Lungenkrebs ist die dritthäufigste Krebsart in den USA und führend bei krebsbedingten Todesfällen. Trotz Screening-Programmen erhalten die meisten Patienten die Diagnose erst, nachdem sie sich mit Symptomen beim Arzt vorstellten. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich fast die Hälfte der Patienten bereits im fortgeschrittenen Stadium III oder IV.
Unspezifische Symptome wie Gewichtsverlust oder verminderter Appetit werden oft übersehen oder mit gutartigen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Gewichtsverlust ist ein Symptom, welches sowohl subjektiv vom Patienten wahrgenommen werden kann als auch objektiv messbar ist. Mehrere Studien stellten bereits einen Zusammenhang von Gewichtsverlust und verschiedenen Krebsarten fest. Forscher aus den USA untersuchten nun, wie Gewichtsverlust und eine nachfolgende Lungenkrebsdiagnose bei ambulanten Patienten assoziiert sind.
Über die Studie
Die vorliegende retrospektive Fall-Kontroll-Studie untersuchte Daten von Patienten, die zwischen 2012 und 2019 ambulanten Gesundheitseinrichtungen in den USA aufsuchten. Die Patienten, die in diesem Zeitraum erstmals die Diagnose Lungenkrebs erhalten hatten, wurden identifiziert und nach Merkmalen wie Alter, Geschlecht und Raucherstatus jeweils mit zehn Kontrollpatienten gematcht.
Assoziation von Gewichtsverlust und Lungenkrebsdiagnose
Die Studie schloss 625 Patienten ab 40 Jahren mit Lungenkrebs und 4606 Kontrollpatienten ein. Studienteilnehmer mit einem Gewichtsverlust von 1%-3% des Körpergewichts über einen Zweijahreszeitraum wiesen kein signifikant erhöhtes Risiko für Lungenkrebs auf im Vergleich zu denjenigen mit einem konstanten Körpergewicht (Odds Ratio [OR]: 1,12; 95%-Konfidenzintervall (KI) 0,88 bis 1,41). Dies war ebenso der Fall für einen Gewichtsverlust von 3-5% (OR: 1,36; 95%-KI 0,99 bis 1,88) und 5-10% (OR: 1,23; 95%-KI 0,82 bis 1,85). Patienten mit einem Gewichtsverlust zwischen 10% und 50% hingegen hatten ein mehr als zweifach erhöhtes Lungenkrebsrisiko (OR: 2,27; 95%-KI 1,27 bis 4,05).
Ein Gewichtsverlust in mindestens den sechs Monaten vor Diagnosestellung war in den meisten Kategorien signifikant mit einer Lungenkrebsdiagnose assoziiert. Das Risiko war zudem besonders hoch bei den Patienten, deren Gewichtsverlust sowohl bei der routinemäßigen Messung festgestellt worden war als auch durch den Arzt in den Unterlagen vermerkt oder kodiert wurde.
Fazit
Die vorliegende Studie zeigt, dass ein signifikanter Gewichtsverlust bei Patienten in ambulanten Gesundheitszentren möglicherweise ein Frühwarnzeichen für die Entwicklung von Lungenkrebs ist. In einem Zweijahreszeitraum vor der Diagnose war bei später mit Lungenkrebs diagnostizierten Patienten die Wahrscheinlichkeit eines deutlichen Gewichtsverlusts größer als bei Kontrollpatienten.
Den Autoren zufolge könnte ein stärkeres Augenmerk auf Gewichtsverlust bei Patienten die Möglichkeiten einer frühen Diagnose von Lungenkrebs verbessern. Die Erkenntnisse dieser retrospektiven Studie bedürfen jedoch weiterer Erforschung, um sie in der Praxis zu implementieren.









