Berlin. Die Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung sollen nach Vorstellung des Bundes im kommenden Jahr im Durchschnitt um 2,9 % steigen. Diesen Orientierungswert hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) im Bundesanzeiger veröffentlicht. Wie stark die Zusatzbeiträge tatsächlich steigen werden, ist damit aber nicht festgelegt. Die Entscheidung darüber liegt bei den Krankenkassen.
Bundesgesundheitsministerium legt Orientierungswert fest
Mit der Festsetzung des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes legt das BMG jährlich einen sogenannten Orientierungswert fest. Dieser dient als Berechnungsgrundlage für bestimmte Personengruppen, etwa für Bezieher von Bürgergeld oder Auszubildende. Für die Mehrheit der Versicherten ist er jedoch vor allem ein Richtwert.
Hoher Kostendruck im Gesundheitswesen
2025 betrug der Satz noch 2,5 %. Damit liegt der neue Wert um 0,4 Prozentpunkte höher. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums war die Anhebung notwendig, um den erwarteten Finanzbedarf der gesetzlichen Krankenkassen für das Jahr 2026 zu decken. Steigende Ausgaben für Medikamente, Krankenhausbehandlungen und Pflegeleistungen tragen ebenso dazu bei wie höhere Personalkosten im Gesundheitswesen.
Die Krankenkassen stehen seit Jahren unter Druck, weil ihre Ausgaben stärker steigen als ihre Beitragseinnahmen. Zwar hatte die Bundesregierung zuletzt zusätzliche Mittel aus Steuergeldern bereitgestellt, um die Finanzen zu stabilisieren. Doch diese Zuschüsse reichen nach Einschätzung von Experten nicht aus, um den langfristigen Kostentrend zu bremsen.
Individuelle Beitragssätze bleiben Entscheidung der Kassen
Trotz des neuen Orientierungswerts gilt: Jede Krankenkasse legt ihren eigenen Zusatzbeitrag fest. Der Durchschnittswert gibt lediglich eine Orientierung, wie hoch die Beiträge im kommenden Jahr durchschnittlich liegen dürften. Einige Krankenkassen könnten ihren Beitrag stabil halten, andere werden voraussichtlich anheben.
Für Versicherte bedeutet das: Der tatsächliche Beitrag hängt weiterhin von der jeweiligen Krankenkasse ab. Sollte eine Krankenkasse ihren Zusatzbeitrag erhöhen, haben Mitglieder das Recht, ihre Versicherung innerhalb eines Monats nach der Bekanntgabe zu wechseln.
Krankenkassen fordern langfristige Finanzierungslösung
Die Krankenkassen begrüßen zwar die Festlegung des neuen Orientierungswerts, mahnen aber eine nachhaltige Strukturreform an. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) wies darauf hin, dass kurzfristige Sparmaßnahmen allein die Finanzlage nicht dauerhaft stabilisieren könnten.
Nach Angaben des Verbandes steigen die Leistungsausgaben jährlich um mehrere Milliarden Euro. Gründe seien der medizinische Fortschritt, die demografische Entwicklung und höhere Kosten für Personal und Infrastruktur. Der Verband forderte die Bundesregierung auf, die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung langfristig zu sichern, um wiederkehrende Beitragserhöhungen zu vermeiden.
Mehrbelastung für Versicherte möglich
Ob und in welchem Umfang Versicherte im kommenden Jahr tatsächlich mehr zahlen müssen, hängt von der jeweiligen Krankenkasse ab. Bei einem Bruttoeinkommen von 3500 Euro würde eine Erhöhung des Zusatzbeitrags um 0,4 Prozentpunkte jedoch etwa sieben Euro monatlich ausmachen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer tragen die Kosten des Zusatzbeitrags jeweils zur Hälfte.
Auch wenn der durchschnittliche Zusatzbeitrag im internationalen Vergleich moderat bleibt, trifft eine Erhöhung viele Haushalte spürbar. Besonders Versicherte mit mehreren Familienangehörigen oder geringem Einkommen merken die Mehrbelastung.
Sparpaket soll Entlastung bringen
Ein vom Bundeskabinett verabschiedetes Sparpaket sieht Einsparungen im Umfang von rund zwei Milliarden Euro vor. Unter anderem sollen die Zuweisungen an Kliniken gedämpft und der Innovationsfonds gekürzt werden. Damit soll verhindert werden, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag im kommenden Jahr noch stärker steigt. Der GKV-Spitzenverband hält das Sparpaket für unzureichend. Er geht davon aus, dass es im kommenden Jahr zu einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von mehr als drei Prozent kommt.
Ausblick: Entscheidungen der Krankenkassen folgen
In den kommenden Wochen werden die Krankenkassen ihre Haushaltsplanungen für 2026 abschließen und die konkreten Beitragssätze veröffentlichen. Erst dann steht fest, ob und in welchem Umfang die Versicherten tatsächlich mehr zahlen müssen.










