Angesichts der bevorstehenden kalten Monate äußern Kinderärzte wachsende Bedenken hinsichtlich der Verfügbarkeit essenzieller Arzneimittel. Trotz neuer gesetzlicher Regelungen bleibt die Versorgungslage, insbesondere bei Fiebersäften und Antibiotika, kritisch.
Warnung vor Lieferengpässen
Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), betonte im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) die unzureichende Wirkung des kürzlich in Kraft getretenen Lieferengpass-Gesetzes (ALBVVG). Er befürchtet, dass Eltern, ähnlich wie im Vorjahr, erneut aufwändige Suchen nach benötigten Medikamenten für ihre Kinder unternehmen müssen.
Grippewelle als zusätzliche Belastung
Eine starke Grippewelle in Australien könnte ein Indikator für eine ähnliche Entwicklung in Europa sein. Solche Infektionswellen könnten die bereits angespannte Versorgungssituation weiter verschärfen. Fischbach beschreibt, wie Arztpraxen durch den Mangel beeinträchtigt werden, da Personal zeitaufwändig Arzneimittel bei verschiedenen Apotheken anfragen muss.
Gesetzliche Maßnahmen und ihre Grenzen
Das von Gesundheitsminister Karl Lauterbach eingeführte Lieferengpass-Gesetz verpflichtet Krankenkassen zu höheren Erstattungen für Kinderarzneimittel. Dennoch sieht Fischbach die Reform kritisch. Er argumentiert, dass die aktuellen Regelungen für Pharmaunternehmen nicht ausreichend attraktiv seien, um Arzneimittel in Deutschland zu produzieren und zu vermarkten.
Maßnahmen des ALBVVG auch aus Apothekenperspektive nicht ausreichend
Die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Gabriele Regina Overwiening, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass es aktuell schwer sei, Voraussagen zur Versorgungslage von Kinderarzneimitteln im kommenden Herbst und Winter zu treffen. Aber auch sie hält die Maßnahmen des ALBVVG für unzureichend. "Wir bezweifeln (…), dass das Lieferengpass-Gesetz zu systematischen und spürbaren Verbesserungen führen wird." Zwar wird den Apotheken durch das Gesetz mehr Flexibilität beim Austausch von nicht verfügbaren Arzneimitteln eingeräumt, diese Maßnahmen reichen aber laut Overwiening nur aus, um die negativen Auswirkungen eines Versorgungsmangels abzumildern, nicht um ihn zu beseitigen.
Zukunft bleibt ungewiss
Die Entwicklungen in den kommenden Monaten werden zeigen, ob die Befürchtungen der Kinderärzte und Apotheken berechtigt sind und wie effektiv die getroffenen Maßnahmen in der Praxis umgesetzt werden können.









