MTS-Aktionsplan 2026–2029: Bundeskabinett setzt auf Digitalisierung und interprofessionelle Zusammenarbeit

Medikationsfehler führen jährlich zu rund 250.000 Krankenhauseinweisungen. Der neue AMTS-Aktionsplan 2026–2029 soll die Arzneimitteltherapiesicherheit mithilfe von Digitalisierung, Datennutzung und neuen Versorgungsstrukturen systematisch verbessern.

Medikationsplan

Das Bundeskabinett hat den Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) für die Jahre 2026 bis 2029 verabschiedet. Ziel ist es, Medikationsfehler zu reduzieren und die Patientensicherheit entlang des gesamten Medikationsprozesses von der Verordnung bis zur Langzeittherapie zu stärken.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken betonte die Bedeutung des Themas. Schätzungsweise 250.000 Krankenhauseinweisungen jährlich seien laut Bundesministerium für Gesundheit  auf Medikationsfehler zurückzuführen und viele davon vermeidbar.

Komplexe Therapien erhöhen Risiken

Mit der steigenden Zahl innovativer Arzneimittel wächst auch die Komplexität der Therapie. Besonders ältere und chronisch kranke Patienten sind häufig von Polymedikation betroffen. Der Aktionsplan verweist darauf, dass Neben- und Wechselwirkungen eine relevante Ursache für Notaufnahmen und Hospitalisierungen darstellen. Studien zufolge gehen 5 bis 10 % aller Krankenhauseinweisungen auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurück, ein erheblicher Teil davon gilt als vermeidbar.

Der Aktionsplan bündelt die Maßnahmen erstmals stärker entlang von drei strategischen Schwerpunkten:

Digitalisierung des Medikationsprozesses

Die flächendeckende Einführung von elektronischer Patientenakte (ePA) und E-Rezept schafft neue Möglichkeiten für einen sicheren, datenbasierten Medikationsprozess. Es sind unter anderem verbesserte elektronische Medikationspläne sowie Handlungsempfehlungen für deren Nutzung geplant.

Stärkung von Kompetenzen

Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte sollen enger zusammenarbeiten. Ein AMTS-Stewardship-Konzept sieht interprofessionelle Teams vor, die Medikationsprozesse systematisch überwachen und verbessern.

Nutzung von Gesundheitsdaten

Routinedaten und Versorgungsdaten sollen stärker genutzt werden, um Risiken zu identifizieren, Maßnahmen zu evaluieren und evidenzbasierte Strategien zu entwickeln.

Fokus auf Polymedikation und Deprescribing

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit Mehrfachmedikation. Der Aktionsplan greift das Konzept des Deprescribing auf, also das Absetzen nicht mehr indizierter Arzneimittel. Hintergrund ist, dass unkontrollierte Polymedikation mit einem erhöhten Risiko für Nebenwirkungen und Medikationsfehler einhergeht. Gleichzeitig fehlen bislang oft klare evidenzbasierte Strategien für das sichere Absetzen von Therapien.

Digitalisierung als Chance und Herausforderung

Digitale Anwendungen wie ePA und E-Rezept sollen künftig eine zentrale Rolle spielen. Sie machen erstmals sektorenübergreifend Medikationsdaten verfügbar und ermöglichen damit eine bessere Abstimmung zwischen ambulantem und stationärem Bereich.

Der Aktionsplan weist aber auch auf neue Risiken hin. Schnittstellenprobleme oder unklare Zuständigkeiten könnten zusätzliche Fehlerquellen schaffen. Daher sollen standardisierte Prozesse und Verantwortlichkeiten definiert werden.

Interprofessionelle Strategie in Planung

Auf Grundlage des Kabinettsbeschlusses wird nun eine Koordinierungsgruppe aus Ärzten, Apothekern, Pflegekräften sowie Patientenvertretern eine Umsetzungsstrategie erarbeiten. Der Aktionsplan knüpft an frühere Programme an. Seit 2007 wurden bereits über 200 Maßnahmen zur Verbesserung der AMTS entwickelt. Mit der neuen Strategie soll der Fokus stärker auf messbare Effekte, nachhaltige Implementierung und Anwendbarkeit gelegt werden.

Gesundheitliche Bedeutung nimmt zu

Der neue AMTS-Aktionsplan setzt auf einen systemischen Ansatz: Digitalisierung, Datenanalyse und interprofessionelle Zusammenarbeit sollen Medikationsrisiken nachhaltig reduzieren. Angesichts steigender Therapiekosten, wachsender Komplexität und demografischem Wandel wird voraussichtlich die sichere Arzneimitteltherapie weiter an gesundheitspolitischer Bedeutung gewinnen.

Autor:
Stand:
18.04.2026
Quelle:
  1. Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Pressemitteilung, 01.04.2026
  2. Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Aktionsplan 2026−2029 des Bundesministeriums für Gesundheit zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland, 01.04..2026
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