Bund konkretisiert Hightech-Agenda für das Gesundheitswesen

Das Bundeskabinett hat die Roadmaps zur Umsetzung der Hightech-Agenda Deutschland beschlossen. Für Biotechnologie und Medizin sind schnellere Umsetzungen, mehr klinische Studien, der Ausbau von KI Anwendungen im Gesundheitswesen sowie eine stärkere Förderung von Medizintechnik und Biotech Start ups vorgesehen.

Biological

Berlin. Das Bundeskabinett hat die Roadmaps zur Umsetzung der Hightech-Agenda Deutschland vorgestellt. Die Fahrpläne betreffen sechs Schlüsseltechnologien: Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung sowie Technologien für die klimaneutrale Mobilität. Für den Gesundheitsbereich sind insbesondere die Roadmaps zu Biotechnologie und Künstlicher Intelligenz relevant.

KI im Gesundheitswesen stärker verankert

Im ersten Entwurf der Roadmap für Künstliche Intelligenz (KI) vom vergangenen Jahr waren noch drei zentrale Ziele genannt worden. Nun kommt ein viertes Ziel hinzu: der konsequente Einsatz von KI im Gesundheitswesen. Laut Roadmap sollen unter anderem neue KI-Verfahren für Diagnostik und medizinische Forschung gefördert werden.

Im Bereich der Biotechnologie soll KI dazu beitragen, Diagnostikprozesse schon bald zu beschleunigen. Die Roadmap Biotechnologie definiert vier zentrale Zielfelder. 

  • Erstens soll die Souveränität Deutschlands bei der Entwicklung neuer Therapien und medizinischer Innovationen gestärkt werden. 
  • Zweitens soll die Bundesrepublik zu einem international führenden Standort für Biotechnologie und Gesundheitsforschung ausgebaut werden. 
  • Drittens sollen Fortschritte in der Medizintechnik hin zu einer stärker prädiktiven und präventiven Medizin beitragen.
  • Das vierte Zielfeld betrifft krisenfeste Agrar- und Ernährungssysteme.

Gezielte Förderung von Gen- und Zelltherapien

Im Bereich Gesundheitsforschung setzt die Bundesregierung insbesondere auf Gen- und Zelltherapien. Geplant ist ein Translationszentrum, das Inkubatorflächen und eine GMP-Produktionsanlage unter einem Dach vereinen soll. Dort sollen bis zu 20 Start-ups Platz finden. Die Eröffnung ist für das zweite Halbjahr 2028 vorgesehen.

Als Umsetzungspartner werden die Charité, das Berlin Institute of Health sowie Unternehmen genannt. Ziel ist es, den Zeitraum von der wissenschaftlichen Idee bis zur klinischen Studie bis 2030 um 30 Prozent zu verkürzen. Zudem soll die Zahl klinischer Studien im Bereich Gen- und Zelltherapien auf 120 steigen.

Nationale Biobank und Ausbau klinischer Studien

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Stärkung der klinischen Forschung. Die Verstetigung des Nationalen Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) soll noch 2026 umgesetzt werden. Bis 2030 soll Deutschland laut Roadmap wieder zu den drei führenden Standorten für klinische Studien weltweit gehören.

Geplant ist unter anderem ein zentraler Ansprechpartner für die Hochschulmedizin im Sinne eines „One-Stop-Shops“ für die Gesundheitswirtschaft und insbesondere die Pharmaindustrie. Dadurch sollen Prozesse für Unternehmen und Forschungseinrichtungen vereinfacht werden.

Darüber hinaus soll bis 2030 eine Nationale Biobank eröffnet werden. Das Nationale Netzwerk Universitätsmedizin soll zudem an den europäischen Gesundheitsdatenraum angeschlossen werden. Auch der Zugang von Patienten zu klinischen Studien soll verbessert werden.

Ziele: erste Zulassung einer mRNA-Krebsimmuntherapie bis 2028

Im Kapitel „Next Generation BioTech“ formuliert die Bundesregierung weitere konkrete Ziele. So soll bis 2028 die erste Zulassung einer mRNA-Krebsimmuntherapie erreicht werden. Zudem sollen zusätzliche Point-of-Care-Tests entwickelt und die Genomsequenzierung ausgebaut werden. Plattformtechnologien und sogenannte Biofoundries sollen laut Roadmap die Entwicklungszeiten und -kosten komplexer Biotherapeutika bis 2030 halbieren.

Mehr Wagniskapital und stärkere Ausgründungen

Die Bundesregierung plant darüber hinaus Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stärkung der Branche. Bis 2030 und 2035 soll der Anteil von Wagniskapital im Bereich Biotechnologie deutlich steigen. Außerdem soll die Zahl marktfähiger Ausgründungen erhöht werden.

Vereinfachungen bei Medizinprodukte-Zertifizierungen

Auch die Medizintechnik nimmt in der Roadmap Biotechnologie einen wichtigen Platz ein. Bereits bis 2027 soll die Zertifizierung von Medizinprodukten nach der EU-Medizinprodukteverordnung deutlich vereinfacht werden. Die durchschnittliche Dauer der Zertifizierung soll dann nach Regierungsangaben unter 18 Monaten liegen.

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) begrüßte die vorgestellten Roadmaps als wichtigen Schritt zur Stärkung des MedTech-Standorts Deutschland. Aus Sicht des Verbandes müsse bei der Umsetzung insbesondere ein Schwerpunkt auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Prävention gelegt werden. Zudem fordert der Verband eine enge Abstimmung zwischen der Hightech-Agenda und dem Pharma- sowie MedTech-Strategieprozess der Bundesregierung. 

Kritik von Industrie und Opposition

Kritik kam unter anderem vom Verband der Chemischen Industrie (VCI). Der Verband erklärte, die Roadmaps blieben hinter dem zurück, was für mehr Innovation und industrielle Wertschöpfung am Standort Deutschland erforderlich sei. Nach Einschätzung von VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup fehlt ein klarer politischer Wille, den Transfer von Forschungsergebnissen in industrielle Produktion systematisch zu erleichtern.

Autor:
Stand:
26.05.2026
Quelle:
  1. HighTech-Agenda Deutschland: Roadmap Biotechnologie, zuletzt abgerufen am 21. Mai 2026.
  2. Bundesregierung: Roadmaps der Hightech Agenda Deutschland starten in die Umsetzung mit Wirtschaft, Wissenschaft und Ländern, zuletzt abgerufen am 21. Mai 2026.
  3. Verband der Chemischen Industrie: Roadmaps allein schaffen noch keine Innovation, zuletzt abgerufen am 21. Mai 2026.
  4. Bundesverband Medizintechnologie: Roadmaps für die Hightech-Agenda - BVMed-Vorsitzender Jalaß: „MedTech ist Schlüsseltechnologie“, zuletzt abgerufen am 21. Mai 2026.
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