Industrie warnt vor Folgen des Iran-Kriegs: Helium als kritischer Engpass

Noch sind die Auswirkungen des Nahostkonflikts in Apotheken kaum spürbar. Doch Hersteller sehen wachsende Risiken. So könnte eine mögliche Heliumknappheit mittelfristig die Arzneimittelproduktion ausbremsen.

Gaszylinder

Die angespannte Lage rund um die Straße von Hormus entwickelt sich zunehmend zum Risiko für die globale Arzneimittelversorgung. Die deutsche Pharmaindustrie warnt, dass das Edelgas Helium zum Nadelöhr werden könnte. Deutschland ist nahezu vollständig auf Importe angewiesen, die zu großen Teilen durch diese zentrale Handelsroute verlaufen. 

Die Lage wird durch Produktionsausfälle verschärft. Katar, bislang für rund ein Drittel der weltweiten Heliumproduktion verantwortlich, musste nach Angriffen auf die Anlage in Ras Laffan die Förderung weitgehend einstellen.

Qualitätskontrollen in Gefahr

Nach Angaben des Branchenverbandes Pharma Deutschland ist Helium unverzichtbar für gaschromatographische Verfahren zur Qualitätskontrolle. Diese sind regulatorisch vorgeschrieben und Voraussetzung für die Chargenfreigabe. „Wenn das Gas knapp und teuer wird, geraten Qualitätskontrollen ins Stocken“, warnt Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann. 

In der Folge könnten Arzneimittel nicht mehr im gewohnten Umfang freigegeben werden und das selbst bei ausreichender Verfügbarkeit von Wirkstoffen und Packmitteln. Ein kurzfristiger Ersatz ist kaum möglich. Neue Analysenmethoden müssten erst entwickelt, validiert und behördlich genehmigt werden.

Noch keine akuten Engpässe

Nach Einschätzung von Pro Generika sind kurzfristige Versorgungsprobleme derzeit nicht zu erwarten. Viele Hersteller verfügen über Lagerbestände für mehrere Wochen oder Monate, so dass temporäre Störungen zunächst abgefedert werden können. Die weitere Entwicklung hängt jedoch von Dauer und Intensität der geopolitischen Spannungen ab. Bereits jetzt sind Transportwege beeinträchtigt und Kosten entlang der Lieferketten steigen.

Breitere Auswirkungen auf Lieferketten

Neben Helium geraten weitere Rohstoffe unter Druck. Petrochemische Vorprodukte aus dem Nahen Osten sind essenziell für die Synthese gängiger Wirkstoffe wie Ibuprofen und Paracetamol. Gleichzeitig verteuern sich Energie, Ethanol sowie Primärpackmittel wie Glasbehälter und Verschlüsse. Die Branche sieht darin ein zusätzliches Risiko für die Stabilität der Versorgung.

Kliniken bisher nicht betroffen

Auch im medizinischen Bereich spielt Helium eine Rolle, etwa als Kühlmittel in der Magnetresonanztomographie. Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft gibt es bislang jedoch keine Hinweise auf Engpässe. Moderne MRT-Systeme arbeiten zunehmend effizienter im Heliumverbrauch, zudem kommen vermehrt heliumfreie Geräte zum Einsatz.

Gegensteuern gefordert

Die Industrie fordert politische Konsequenzen. Helium müsse als strategisch relevanter Rohstoff für das Gesundheitswesen eingestuft werden. Gleichzeitig plädieren Verbände für resilientere Lieferketten und eine stärkere Produktion in Europa. „Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, drohen mittelfristig Engpässe insbesondere bei Arzneimitteln, deren Qualitätskontrolle von Helium abhängt“, so Brakmann. 

Autor:
Stand:
10.04.2026
Quelle:
  1. Pharma Deutschland: Pressemitteilung, 02.04.2026
  2. AOK-Bundesverband: Pressemitteilung, 02.04.2026
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