Unterschiedliche Exazerbationsrisiken bei COPD-Patienten mit und ohne Raucheranamnese

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung tritt auch bei Nichtrauchern auf. Eine aktuelle Studie untersuchte Unterschiede im Risiko für Exazerbationen und Lungenfunktionsverlust zwischen Nichtrauchern und Rauchern mit COPD.

COPD-Patientin

COPD bei Nichtrauchern 

Die Entstehung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist multifaktoriell. Ein Schlüsselfaktor hierbei ist der Nikotinkonsum. Dennoch zeigt ein systematisches Review, dass 25–45 % der COPD-Patienten nie geraucht haben. Ursächlich sind bei ihnen insbesondere Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung, berufliche Expositionen, frühere Tuberkuloseinfektionen oder Asthma. Studien gaben kürzlich Hinweise darauf, dass COPD-Patienten ohne Raucheranamnese im Vergleich zu denen mit Nikotinanamnese andere Phänotypen und klinische Verläufe aufweisen. So scheinen sie weniger respiratorische Symptome und geringere Level von Entzündungsmarkern zu haben. 

Studie verglich Exazerbationsrisiko und Lungenfunktionsverlust von Nichtrauchern und Rauchern mit COPD

Eine retrospektive Kohortenstudie untersuchte kürzlich 583 COPD-Patienten über fünf Jahre. Sie zielte darauf ab, Unterschiede in der Exazerbationshäufigkeit und beim Lungenfunktionsverlust zwischen Nichtrauchern (n = 75), Ex-Rauchern (n = 273) und aktiven Rauchern (n = 235) zu identifizieren. 

Nichtraucher-COPD entwickelt sich häufig in vorgeschädigter Lunge

Verglichen mit den Rauchern waren die Nichtraucher mit COPD überwiegend weiblich (50,7 % vs. 3,3 % bei Rauchern) und wiesen häufiger Komorbiditäten wie Asthma (37,3 % vs. 24,4 %) und Tuberkulose (44 % vs. 24 %) sowie bronchiektatische Veränderungen auf. Ferner zeigten sie eine geringere Prävalenz von Emphysemen und eine niedrigere forcierte Vitalkapazität (FVC). Diese Unterschiede deuten auf verschiedene pathophysiologische Mechanismen hin, die bei Nichtrauchern der Entwicklung der COPD zugrunde liegen. So vermuten die Forscher beispielsweise, dass bei einer durch TBC-vorgeschädigten Lunge und Bronchiektasien die COPD-Entwicklung durch eine reduzierte Mukus-Clearance in den Atemwegen und dadurch bedingten Infektionen und Atemwegsentzündungen begünstigt werden könnte.

Nichtraucher wiesen geringeres Exazerbationsrisiko auf 

Während des Beobachtungszeitraums hatten Nichtraucher signifikant weniger moderate bis schwere Exazerbationen (p = 0,001) und ein geringeres Risiko für jegliche Exazerbationen (p= 0,006). Ferner hatten sie ein 72 % geringeres Risiko für häufige Exazerbationen (p= 0,03) im Vergleich zu den aktiven und Ex-Rauchern. Interessanterweise war das Risiko für akute Exazerbationen zwischen den Ex-Rauchern und aktiven Rauchern ähnlich. Exazerbationen sind ein wichtiger Prognosefaktor und mit der Kurz- und Langzeitmortalität der COPD-Patienten assoziiert.

Lungenfunktionsverlust bei Nichtrauchern langsamer

Auch der jährliche Abfall der Einsekundenkapazität (FEV1) war bei den Nichtrauchern langsamer als bei den Ex- und aktiven Rauchern (p=0,03). Bei den Patienten, die aktiv rauchten, ging der Lungenfunktionsverlust am schnellsten voran. Die Forscher vermuten daher, dass die Krankheit bei den Nichtrauchern langsamer voranschreitet. 

Benötigen Nichtraucher-COPD-Patienten andere Medikamente?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Studienergebnisse zeigen, dass Nichtraucher mit COPD eine eigenständige Patientengruppe mit spezifischen klinischen Merkmalen darstellen. Sie benötigen ebenso wie die COPD-Patienten mit Raucheranamnese eine adäquate medizinische Betreuung, da Exazerbationen und Lungenfunktionsverluste auch bei ihnen vorkommen. Die meisten Studien über pharmakologische Therapieansätze bei COPD konzentrieren sich jedoch meist auf rauchende COPD-Patienten. Die Wissenschaftler betonen daher, dass sich zukünftige Forschung auf personalisierte Therapieansätze für diese heterogene Gruppe von Nichtraucher-COPD-Patienten konzentrieren sollte.

Autor:
Stand:
07.07.2025
Quelle:

Park et al. (2025): Distinct risks of exacerbation and lung function decline between never-smokers and ever-smokers with COPD. BMC Pulmonary Medicine, DOI: 10.1186/s12890-025-03604-1​

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