Biosimilars: Krankenkassen starten Ausschreibungen

Krankenkassen setzen verstärkt auf Ausschreibungen für Biosimilars. Während die Techniker Krankenkasse gemeinsam mit der GWQ ServicePlus AG ein kassenübergreifendes Modell nutzt, verfolgt die Barmer ein eigenes Vergabeverfahren. Branchenvertreter warnen vor wachsendem Preisdruck.

Ausschreibungen

Die Techniker Krankenkasse (TK) schreibt gemeinsam mit der GWQ ServicePlus AG Biosimilars aus. Beteiligt sind rund 40 Krankenkassen mit zusammen mehr als 30 Millionen Versicherten. Die Ausschreibung umfasst mehrere biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe in Fachlosen. Das jährliche Umsatzvolumen liegt laut TK im Milliardenbereich. Der Vertragsstart ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen. Ziel ist es, durch gebündelte Nachfrage den Wettbewerb zu intensivieren und Einsparpotenziale zu heben.

Barmer schreibt Biologika separat aus

Parallel dazu hat die Barmer eine eigene Ausschreibung für Biologika und Biosimilars veröffentlicht. Die Ausschreibung erfolgt als offenes Vergabeverfahren und umfasst mehrere Wirkstoffe. Auch hier ist ein Vertragsbeginn zum 1. Januar 2027 vorgesehen, bei einer Laufzeit von zwei Jahren. Im Unterschied zum kassenübergreifenden Ansatz von TK und GWQ setzt die Barmer auf ein eigenständiges Verfahren.

Fokus auf Versorgungssicherheit

Ein Element der aktuellen TK/GWQ-Ausschreibung sind verbindliche Lieferverpflichtungen. Vertragspartner sollen ausreichende Lagerbestände vorhalten, um die Versorgung über die gesamte Laufzeit sicherzustellen. Damit reagieren die Kassen auf potenzielle Risiken in globalen Lieferketten.

Mehr Wettbewerb im Biosimilar-Markt

Die parallelen Ausschreibungen zeigen, dass sich der Wettbewerb im Biologika-Segment verschärft. Mit der zunehmenden Nutzung von Rabattverträgen wird der Biosimilar-Markt stärker an klassische Steuerungsinstrumente der gesetzlichen Krankenversicherung herangeführt bei gleichzeitig hohen Anforderungen an Versorgungssicherheit und Marktstabilität.

Kritik an exklusiven Rabattverträgen wächst

Parallel zu den Ausschreibungen mehren sich kritische Stimmen aus der Industrie. Im Zentrum steht die mögliche Einführung exklusiver Rabattverträge, bei denen nur ein Anbieter den Zuschlag erhält. 

Bislang basiert der Biosimilar-Markt überwiegend auf dem Open-House-Prinzip. Mehrere Hersteller schließen parallel Verträge mit den Krankenkassen ab. Dieses Modell gilt als wesentlicher Treiber für Wettbewerb, stabile Versorgung und erhebliche Einsparungen.

Funktionierendes System unter Druck

Aus Sicht der Hersteller hat sich das Biosimilar-System bewährt, da es kontinuierliche Investitionen in Entwicklung und Produktion ermöglicht. Gleichzeitig gewährleistet es einen breiten Zugang zu modernen Therapien für Patienten. Für die gesetzliche Krankenversicherung ergeben sich daraus Einsparungen in Milliardenhöhe, während die Versorgung bislang weitgehend stabil ist und Versorgungsengpässe kaum auftreten. Die Sorge besteht jedoch darin, dass exklusive Rabattverträge dieses Gleichgewicht gefährden könnten, indem sie den Wettbewerb auf einen einzelnen Anbieter verengen.

Risiko durch Marktverengung

Wenn nur noch ein Hersteller zum Zuge kommt, steigt das Risiko eines Marktaustritts konkurrierender Anbieter. Erfahrungen aus dem Generikamarkt zeigen, dass solche Konzentrationsprozesse langfristig die Lieferstabilität beeinträchtigen können. Im Biosimilar-Segment wäre dieser Effekt besonders kritisch, da Herstellung und Entwicklung komplex sind und die Zahl der Anbieter ohnehin begrenzt ist.

Geringes Einsparpotenzial, hohe Systemrisiken

Kritiker argumentieren zudem, dass zusätzliche Einsparungen durch exklusive Verträge begrenzt seien. Biosimilars gelten zwar als wichtiger Entlastungsfaktor für die GKV-Finanzen. Demgegenüber steht jedoch das potenzielle Risiko einer instabileren Versorgung. Das ist ein Zielkonflikt, der durch die aktuellen Ausschreibungen weiter an Bedeutung gewinnt.

Gesundheitspolitische Dimension

Mit den parallelen Ausschreibungen von Techniker Krankenkasse, GWQ ServicePlus AG und Barmer rückt die Frage nach der zukünftigen Ausgestaltung des Biosimilar-Marktes in den Fokus der Gesundheitspolitik. Im Kern geht es um die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit und damit um die zukünftige Struktur dieses Anteils der Arzneimittelversorgung.

Autor:
Stand:
04.05.2026
Quelle:
  1. Techniker Krankenkasse (TK): Pressemitteilung, 10.11.2026
  2. Barmer: Bekanntmachung Biologika 0018-Arz-T17-2026
  3. AG Pro Biosimilars c/o Pro Generika e.V.: Pressemitteilung 
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