AWMF-Jahresbericht 2025: Neustart der NVL und Reformimpulse für das Medizinstudium

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hat ihren Jahresbericht?2025 veröffentlicht. Demnach gehören der Organisation nun 185?Fachgesellschaften mit mehr als?300.000 Ärztinnen und Ärzten sowie Medizin Forschenden an. Im vergangenen Jahr erstellte die AWMF 19?Stellungnahmen zu wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Fragestellungen. In 150?Fällen moderierte der Verband Konsensuskonferenzen federführender Fachgesellschaften. Zudem veröffentlichte das AWMF Institut 24?Publikationen.

Leitlinien

Der Jahresbericht dokumentiert neben organisatorischen Entwicklungen insbesondere Projekte mit Bezug zur Versorgung, Ausbildung und Digitalisierung im Gesundheitswesen. Dazu zählen beispielsweise der Neustart der Nationalen Versorgungsleitlinien (NVL), Reformansätze für die medizinische Ausbildung sowie der Aufbau eines digitalen Gesundheitsdatenökosystems.

Neuer Runder Tisch zur Weiterentwicklung des Medizinstudiums

Auf Anregung der AWMF-Kommission für Aus-, Weiter- und Fortbildung wurde im Januar 2025 beim Medizinischen Fakultätentag (MFT) ein Runder Tisch zur Weiterentwicklung des Medizinstudiums eingerichtet. Ziel des Gremiums ist es laut AWMF, aktuelle Herausforderungen in der medizinischen Ausbildung gemeinsam mit relevanten Akteuren zu diskutieren. Der Runde Tisch soll dazu beitragen, Ausbildungsinhalte stärker an den zukünftigen Versorgungsbedarf anzupassen. Laut Jahresbericht wurden die Vorschläge des Runden Tisches bei Arbeitstreffen der Studiendekanate mehrfach diskutiert und sollen ab diesem Jahr an in die Praxis übernommen werden.

Darüber hinaus berichtet die AWMF über ein geplantes Modellprojekt mit dem Institut für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP). Demnach soll das IMPP versuchsweise auch auf Leitlinieninhalte zugreifen, um Multiple-Choice-Prüfungsfragen zu begründen. Dadurch könnten wissenschaftlich abgesicherte Empfehlungen stärker in Prüfungsformate integriert werden.

Ökosystem für Gesundheitsdaten soll Leitlinien digital vernetzen

Ein weiterer Schwerpunkt des Jahresberichts ist die Digitalisierung medizinischer Informationen. Die AWMF bekräftigt ihre langjährige Forderung nach einem bundesweiten oder europäischen Gesundheitsdatenökosystem. Ein solches System soll wissenschaftliche Informationen, Leitlinien und Gesundheitsdaten besser miteinander verknüpfen.

Im Rahmen des Drittmittelprojekts Dissolve-E1 bereitet die AWMF nach eigenen Angaben derzeit ihr Leitlinienregister auf die Einbindung in ein solches Ökosystem vor. Ziel ist es, medizinische Leitlinien digital besser nutzbar zu machen und sie mit anderen Informationsquellen zu verknüpfen.

Nationale Versorgungsleitlinien wieder gestartet

Breiten Raum nimmt im Jahresbericht zudem der Neustart des Systems der Nationalen Versorgungsleitlinien ein. Laut AWMF wurden neue organisatorische Strukturen geschaffen, um Qualität, Aktualität und Transparenz der NVL zu stärken. Dazu gehören unter anderem ein übergeordneter Steuerungsausschuss sowie ein wissenschaftlicher Beirat.

Die AWMF betont, dass die wissenschaftliche Medizin damit weiterhin hochwertige Grundlagen für strukturierte Behandlungsprogramme bei sogenannten Volkskrankheiten liefern solle. Nationale Versorgungsleitlinien spielen insbesondere bei Disease-Management-Programmen (DMP) eine wichtige Rolle.

In den vergangenen Jahren war die Zukunft des NVL-Systems zeitweise unklar gewesen. Mit dem Neustart sollen nun nach Angaben der AWMF stabile Strukturen geschaffen werden, um die kontinuierliche Aktualisierung und Weiterentwicklung der Leitlinien sicherzustellen.

Aufnahme neuer Fachgesellschaften

Der Jahresbericht informiert außerdem über aktuelle Aufnahmeverfahren. Angenommen wurde demnach der Aufnahmeantrag der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH). Hingegen nicht aufgenommen wurden die Deutsche Gesellschaft für Muskuloskelettale Radiologie (DGMSR), die Wissenschaftliche Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien (WFKT) und die Deutsche Gesellschaft für Katastrophenmedizin (DGKM).

Ein Antrag der Deutschen Gesellschaft für Physiotherapiewissenschaft (DGPTW) wurde laut AWMF zurückgestellt. Zudem befindet sich ein Verfahren zur Qualitätskonferenz Geriatrie und Klinische Geriatrie (QKG) weiterhin in Bearbeitung.

Die Aufnahme wissenschaftlicher Fachgesellschaften in die AWMF ist an definierte Kriterien gebunden. Nach Angaben der Organisation spielen dabei unter anderem wissenschaftliche Arbeitsweise, fachliche Relevanz und organisatorische Voraussetzungen eine Rolle.

Über die AWMF: Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) ist der Dachverband medizinisch-wissenschaftlicher Fachgesellschaften in Deutschland. Sie wurde 1962 gegründet und vertritt nach eigenen Angaben 185 Fachgesellschaften aus nahezu allen Bereichen der Medizin (Stand Mai 2026). Zu den zentralen Aufgaben der AWMF gehören die Förderung der wissenschaftlichen Medizin, die Entwicklung medizinischer Leitlinien sowie die Unterstützung von Qualitätssicherung und evidenzbasierter Versorgung. Die AWMF koordiniert zudem interdisziplinäre Projekte und beteiligt sich an gesundheitspolitischen Diskussionen, etwa zur medizinischen Ausbildung, Digitalisierung oder Patientenversorgung. Besonders bekannt ist die Organisation für ihr Leitlinienregister, in dem medizinische Handlungsempfehlungen veröffentlicht werden.

Autor:
Stand:
08.05.2026
Quelle:

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF):

  1. Pressemeldung: AWMF-Jahresbericht 2025 erschienen, zuletzt abgerufen am 7. Mai 2026
  2. PDF-Download AWMF-Jahresbericht, zuletzt abgerufen am 7. Mai 2026
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