Die Omikron-XBB-Subvarianten von SARS-CoV-2 haben die Wirksamkeit vorheriger Covid-19-Impfstoffe verringert, was zur Zulassung monovalenter XBB.1.5-Impfstoffe geführt hat. Die Frage, ob die XBB.1.5-Booster auch gegen die aktuell vorherrschenden Varianten wirksam sind, wird kontrovers diskutiert. Forschende der Columbia University in New York kamen jetzt zu einem positiven Ergebnis. In ihrer kürzlich auf dem bioRxiv-Preprint-Server veröffentlichten Studie berichten sie über einen signifikanten Anstieg der neutralisierenden Antikörper (nAb) gegen die derzeit zirkulierenden SARS-CoV-2-Sublinien [1].
Der Studie zufolge vermitteln die monovalenten XBB.1.5-mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna eine robuste Immunantwort, insbesondere gegen die sich rasch ausbreitenden Varianten HV.1, HK.3, JD.1.1 und JN.1. Die Untervariante HK.3 ist für 50% der Neuinfektionen in Asien verantwortlich. In Nordamerika ist jede fünfte Infektion auf die HV.1 zurückzuführen. JN.1, JD.1.1 und BA.2.86 verbreiten sich aktuell vor allem in Europa.
Wirkung auf Serum-nAbs: Eine Analyse in drei Kohorten
In der vorliegenden Studie analysierten die Forscher die Auswirkung einer monovalenten XBB.1.5-mRNA-Auffrischungsimpfung auf Serum-nAbs gegen die neu auftretenden Omikron-Subvarianten. Die Untersuchung umfasste drei Kohorten, bestehend aus Personen, die entweder:
- infektionsfrei waren und mit dem monovalenten XBB.1.5-Impfstoff geboostet wurden (XBB.1.5 MV)
- mit XBB infiziert waren, aber nicht mit dem XBB.1.5-Impfstoff geboostet wurden (XBB infx)
- mit Omikron infiziert waren und mit dem XBB.1.5-Impfstoff geboostet wurden (Omicron infx+XBB.1.5 MV)
Für die Neutralisationstests wurden pseudotypisierte Varianten des Vesikulären Stomatitis-Virus (VSV) für die neuen Omikron-Sublinien HV.1, HK.3, JD.1.1 und JN.1 sowie für die älteren Varianten D614G, BA.5, XBB.1.5, EG.5.1 generiert.
Signifikanter Anstieg der nAb-Titer und starke T-Zell-Antwort
Nach der XBB.1.5-Impfung zeigte die XBB.1.5-MV-Kohorte (Gruppe 1) einen drei- bzw. siebenfachen Anstieg der nAb-Titer gegen D614G bzw. BA.5 im Vergleich zum Zeitpunkt vor der Impfung. Außerdem wurde ein 13- bis 27-facher Anstieg gegen die Untervarianten JN.1, JD.1.1, HV.1, HK.3, EG.5.1 und XBB.1.5 festgestellt. Die XBB-infx-Kohorte (Gruppe 2) hatte nach der Infektion ein ähnliches Neutralisationsprofil wie die XBB.1.5-MV-Kohorte nach der Impfung. Bemerkenswerterweise produzierte die Omicron infx+XBB.1.5 MV-Kohorte (Gruppe 3) die höchsten nAb-Titer.
Besonders markant war der Booster-Effekt mit den monovalenten XBB.1.5-Impfstoffen gegenüber der SARS-CoV-2-Variante XBB.1.5 und den neueren Omikron-Subvarianten, mit einem Anstieg der neutralisierenden Antikörper um das 7,5- bis 10,6-fache. Im Vergleich dazu wurde beim D614G-Ursprungsvirus und der älteren Omikron-Subvariante BA.5 ein Anstieg um das 2,7- bzw. 3,9-fache verzeichnet.
Darüber hinaus lösten die XBB.1.5-Booster eine starke T-Zell-Antwort aus, die für eine langfristige Immunität entscheidend ist.
Back-Boosting-Effekt durch immunologische Prägung
Obschon der Booster-Effekt durch den monovalenten XBB.1.5-Impfstoff bei den neueren SARS-CoV-2-Varianten am deutlichsten ausfiel, wurden die höchsten nAb-Titer nach wie vor gegen D614G und BA.5 gemessen. Diese Beobachtung deutet auf einen beträchtlichen "Back-Boosting"-Effekt der Antikörper gegen die Vorgängervarianten hin, die wahrscheinlich auf eine immunologische Prägung durch vorherige Impfungen mit der monovalenten Wildtyp-Vakzine und dem bivalenten BA.5-Impfstoff zurückzuführen ist.
Zunahme der Serumneutralisationstiter gegen Omikron-Subvarianten
Insgesamt bewirkte die Auffrischungsimpfung mit einem monovalenten XBB.1.5-Impfstoff eine deutliche Zunahme der Serumneutralisationstiter gegen sämtliche untersuchten Omikron-Subvarianten. Bei der Auffrischung mit dem bivalenten BA.4/BA.5-Impfstoff wurde keine vergleichbare Steigerung festgestellt. Das könnte daran liegen, dass XBB.1.5 genetisch und antigenisch erheblich stärker vom Ursprungsvirus abweicht als BA.5, was zu einer gewissen Abschwächung der immunologischen Prägung führen könnte. Wahrscheinlicher ist aber die Tatsache, dass der neu an XBB.1.5 angepasste Impfstoff monovalent ist und keine Antigene älterer Varianten kombiniert.
Breiter Einsatz der XBB.1.5-Impfstoffe empfohlen
Die Resultate der Studie unterstreichen die Empfehlung, die monovalenten XBB.1.5-Impfstoffe gegen Covid-19 breit einzusetzen, um einen effektiven und aktuellen Immunstatus in der Bevölkerung zu gewährleisten.








