Apotheken in Deutschland: Insolvenzen auf Höchststand seit 2008

Steigende Kosten, stagnierende Honorare und der Fachkräftemangel setzen Apotheken zunehmend unter Druck. Die Insolvenzzahlen steigen deutlich, bleiben im Vergleich zur Gesamtwirtschaft jedoch weiterhin niedrig.

Apotheke geschlossen

Die Zahl der Apothekeninsolvenzen in Deutschland ist 2025 auf 44 Fälle gestiegen und erreicht damit den höchsten Stand seit 2008. Nach Jahren stabiler oder rückläufiger Entwicklungen zeichnet sich seit 2023 ein Trend ab: Von 19 Insolvenzen im Jahr 2023 stieg die Zahl im Jahr 2024 auf über 40 weiter an.

Als wesentliche Ursachen gelten steigende Personal-, Energie- und Mietkosten, zunehmende Bürokratie sowie die seit Jahren ausbleibende Anpassung der Apothekenhonorare. Hinzu kommen anhaltende Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung.

Mehr Betriebe wirtschaftlich gefährdet

Parallel zu den Insolvenzen nimmt auch die Zahl wirtschaftlich gefährdeter Apotheken zu. 2025 galten bundesweit 246 Betriebe als insolvenzgefährdet, 2026 sind es bereits 277. Das ist ein Anstieg um 12,6 %. Regional zeigen sich deutliche Unterschiede: Besonders stark steigt die Gefährdung in Hessen (+46,7 %), Nordrhein-Westfalen (+30,8 %), Baden-Württemberg (+26,7 %), Thüringen (+22,2  %) und Berlin (+20,0 %). Rückgänge verzeichnen dagegen Hamburg (-57,1 %), Schleswig-Holstein (-37,5 %), Bremen (-25,0  %), Sachsen-Anhalt (-14,3 %) und Sachsen (-8,3 %).

Proteste verschärfen politischen Druck

Mit einem bundesweiten Protesttag am 23. März hat die Branche ihren Forderungen Nachdruck verliehen. Nach Angaben der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände beteiligten sich rund 25.000 Menschen an Demonstrationen in Berlin, Düsseldorf, Hannover und München, begleitet von zahlreichen Apothekenschließungen.

ABDA-Präsident Thomas Preis verwies auf die anhaltende Unterfinanzierung der Apotheken und forderte eine zeitnahe Anhebung des Honorars sowie künftig regelmäßige Anpassungen. Der seit Jahren bestehende Honorarstillstand führe dazu, dass steigende Betriebskosten nicht mehr aufgefangen werden könnten. Zugleich wachse die Sorge um die flächendeckende Versorgung, da sich mit jeder Apothekenschließung die Wege für Patienten verlängerten.

Branche robuster als Gesamtwirtschaft

Trotz der angespannten Lage bleibt die Apothekenbranche im Vergleich zur Gesamtwirtschaft strukturell stabiler. Bundesweit gelten 10,3 % aller Unternehmen als insolvenzgefährdet, während der Anteil bei Apotheken lediglich 1,7 % beträgt. Nach Einschätzung von Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer von CRIF Deutschland, verschärft sich die wirtschaftliche Situation dennoch spürbar: Die wachsende Diskrepanz zwischen steigenden Kosten und stagnierenden Einnahmen erhöhe den wirtschaftlichen Druck auf viele Betriebe deutlich. Auch wenn Apotheken im Branchenvergleich widerstandsfähiger seien, dürften die Belastungen durch fehlende Honoraranpassungen und steigende Betriebskosten nicht unterschätzt werden.

Autor:
Stand:
27.03.2026
Quelle:
  1. CRIF GmbH: Pressemitteilung, 23.03.2026
  2. ABDA: Pressemitteilung, 23.03.2026
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