Infektionen mit dem respiratorischen Synzytialvirus (RSV) verursachen jährlich weltweit zahlreiche schwere Atemwegserkrankungen. Während die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens mehrfach an milden RSV-Infektionen erkranken, sind immungeschwächte Personen wie Organtransplantierte, Patienten unter immunsuppressiver Therapie oder Menschen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten besonders gefährdet, schwerwiegendere Verläufe zu entwickeln. Zu den häufigsten Komplikationen zählen Pneumonien, die zu Krankenhausaufenthalten führen und mit einer erheblichen Morbidität und Mortalität einhergehen.
Mit der Zulassung neuer RSV-Impfstoffe, darunter Arexvy® und Abrysvo®, wurde eine bedeutende präventive Maßnahme eingeführt. Diese Impfstoffe zielen auf das sogenannte präfusions-F-Protein des RSV, ein Schlüsselprotein für die Virusinfektion. Während gesunde Erwachsene nach der RSV-Impfung in klinischen Studien hohe Antikörperantworten zeigten, bleibt unklar, wie effektiv diese Impfstoffe bei immungeschwächten Patienten sind.
Immunsupprimierte Personen und ihre Immunantwort auf RSV-Impfungen
Eine im 'JAMA' veröffentlichte Analyse des Johns Hopkins Transplant Research Centers (TRC) in Baltimore, Maryland (USA), untersuchte die Antikörperantwort auf RSV-Impfstoffe bei 38 immunsupprimierten Erwachsenen im Alter von 64 bis 72 Jahren. Die Teilnehmer erhielten entweder den adjuvantierten Impfstoff Arexvy oder den nicht adjuvantierten Impfstoff Abrysvo. Ziel war es, die Antikörperantworten zu evaluieren.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Antikörpertiter vier Wochen nach der Impfung bei beiden Impfstoffen anstiegen, jedoch mit deutlichen Unterschieden:
- Arexvy (adjuvantiert): Höhere Antikörperspiegel und Neutralisationstiter im Vergleich zu Abrysvo.
- Abrysvo (nicht adjuvantiert): Niedrigere, aber dennoch messbare Immunantworten.
Bemerkenswert war, dass nur 61 % der immunsupprimierten Teilnehmer die serologischen Kriterien für eine signifikante Immunantwort (Serokonversion) erreichten. Dies steht in starkem Gegensatz zu den nahezu universellen Serokonversionen gesunder Erwachsener in den Zulassungsstudien.
Adjuvantierte Impfstoffe als potenzielle Lösung
Ein entscheidender Unterschied zwischen Arexvy und Abrysvo liegt in der Verwendung eines Adjuvans. Dieses Immunstimulans verstärkte die Bildung neutralisierender Antikörper, was insbesondere bei immunsupprimierten Patienten von Vorteil sein könnte. Damit könnten adjuvantierte Impfstoffe ein wichtiger Schritt sein, um den Schutz in dieser vulnerablen Gruppe zu verbessern, so die Studienautoren.
Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse die Bedeutung weiterer Forschung: Langzeitstudien und größere Kohorten sind erforderlich, um die optimale Impfstrategie für immunsupprimierte Patienten zu definieren. Für die klinische Praxis bleibt es entscheidend, Patienten individuell zu beraten und die Vorteile von Impfungen, insbesondere den Schutz vor schweren Infektionen, transparent zu kommunizieren.








