Zahl der Raucher ist kräftig angestiegen

Anlässlich des Weltnichtrauchertags warnen Experten vor den anhaltend hohen Raucherzahlen in Deutschland. 2023 wurden bundesweit rund sechs Millionen Menschen wegen tabakbedingter Probleme ärztlich behandelt. Gut ein Viertel der exzessiven Raucher ist an COPD erkrankt.

Raucher

Düsseldorf/Hannover. Die Zahl der Raucher ist in Deutschland innerhalb von zehn Jahren (2013 und 2023) um nahezu die Hälfte (47,5 Prozent) gestiegen. Von diesem deutlichen Anstieg der Tabakabhängigkeit berichtet die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) anlässlich des Weltnichtrauchertages. Laut der DEBRA-Studie der Universität Düsseldorf rauchen 28,3 Prozent der Deutschen. Nach KKH-Angaben wurden 2023 bundesweit rund sechs Millionen Menschen wegen tabakbedingter Probleme ärztlich behandelt. Besonders alarmierend sei der Anstieg von COPD-Erkrankungen. Fast ein Viertel der exzessiven Raucher (22,8 Prozent) war demnach auch an COPD erkrankt. Zehn Jahre zuvor war der Anteil der COPD-Diagnosen mit 19,5 Prozent noch deutlich geringer. 

Zahl der Raucher in Thüringen verdoppelt – Hamburg mit geringstem Anstieg

Die KKH-Daten zeigen regionale Unterschiede: In Thüringen verdoppelte sich die Zahl der Tabaksüchtigen innerhalb von zehn Jahren, während Hamburg den geringsten Zuwachs verzeichnete. Das Saarland weist den höchsten Anteil an COPD-erkrankten Starkrauchern auf. Neben aktivem Rauchen erhöhen auch Passivrauchen und das Einatmen von Schadstoffen am Arbeitsplatz das COPD-Risiko.

„Unsere Zahlen zeigen nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Michael Falkenstein. Der KKH-Experte für Suchtfragen geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Raucher und der Anteil der an COPD-erkrankten Konsumenten noch weitaus höher liege, da die KKH-Daten nur die Patienten in ärztlicher Behandlung erfassten. Dazu komme, dass auch Passivraucher ein erhöhtes COPD-Risiko hätten.

Hohe Raucherquote und Gesundheitsrisiken

Lungenerkrankungen sind nicht das einzige Problem für Raucher. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) warnt vor den gravierenden Auswirkungen des Tabakkonsums auf die Herzgesundheit. „80 Prozent aller Herzinfarkte bei Patienten unter 45 Jahren sind direkt auf das Rauchen zurückzuführen,“ Prof. Dr. Stefan Blankenberg, Präsident der DGK. „Das Risiko für einen Herzinfarkt ist bei Rauchenden insgesamt um zwei Drittel gegenüber Nichtrauchenden erhöht.“

E-Zigaretten: Keine harmlose Alternative

Nach Angaben der DGK ist der Konsum von E-Zigaretten zwischen 2016 und 2023 um 38 Prozent gestiegen. Prof. Blankenburg weist darauf hin,dass Schadstoffe wie Propylenglykol und Glycerin über die verdampften Aerosole in den Körper gelangen und die Sauerstoffversorgung des Herzens beeinträchtigen.  Auch wenn zu den Langzeit-Auswirkungen noch keine Daten vorlägen, sei doch sicher, dass E-Zigaretten „zwar weniger schädlich als normale Tabakzigaretten, aber keineswegs unschädlich.“

Experten fordern strengere Regulierungen für Tabak- und E-Zigaretten

Angesichts der alarmierenden Zahlen fordern Experten verstärkte Präventionsmaßnahmen, insbesondere für Jugendliche. Die DGK und die KKH appellieren an die Politik, strengere Regulierungen für Tabak- und E-Zigarettenprodukte einzuführen und umfassende Aufklärungskampagnen zu starten. Die KKH bietet individuelle Präventionsprogramme zur Tabakentwöhnung sowie Disease-Management-Programme für COPD-Patienten an. 

KKH-Suchtexperte: Aufhören lohnt sich in jedem Alter

KKH-Suchtexperte Falkenstein: „Nichtraucher zu werden ist die beste Maßnahme, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.“ Positive Effekte stellen sich bereits nach kurzer Zeit ein, unabhängig vom Alter. Die Lunge beginne sich zu erholen, und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinke erheblich.

Autor:
Stand:
10.06.2025
Quelle:
  1. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e. V. und Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK): Weltnichtrauchertag: Nikotinkonsum bei jungen Menschen gibt Anlass zur Sorge.
  2. Kaufmännische Krankenkasse (KKH): Bald atemlos? Zahl der Tabaksüchtigen stark gestiegen.
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