Eine häufige Komplikation akuter Diarrhöen ist der Wasser- und Elektrolytverlust über Stuhl, Erbrechen und Schwitzen. Besonders bei Kindern kann eine unbehandelte Dehydratation eine Mortalitätsrate von 13% aufweisen. Daher ist eine intravenöse Volumen- und Elektrolytsubstitution von großer Bedeutung.
Meist wird hierzu in Europa eine 0,9%ige Kochsalzlösung verwendet. Es stehen weiterhin balancierte Elektrolytlösungen zur Verfügung, die eine niedrigere Kochsalzkonzentration aufweisen. Sie enthalten zusätzlich Kationen wie Calcium, Kalium und Magnesium sowie Anionen wie Laktat und Acetat, die zu Bicarbonat metabolisiert werden können. Solche Lösungen weisen eine ähnlichere Zusammensetzung zum Blutplasma auf.
Heterogene Leitlinienempfehlungen
Die Leitlinienempfehlungen zur Wahl der Elektrolytlösungen variieren international stark. So wird in den europäischen Leitlinien lediglich in kritischen Ausnahmefällen zur Anwendung balancierter Elektrolytlösungen geraten, während die amerikanischen Leitlinien 0,9%ige Kochsalzlösung und balancierte Elektrolytlösungen als gleichwertig ansehen.
Angesichts dieser Heterogenität analysierte die Forschungsgruppe um Florez vorliegende Studiendaten, mit dem Ziel, potenzielle Vorteile balancierter Elektrolytlösungen im Vergleich zur 0,9%igen Kochsalzlösung zu identifizieren.
Systematisches Review randomisierter kontrollierter Studien
In die Analyse wurden fünf randomisierte kontrollierte Studien aufgenommen, von denen vier in Wenigverdienstländern durchgeführt wurden. Die Interventionsgruppen erhielten Elektrolytlösungen mit niedrigeren Natrium- und Chloridkonzentrationen als die 0,9%ige Kochsalzlösung ergänzt durch Bicarbonat oder seine Vorstufen. Die Kontrollgruppen wurden mit 0,9%iger Kochsalzlösung behandelt.
Als primäre Endpunkte wählte das Forschungsteam die Krankenhausaufenthaltsdauer sowie die Mortalität. Zu den sekundären Endpunkten zählten unter Anderem pH- und Elektrolythaushalts-Veränderungen, das insgesamt zugeführte Volumen sowie Nebenwirkungen.
Anhand des GRADE-Schemas (Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluations) bewerteten die Autoren die Evidenz der jeweiligen Studienergebnisse.
Balancierte Elektrolytlösungen könnten kürzeren Krankenhausaufenthalt begünstigen
Die Analyse umfasste Daten von 465 Kindern im Alter von einem Monat bis 18 Jahren. Das mittlere Alter lag je nach Studie zwischen 15,5 und 65,5 Monaten. In vier der Studien wurde Ringer-Laktat-Lösung und in einer Studie Plasmalyt als balancierte Elektrolytlösung verwendet.
Zwei Studien mit insgesamt 90 Teilnehmern zeigten, dass die Verwendung balancierter Elektrolytlösungen mit einer um durchschnittlich 0,35 Tage (95%-Konfidenzintervall [KI] -0,6 bis -0,10) verkürzten Krankenhausaufenthaltsdauer einherging. Über die Mortalität wurde nur in einer Studie mit 22 Teilnehmern berichtet. Hier verstarb in der Kochsalzlösung-Gruppe ein Kind, während es keine Todesfälle in der Interventionsgruppe gab.
Analysen der sekundären Endpunkte ergaben einen höheren pH- (+0,06, 95%-KI 0,03 bis 0,09) sowie Bikarbonat-Anstieg (+0,05, 95%-KI 0,02 bis 0,08) in der Interventionsgruppe. Unterschiede hinsichtlich des gesamten Volumenbedarfs sowie der Änderung der Natrium- und Kreatinin-Konzentrationen vor und nach Behandlung wurden nicht festgestellt.
Weniger Hypokaliämien unter balancierten Elektrolytlösungen
In zwei Studien mit insgesamt 147 Kindern wurde über die Anzahl an Hypokaliämien nach Intervention berichtet. Metaanalysen ergaben bei Behandlung mit balancierten Elektrolytlösungen ein geringeres Hypokaliämie-Risiko (Relatives Risiko 0,54, 95%-KI 0,31 bis 0,96).
Geringe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz als Hauptlimitation
Die Evidenz der Länge des Krankenhausaufenthalts wurde als mittelmäßig eingestuft; die der Mortalität als niedrig. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenzen der sekundären Endpunkte schwankte zwischen sehr niedrig und moderat, sodass von einem weiteren Forschungsbedarf zu dieser Thematik auszugehen ist.
Weiterhin wurden keine schwer unterernährten Kinder in die Studien aufgenommen, sodass unklar ist, ob die Ergebnisse auch auf diese Gruppe übertragbar sind. Außerdem wurden vier der fünf Studien in niedrig entwickelten Ländern durchgeführt. Es ist somit denkbar, dass die Ergebnisse eher für Krankenhausszenarien in diesen Ländern gelten.
Fazit: Balancierte Elektrolytlösungen könnten Vorteile mit sich bringen
Die systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass die Behandlung von Diarrhö-induzierten Dehydrationen mit balancierten Elektrolytlösungen Vorteile bieten können. Diese umfassen eine geringere Hypokaliämierate sowie einen effektiveren pH-Ausgleich im Vergleich zur Kochsalzlösung. Beim ebenfalls nachgewiesenen verkürzten Krankenhausaufenthalt ist jedoch zu beachten, dass es sich lediglich um einige Stunden handelt.
Um genauere Aussagen zur Kosteneffizienz und zum allgemeinen Nutzen balancierter Elektrolytlösungen treffen zu können, werden weitere größere Studien benötigt. Außerdem ist zu überprüfen, ob ähnliche Effekte auch bei anderen balancierten Elektrolytlösungen, wie Sterofundin, zu beobachten sind.










