Berlin. Hausarztpraxen sind für Autofahrer in der Regel schneller erreichbar als Apotheken. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Demnach erreichen 95 Prozent der Bevölkerung eine hausärztliche Praxis innerhalb von zehn Minuten Fahrzeit, während dies bei Apotheken nur für rund 90 Prozent gilt.
Die Analyse basiert laut Zi auf Berechnungen der Fahrzeiten mit dem Pkw und berücksichtigt sowohl städtische als auch ländliche Regionen. Die Ergebnisse verdeutlichen Unterschiede in der Erreichbarkeit zwischen den beiden Versorgungsbereichen.
Zentrale Ergebnisse der Erhebung sind:
- In Deutschland nehmen mehr als dreimal so viele Ärzte (55.882) an der vertragsärztlichen Versorgung teil wie Apotheken (17.041).
- Die mittlere Entfernung zur nächsten Apotheke liegt über alle Kreise hinweg bei gut 1,6 Kilometern, zur nächsten Hausarztpraxis hingegen bei lediglich 1,1 Kilometern.
- In Autominuten berechnet liegt die durchschnittliche Fahrzeit über alle Gemeinden hinweg bei 6,5 Minuten bis zur nächstgelegenen Apotheke gegenüber 5 Minuten bis zur nächstgelegenen Hausarztpraxis.
Deutliche Unterschiede bei kurzen Fahrzeiten und in ländlichen Regionen
Nach Angaben des Zi erreichen 83 Prozent der Bevölkerung eine hausärztliche Praxis innerhalb von fünf Minuten. Bei Apotheken liegt dieser Anteil bei 72 Prozent. Damit besteht bereits bei sehr kurzen Distanzen ein messbarer Unterschied in der Erreichbarkeit.
Auch bei einer Fahrzeit von zehn Minuten bleibt der Abstand bestehen: Während 95 Prozent der Bevölkerung innerhalb dieses Zeitraums eine Hausarztpraxis erreichen können, sind es bei Apotheken rund 90 Prozent. Die Daten zeigen damit, dass Hausarztpraxen im Durchschnitt dichter erreichbar sind.
Die Auswertung weist darauf hin, dass die Differenzen insbesondere in ländlichen Regionen stärker ausgeprägt sind. Dort sind die Wege zu Apotheken häufig länger als zu hausärztlichen Praxen.
Das Zi bewertet die Ergebnisse der Analyse als klaren Beleg für die zentrale Bedeutung der niedergelassenen Ärzte. „Es sind nach wie vor die Hausarztpraxen, die mit ihrem dichten Netz die medizinische Grundversorgung sichern“, so der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. An den Gesetzgeber appelliert er: In der gegenwärtigen Diskussion solle nicht darüber nachgedacht werden, wie Apotheken ärztliche Leistungen erbringen könnten, sondern darüber, „wie das Potenzial der fast 56.000 Hausärztinnen und Hausärzte ja, bittnoch besser in der Primärversorgung genutzt werden kann, um Parallelstrukturen, Doppeluntersuchungen und eine Fragmentierung von Versorgungsprozessen zu reduzieren.“
Datengrundlage der Analyse
Die Auswertung basiert auf Modellrechnungen zur Fahrzeit zwischen Wohnorten und Versorgungseinrichtungen. Dabei wurden aktuelle Daten zu Standorten von Hausarztpraxen und Apotheken verwendet. Laut Zi liefern die Ergebnisse einen Überblick über die Erreichbarkeit aus Sicht der Bevölkerung. Die Fahrzeiten wurden standardisiert berechnet, um Vergleichbarkeit zu gewährleisten.












