergleich zum BMI eine geringe Korrelation, Assoziation und absolute Übereinstimmung mit der DEXA-gemessenen Muskelmasse auf, was laut den Forschenden darauf hindeutet, dass WHtR eine kostengünstige und nicht-invasive Beurteilung speziell für Fettmassen-Adipositas sein könnte. Steigt die WHtR, steigt die Fettmasse, während es beim BMI-Wert auch die Muskelmasse sein kann. Das Taillenumfang-Größe-Verhältnis lieferte im Vergleich zum BMI insgesamt eine bessere Übereinstimmung mit der Fettmasse (81-89% zu 65-72%).

Eine WHtR von 0,53 bei männlichen Probanden und 0,54 bei weiblichen Probandinnen sagte mit einer Sensitivität von 80% bzw. knapp 70% eine Gesamtkörperfettmasse auf dem 95 Perzentil voraus. Das longitudinale 75. Perzentil für WHtR betrug bei Männern und Frauen etwa 0,48. Das entsprach einer Gesamtfettmasse bei männlichen Studienteilnehmern von 14,91 kg und bei weiblichen Studienteilnehmerinnen von 21,95 kg. Bei einer WHtR von 0,5 für männliche Probanden und 0,52 für weibliche Probanden lag die Sensitivität nur noch bei 50% bzw. 40%. Die Spezifität war mit 90 % hoch.

Wie wird die Waist- circumference-to-height-ratio gemessen?

Die Körpergröße wurde in der Studie mit einem wandmontierten Stadiometer gemessen. Der Taillenumfang wurde bei den Klinikbesuchen an der Stelle des kleinsten Bauchumfangs zwischen den Beckenkämmen und den untersten Rippen gemessen. Das Maßband wurde senkrecht zur Längsachse des Körpers gehalten und berührte die Haut, ohne das Gewebe zu komprimieren. Anschließend wurden die Werte ins Verhältnis gesetzt.

Fazit

Die WHtR kann ein sinnvoller Messparameter sein, um bei Kindern und Jugendlichen eine erhöhte Körperfettmasse zu detektieren. Werte über 0,53 bei männlichen Probanden und über 0,54 bei weiblichen Probanden sind mit hoher Wahrscheinlichkeit pathologisch. Die WHtR liefert im Vergleich zum BMI eine deutlich bessere Übereinstimmung mit der Fettmasse.

Autor:
Stand:
29.04.2024
Quelle:

Agbaje, A.O. (2024): Waist-circumference-to-height-ratio had better longitudinal agreement with DEXA-measured fat mass than BMI in 7237 children. Pediatr Res(2024). DOI: 10.1038/s41390-024-03112-8

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