Allergische Atemwegserkrankungen im Kindesalter nehmen weiter zu
Asthma bronchiale und atopische Erkrankungen zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Weltweit sind Millionen Kinder betroffen, mit steigender Prävalenz insbesondere in industrialisierten Ländern. Neben genetischen Faktoren rücken Umwelt- und Lebensstilfaktoren zunehmend in den Fokus der Forschung. Dazu gehört insbesondere die Ernährung, deren Einfluss auf entzündliche und immunologische Prozesse intensiv untersucht wird.
Parallel zur Zunahme allergischer Erkrankungen hat der Konsum ultrahochverarbeiteter Lebensmittel deutlich zugenommen. Diese Produkte zeichnen sich häufig durch hohe Gehalte an Zucker, Salz, gesättigten Fettsäuren und Zusatzstoffen, wie Konservierungsmitteln, Aromen oder Farbstoffen aus.
Hat der Konsum ultrahochverarbeiteter Lebensmittel im Kindesalter einen Einfluss auf das Asthmarisiko?
Vor diesem Hintergrund untersuchte die im renommierten Journal „Allergy“ publizierte SENDO-Studie prospektiv den Zusammenhang zwischen dem Konsum ultrahochverarbeiteter Lebensmittel und dem Auftreten allergischer Erkrankungen inklusive Asthma im Kindesalter.
Die Analyse basierte auf Daten des spanischen SENDO-Projekts, einer laufenden prospektiven Kohortenstudie, die zwischen 2015 und 2024 erhoben worden. In die Studie eingeschlossen wurden 691 Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren.
Ihre Ernährungsgewohnheiten wurden mithilfe validierter Fragebögen erfasst. Der Anteil ultrahochverarbeiteter Lebensmittel wurde anhand der NOVA-Klassifikation bestimmt. Anschließend erfolgte die Erfassung des Auftretens allergischer Erkrankungen, darunter allergisches Asthma, aeroallergische Sensibilisierung, atopische Dermatitis und Nahrungsmittelallergien.
| Definition | Beispiele | |
| Gruppe 1 | Nicht verarbeitete oder minimal verarbeitete Lebensmittel | Frisches Obst, Gemüse, Nüsse, Milch, Reis, Fleisch, Eier |
| Gruppe 2 | Verarbeitete Inhaltsstoffe (stammen aus natürlichen Lebensmitteln und werden für Zubereitung von Speisen verwendet | Salz, Zucker, Honig, Butter, pflanzliche Öle |
| Gruppe 3 | Verarbeitete, konservierte oder fermentierte Lebensmittel Produkte, die nur wenige Zutaten enthalten | Frisch gebackenes Brot, Käse, Gemüse-und Fischkonserven, Räucherfleisch |
| Gruppe 4 | Hochverarbeitete Lebensmittel Industriell hergestellte Produkte Enthalten typischerweise Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Aromen, zugesetzten Zucker, Salze oder fette | Fertiggerichte, Fast Food, Limonade, Margarine, Wurstwaren, Tütensuppen, Chips |
Tabelle 1: NOVA-Klassifikation Lebensmittel
Deutlich erhöhtes Asthmarisiko bei hohem Konsum an ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln
Kinder mit hohem Konsum an ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln hatten eine höhere Energieaufnahme, mehr Bildschirmzeit, eine geringere körperliche Aktivität und höhere BMI-Werte. Die Ergebnisse zeigen zudem einen signifikanten Zusammenhang zwischen einem hohen Konsum ultrahochverarbeiteter Lebensmittel und dem Auftreten von Asthma im Kindesalter nach einem mittleren Follow-Up von 3,4 Jahren. So wiesen Kinder mit hohem Konsum an ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln ein Risiko von etwa 7,6 % auf, an Asthma zu erkranken. Außerdem hatten sie ein nahezu vierfach erhöhtes Risiko für eine Asthmaneuerkrankung im Vergleich zu Kindern mit niedriger Aufnahme von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln (Hazard Ratio 3,76; p=0,02).
Kein Zusammenhang mit anderen allergischen Erkrankungen
Demgegenüber zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Konsum an ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln und anderen allergischen Erkrankungen wie atopischer Dermatitis, allergischer Rhinitis oder Nahrungsmittelallergien. Auch Sensibilisierungen gegenüber Aeroallergenen wurden nicht signifikant beeinflusst. Diese Ergebnisse könnten laut den Studienautoren daher zustande gekommen sein, dass die durch ultrahochverarbeitete Lebensmittel angetriebene Entzündung über andere Wege als den klassischen T2-vermittelten/IgE Kaskaden-Weg läuft. So vermuten sie, dass der Verzehr von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln einen nicht-atopischen Entzündungs-Endotyp unterstützen könnte.
Interessanterweise war der Anteil der Kinder mit einer positiven allergischen Familienanamnese negativ mit dem Konsum von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln assoziiert. Die Wissenschaftler vermuten als Ursache, dass Familien mit Atopie eher auf die Ernährung ihrer Kinder achten.
Ernährung als modifizierbarer Risikofaktor in der Asthmaprävention
Die Studie erweitert die Evidenzlage zu ernährungsassoziierten Einflussfaktoren bei Asthma im Kindesalter. Besonders relevant ist die Identifikation der Ernährung als potenziell modifizierbarer Risikofaktor. Die Ergebnisse unterstützen bestehende Empfehlungen zu einer möglichst wenig verarbeiteten, mediterran orientierten Ernährung im Kindesalter. Gleichzeitig unterstreichen sie die Bedeutung präventiver Strategien bereits in frühen Lebensphasen.











