Ähnliche Risikofaktoren für atopisches und nicht-atopisches Asthma identifiziert

Eine umfassende Datenauswertung aus vier internationalen Studien mit mehr als 32.000 Kindern untersuchte Umwelt- und Lebensstilfaktoren bei atopischem und nicht-atopischem Asthma. Die Ergebnisse zeigen deutliche Überschneidungen der Risikoprofile beider Formen.

Asthma-Diagnose Kind

Asthma ist eine heterogene Erkrankung, die sich in unterschiedlichen klinischen und immunologischen Ausprägungen manifestieren kann. Der atopische Typ ist häufig IgE-vermittelt, weist eine T-Helferzellen-assoziierte Entzündung auf und zeigt oft eine nachweisbare Eosinophilie. Nicht-atopisches Asthma ist immunologisch weniger klar definiert. Unter anderem werden neutrophile Entzündungen, neuronale Mechanismen sowie infektionsbedingte Reaktionen diskutiert.

Forschungslücke hinsichtlich der Risikofaktoren für Asthma

Während Ursachen und Risikofaktoren des atopischen Asthmas intensiv untersucht wurden, ist das Wissen über nicht-atopisches Asthma deutlich begrenzter. Schätzungen zufolge steht – entgegen früherer Annahmen – nur etwa die Hälfte aller Asthmafälle im Zusammenhang mit Atopie.

Vor diesem Hintergrund zielte eine aktuelle Untersuchung darauf ab, die beiden Asthmaformen in einer groß angelegten Analyse klar voneinander abzugrenzen und die jeweiligen Risikoprofile systematisch zu erfassen.

Eine große Analyse internationaler Daten

Ziel der Untersuchung war es, Risikofaktoren für atopisches Asthma und nicht-atopisches Asthma bei Schulkindern aus verschieden einkommensstarken Ländern zu identifizieren und klar von den Risikofaktoren für Atopie zu trennen. Eingeschlossen wurden Daten aus vier großen internationalen Studien mit insgesamt 32.741 Kindern im Alter von sechs bis 17 Jahren. Eine Atopie wurde mittels Hautpricktest auf häufige Allergene definiert und Asthma anhand aktueller Symptome oder Medikation.

Von den untersuchten Kindern waren 66 % weder atopisch noch asthmatisch, 15 % hatten eine Atopie ohne Asthma, 8 % ein atopisches Asthma und 10 % ein nicht-atopisches Asthma.

Stark korrelierende Risikofaktoren

Die Analyse ergab, dass die Risikofaktoren für beide Asthmaformen stark korrelierten (Pearson-Korrelationskoeffizient 0,81). Der stärkste Risikofaktor in beiden Gruppen war eine elterliche Vorgeschichte allergischer Erkrankungen (atopisch OR 2,05; nicht-atopisch OR 2,45). Übergewicht und Adipositas erhöhten ebenfalls das Risiko, wobei dieser Effekt vor allem in einkommensstarken Ländern ausgeprägt war. Stillen war nur für nicht-atopisches Asthma mit einem reduzierten Risiko assoziiert (OR 0,75). Frühgeburtlichkeit sowie ein niedriges Geburtsgewicht steigerten das Risiko für nicht-atopisches Asthma zusätzlich, nicht jedoch für die atopische Form.

Einfluss der Umwelt auf das Asthmarisiko

Feuchtigkeit und Schimmel in Innenräumen waren bei beide Asthmaformen mit einem erhöhten Risiko verbunden. Federbettwaren senkten dagegen das Erkrankungsrisiko, während synthetische Bettmaterialien es erhöhten. Frühkontakte zu Vögeln erhöhten das Risiko für beide Asthmaformen, Hundekontakt im frühen Kindesalter vor allem für die atopische Form. Die Relevanz einzelner Tierkontakte unterschied sich je nach Einkommensland, wobei Tierkontakte in einkommensschwachen Regionen stärker mit einem erhöhten Asthmarisiko verknüpft waren. Regelmäßiger Obstverzehr senkte das Risiko für beide Asthmaformen, während mütterliches Rauchen im ersten Lebensjahr sowie aktuelles Rauchen das Risiko in beiden Gruppen erhöhte.

Unterschiede im Risikoprofil von atopischem Asthma und Atopie

Die Analyse verdeutlichte, dass sich die Gesamtheit der Risikofaktoren für die Entwicklung einer Atopie deutlich von denen für atopisches Asthma unterscheiden kann. Dies zeigte sich in der sehr geringen Korrelation zwischen den beiden Risikofaktorprofile (Pearson-Korrelationskoeffizient −0,06). So war ein früher Kontakt zu Katzen oder Hunden mit einem geringeren Risiko für Atopie verbunden, während derselbe Kontakt, insbesondere zu Hunden, das Risiko für atopisches Asthma erhöhen konnte. Diese Unterschiede unterstreichen, dass Atopie und atopisches Asthma zwar häufig gemeinsam auftreten, jedoch unterschiedliche pathogenetische Mechanismen und Risikoprofile aufweisen können.

Weitere Forschung zu den Asthmaformen notwendig

Die Untersuchung zeigt somit, dass sich die meisten identifizierten Umwelt- und Lebensstilfaktoren in ihrer Wirkung auf atopisches Asthma und nicht-atopisches Asthma kaum unterscheiden, wenn der Einfluss der Atopie selbst herausgerechnet wird. Obwohl eine bestehende Atopie das Risiko für die Entwicklung von Asthma erhöht, scheinen die maßgeblichen Risikofaktoren für den Ausbruch der Erkrankung bei Personen mit und ohne Atopie weitgehend identisch zu sein.

Dies wirft die Frage auf, ob Atopie tatsächlich einen integralen Bestandteil des ätiologischen Prozesses darstellt oder ob es sich in manchen Fällen lediglich um ein zufälliges Nebeneinander beider Erkrankungen handelt. Künftige Forschung sollte dies weiter untersuchen, um die Pathomechanismen klarer zu definieren und den Stellenwert der Atopie in der Asthmaentstehung genauer zu bestimmen.

Autor:
Stand:
16.09.2025
Quelle:

Rutter CE, Mpairwe H, Figueiredo CA, et al. (2025): Risk factors for atopic and non-atopic asthma in school-age children from high-income and low- and middle-income countries; Thorax; DOI:10.1136/thorax-2024-222118

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