Die Antibiotikaverschreibung in Hausarztpraxen mit auffällig hohen Verordnungsraten lässt sich durch vergleichsweise einfache Fortbildungsmaßnahmen deutlich senken. Das ist das Ergebnis eines Studienprojekts. Nach Angaben des Zentralinstituts der Kassenärztlichen Versorgung (ZI) verringerten Schulungen die Verordnungsrate in den teilnehmenden Praxen um bis zu 15 Prozent.
Studienprojekt ElektRA: Schulungsangebote zur Antibiotikaverschreibung
In den ZI-Insights berichtet das Institut über die Ergebnisse des Studienprojekts ElektRA. Die Abkürzung steht für „Elektive Förderung rationaler Antibiotikatherapie“. ElektRA hat eindrucksvoll gezeigt, wie durch gezielte Fortbildungsmaßnahmen die Verschreibung von Antibiotika in Hausarztpraxen signifikant gesenkt werden kann.
Für die Studie wurden zwischen 2021 und 2024 Hausarztpraxen identifiziert, in denen überdurchschnittlich häufig Antibiotika verschrieben wurden. Die Mediziner in diesen Praxen wurden dann zufällig drei verschiedenen Interventionsgruppen zugeteilt:
- Gruppe A erhielt grafisch aufbereitetes Feedback zum eigenen Verordnungsverhalten im Vergleich zu Kolleginnen und Kollegen (Social-Norm-Feedback).
- Gruppe B nahm an einer speziell entwickelten Online-Fortbildung teil.
- Gruppe C beteiligte sich an moderierten Fortbildungen zur rationalen Verordnungspraxis und zu Kommunikationsstrategien.
Ziel der Interventionen war es, das Bewusstsein für eine angemessene Antibiotikatherapie zu schärfen und nachhaltige Verhaltensänderungen zu bewirken.
Moderierte Fortbildungen und Online-Schulungen mit beeindruckenden Erfolgen
Die Auswertung des Verordnungsverhaltens im Anschluss an die Schulungen zeigte deutliche Erfolge:
- Gruppe A (Social-Norm-Feedback) reduzierte die Verordnungsrate um 3,8 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe.
- Gruppe B (Online-Fortbildung) verringerte die Verordnungen um etwa 13 Prozent.
- Gruppe C: Die peer-moderierte Fortbildung verzeichnete den höchsten Rückgang mit bis zu 15 Prozent weniger Antibiotikaverschreibungen.
Nach Angaben des ZI entspricht bereits die geringste Verringerung (in Gruppe A) einer bundesweiten Einsparung von bis zu 430.000 Antibiotikaverordnungen.
Online-Fortbildung zur Antibiotikaverschreibung steht ab August zur Verfügung
Aufgrund des Erfolgs von ElektRA soll die Online-Fortbildung zur Antibiotikaverschreibung ab August allen Ärzten in den beteiligten Kassenärztlichen Vereinigungen offenstehen. Die KV Baden-Württemberg (KV-BW) wird das ElektRA-Online-Modul erwerben und unter den Mitgliedern intensiv bewerben, so Dr. Karsten Braun, Vorstandsvorsitzender der KV-BW. Das Angebot soll die Erkenntnisse aus dem Projekt in die breite Versorgung tragen und damit einen weiteren Beitrag zur Verringerung von Antibiotikaresistenzen leisten.
Hintergrund des Projekts: Übermäßiger Antibiotikaeinsatz als Risiko
Antibiotika sind essenziell für die Behandlung bakterieller Infektionen. Ihr übermäßiger Einsatz führt jedoch zur Entwicklung resistenter Erreger, was die Wirksamkeit dieser Medikamente gefährdet. Obwohl die Mehrheit der Hausärzte in Deutschland Antibiotika zurückhaltend einsetzt, gibt es eine kleine Gruppe, die überdurchschnittlich häufig Antibiotika verschreibt. Ursachen hierfür sind unter anderem veraltetes Fachwissen, Druck von Patientenseite oder die Sorge vor Komplikationen.
Über das Studienprojekt
Das Forschungsprojekt ElektRA wurde vom GBA-Innovationsfonds, neun Kassenärztlichen Vereinigungen (Bayern, Baden-Württemberg, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein, Saarland, Schleswig-Holstein, Westfalen-Lippe) und dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) sowie dem Verband der Ersatzkassen (vdek) gefördert. Die unabhängige Prozessevaluation erfolgte durch die Universitätsmedizin Rostock.










