Die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder sehen Handlungsbedarf, um die Versorgung mit Blut und Blutprodukten auch in außergewöhnlichen Lagen sicherzustellen. Auf ihrer 99. Gesundheitsministerkonferenz (GMK) beschlossen sie einstimmig, das Bundesgesundheitsministerium (BMG) zur Entwicklung einer entsprechenden Strategie aufzufordern. Der Beschluss fällt in eine Zeit, in der Blutspendedienste angesichts der aktuellen Hitzewelle über rückläufige Spenderzahlen berichten und zu einer kontinuierlichen Spendenbereitschaft aufrufen.
Nach Auffassung der Länder hat eine sichere und kontinuierliche Versorgung mit Blut und Blutprodukten sowohl im Alltag als auch im Zivilschutzfall eine essenzielle Bedeutung. Vor dem Hintergrund veränderter sicherheitspolitischer Rahmenbedingungen müsse die Vorbereitung auf Krisenszenarien weiter verbessert werden.
Strategie gemeinsam mit den Ländern entwickeln
Das BMG soll gemeinsam mit den Ländern Maßnahmen identifizieren, die eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Blut und Blutprodukten im Zivilschutzfall gewährleisten. Dabei sollen auch notwendige Anpassungen der rechtlichen Rahmenbedingungen geprüft werden. Ziel ist es, frühzeitig auf einen möglicherweise stark steigenden Bedarf an Blutprodukten sowie an Verbrauchsmaterialien und medizinischen Geräten vorbereitet zu sein.
Prüfung erweiterter Spenderkriterien
Ein weiterer Schwerpunkt des Beschlusses betrifft die Blutspende selbst. Unter Einbeziehung des Arbeitskreises Blut soll das BMG prüfen, ob die Auswahlkriterien für Blutspender in Krisenfällen angepasst werden können.
Als mögliche Maßnahmen nennt die GMK eine Erweiterung des Kreises spendeberechtigter Personen oder verkürzte Spendeintervalle für regelmäßige Blutspender. Falls erforderlich, könnten entsprechende Änderungen der Hämotherapie-Richtlinie vorbereitet werden.
Vollblutspenden nach militärischem Vorbild
Darüber hinaus soll geprüft werden, ob die bei den Streitkräften etablierte Vollblut- beziehungsweise „Warmblutspende“ auch im zivilen Bereich eingesetzt werden kann. Dieses Verfahren ermöglicht eine besonders schnelle Versorgung schwerverletzter Patienten, da frisches Vollblut unmittelbar transfundiert werden kann. Zur Vorbereitung auf Krisensituationen regt die GMK zudem den Aufbau einer sogenannten „warmen Blutbank“ an. Gemeint ist ein Pool besonders zuverlässiger, medizinisch umfassend untersuchter Dauerspendender, deren Blut im Ernstfall ohne zeitaufwendige Laboruntersuchungen oder umfangreiche Aufbereitung unmittelbar eingesetzt werden könnte.
Aktuelle Versorgungslage durch Sommerhitze unter Druck
Der Beschluss der Gesundheitsminister fällt in eine Zeit, in der Blutspendedienste vor saisonalen Herausforderungen warnen. Der DRK-Blutspendedienst West berichtet, dass die erste Hitzewelle Ende Juni das Spendeaufkommen in vielen Regionen spürbar sinken ließ. Erfahrungsgemäß sagen viele Menschen ihre Blutspende bei hohen Temperaturen kurzfristig ab oder verschieben ihren Termin, während der Bedarf der Krankenhäuser unverändert hoch bleibt.
Dabei ist Hitze allein kein medizinischer Grund, auf eine Blutspende zu verzichten. Wer sich gesund fühlt, ausreichend trinkt und vor der Spende etwas gegessen hat, kann auch an heißen Sommertagen Blut spenden. Da Blutpräparate nur begrenzt haltbar sind, können keine langfristigen Vorräte angelegt werden. Eine kontinuierliche Spendenbereitschaft bleibt daher wichtig, um die Versorgung schwerkranker und verletzter Patienten sicherzustellen.












