Wirtschaftsbericht 2026: Apothekenzahl auf historischem Tiefstand

Der Apothekenwirtschaftsbericht 2026 zeichnet ein düsteres Bild: Immer mehr Apotheken schließen, die Umsatzrendite sinkt weiter und jede dritte Apotheke gilt als wirtschaftlich gefährdet. Der DAV fordert deshalb rasch höhere Honorare.

Graph fallend

Die wirtschaftliche Lage der öffentlichen Apotheken in Deutschland hat sich 2025 weiter verschlechtert. Wie aus dem Apothekenwirtschaftsbericht 2026 hervorgeht, lag das steuerliche Betriebsergebnis einer durchschnittlichen Apotheke nur noch bei 4,2 % des Netto-Umsatzes. Im Vorjahr waren es noch 4,4 % gewesen, 2015 rund 6,5 %.

Apotheken unter Druck

Der durchschnittliche Netto-Umsatz einer Apotheke stieg zwar auf 4 Millionen Euro, gleichzeitig erhöhte sich jedoch der wirtschaftliche Druck durch steigende Personal- und Sachkosten. Das durchschnittliche Betriebsergebnis belief sich 2025 auf 168.000 Euro je Apotheke. Inflationsbereinigt liegt dieser Wert laut DAV aber deutlich unter früheren Jahren.

Besonders problematisch ist, dass rund 33 % aller Apotheken weniger als 100.000 Euro pro Jahr vor Steuern, Altersvorsorge und Investitionen erwirtschafteten. Damit bewegen sich diese Betriebe laut Deutschem Apothekerverband (DAV) auf einem Niveau, das kaum über den Brutto-Lohnkosten eines angestellten Krankenhausapothekers ohne Leitungsfunktion liegt. Es arbeiteten 7 % aller Apotheken 2025 sogar defizitär

Zahl der Apotheken weiter rückläufig

Parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung sinkt auch die Zahl der Apotheken weiter. Ende 2025 gab es bundesweit noch 16.601 öffentliche Apotheken und damit so wenige wie seit 1977 nicht mehr. Im ersten Quartal 2026 fiel die Zahl bereits weiter auf 16.541 Betriebsstätten. Allein im Jahr 2025 schlossen netto 440 Apotheken.

Die Apothekendichte liegt damit nur noch bei 19,9 Apotheken pro 100.000 Einwohner und deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 31 Apotheken pro 100.000 Einwohner. Auch die Zahl der Beschäftigten ging zurück: 2025 arbeiteten noch 159.484 Menschen in öffentlichen Apotheken. Das sind rund 2.700 weniger als im Vorjahr. Betroffen waren insbesondere Apotheker, PTA und PKA.

DAV fordert schnelle Honoraranpassung

DAV-Vorsitzender Hans-Peter Hubmann sprach angesichts der Zahlen von einem „alarmierenden Bild“. Jede geschlossene Apotheke bedeute den Verlust wohnortnaher Versorgung, freiberuflicher Existenzen und vieler Arbeitsplätze, vor allem für Frauen.

Als Hauptursache nennt der Verband die seit Jahren fehlende Anpassung des Apothekenhonorars. Das Fixum für verschreibungspflichtige Arzneimittel wurde seit 2013 nicht erhöht und liegt weiterhin bei 8,35 Euro. Nach Berechnungen des DAV hätte das Fixum bei einer Anpassung an die Grundlohnsumme inzwischen 12,64 Euro betragen müssen.  Hubmann forderte deshalb erneut eine Anhebung des Fixums auf 9,50 Euro – spätestens zum 1. Juli 2026. Zwar habe die Bundesregierung den Handlungsbedarf erkannt, ein konkreter Änderungsentwurf zur Arzneimittelpreisverordnung liege bislang jedoch nicht vor.

Versandhandel baut Marktanteile aus

Zugleich wächst der Wettbewerbsdruck durch Versandapotheken weiter. Im OTC-Markt entfielen 2025 bereits 23,6 % des Umsatzes auf den Versandhandel. Im ersten Quartal 2026 stieg der Anteil sogar auf 24,6 %.

Auch ausländische Versandapotheken gewinnen an Bedeutung. Die GKV-Ausgaben für Arzneimittel aus dem Ausland stiegen 2025 auf vorläufig 1,026 Milliarden Euro. Der Marktanteil verdoppelte sich innerhalb weniger Jahre auf 2,0 %.

Leistungen trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation erbrachten die Apotheken eine große Spannbreite an Leistungen für die Versorgung der Patienten. Laut Bericht gab es 2025 rund 1 Milliarde Patientenkontakte, 10 Millionen individuell hergestellte Rezepturen, 904.520 pharmazeutische Dienstleistungen sowie 330.000 Impfungen in Apotheken.

Autor:
Stand:
18.05.2026
Quelle:
  1. ABDA: Pressemitteilung, 05.05.2026.
  2. ABDA: Apothekenwirtschaftsbericht 2026, 05.05.2026.
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