Berlin. Eine Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland befürwortet den Erhalt finanzieller Anreizsysteme für die Vermittlung von Arztterminen. Das zeigt eine repräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Demnach sprechen sich 57 Prozent der 5.000 Befragten dafür aus, finanzielle Anreize für Hausärzte und Fachärzte beizubehalten. 26 Prozent lehnen die zusätzlichen Honorare für zusätzliche oder über die Terminservicestellen vermittelte Termine ab. Etwa 17 Prozent der Befragten gaben an, unentschieden zu sein.
Fast zwei Drittel der Befragten sorgen sich wegen schlechterer Terminverfügbarkeit
Der KBV-Vorstand bewertet die Umfrageergebnisse als Bestätigung für seine Position gegen die diskutierten Kürzungspläne bei den extrabudgetären Vergütungen. Die Daten verdeutlichten, dass Patienten den Wert einer zügigen Terminvermittlung priorisieren.
Laut Umfrage haben nahezu zwei von drei der Befragten (61,6 Prozent) sehr große (38,3 Prozent) oder zumindest eher große Sorgen (23,3 Prozent), dass es bei einem Wegfall der Anreizsysteme schwerer wird, auch in dringenden Fällen Facharzttermine zu bekommen.
Besonders ausgeprägt ist diese Sorge demnach in urbanen Räumen sowie bei Familien mit Kindern. Die KBV verweist darauf, dass diese Bevölkerungsgruppen häufig besonders stark auf eine verlässliche Terminverfügbarkeit angewiesen sind.
Terminservicestellen vermitteln Facharzttermine im Schnitt in acht Tagen
Als Bestätigung für die aktuelle Praxis der Terminvermittlung kann die KBV auch die Ergebnisse einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) betrachten: Demnach vermittelten die Terminservicestellen im vergangenen Jahr Facharzttermine im Durchschnitt innerhalb von acht Tagen. Das wäre sehr viel schneller als in der Öffentlichkeit oft wahrgenommen. Nach Angaben des Zi kamen rund 1,84 Millionen Termine über Terminservicestellen zustande. Im Zusammenhang mit der Diskussion über eine mögliche Streichung der Vergütungsregelungen weist das Zi auf mögliche Auswirkungen auf die Terminverfügbarkeit hin: „Wer die zusätzliche Vergütung hierfür streicht, verlängert nur die Wartezeit in Praxen“.
Zu einer anderen Einschätzung der Vermittlungspraxis war vor kurzem der Bundesrechnungshof gekommen. Das Ergebnis seiner Prüfung: Trotz zusätzlicher Ausgaben in Höhe von nahezu drei Milliarden Euro hätten sich die Wartezeiten für gesetzlich Versicherte nicht verkürzt. Zur Meldung: Bundesrechnungshof: 2,9 Milliarden Euro für schnellere Facharzt-Termine verpuffen.
Mehrheit befürwortet Überweisungssystem für Facharzttermine
Parallel zur Debatte über Vergütungsregelungen wird weiter über Steuerungsinstrumente in der ambulanten Versorgung diskutiert. Dazu gehört etwa die Frage, ob Patienten künftig stärker über ein Überweisungssystem zu Fachärzten gesteuert werden sollten. Eine Umfrage im Auftrag der AOK hatte im Jahr 2025 ergeben, dass eine Mehrheit der Befragten eine verpflichtende Überweisung zum Facharzt befürwortet. Mehr dazu lesen Sie hier: AOK-Umfrage: Klare Mehrheit für Überweisungen zum Facharzt.









