Patienten mit einer Erstpsychose, die nicht auf die Standardbehandlung mit mindestens zwei verschiedenen Antipsychotika in angemessener Dosierung und Dauer ansprechen, gelten als therapieresistent. In diesen Fällen wird Clozapin als Behandlung der Wahl empfohlen. Es hat sich bei Patienten mit therapieresistenter Schizophrenie (TRS) als besonders wirksam erwiesen. Trotz der Vorteile wird Clozapin häufig erst spät oder nicht ausreichend eingesetzt, obwohl eine frühzeitige Anwendung den klinischen Verlauf der Schizophrenie verbessern könnte.
Eine Forschungsgruppe des spanischen Instituts für Gesundheitswissenschaftliche Forschung Germans Trias i Pujol (IGTP) in Badalona hat in Zusammenarbeit mit der ETEP-Gruppe (Studie und Behandlung psychotischer Episoden) am Hospital del Mar, Barcelona, die Anwendung von Clozapin bei Patienten mit behandlungsresistenter Schizophrenie in den ersten zwei Jahren nach der ersten psychotischen Episode (FEP) untersucht. Die Ergebnisse der Studie wurden im 'Spanish Journal of Psychiatry and Mental Health' veröffentlicht.
Analyse der Clozapin-Verschreibungsmuster und Patientenmerkmale
Die Stichprobe umfasste Patienten, bei denen zwischen April 2013 und Juli 2020 eine FEP diagnostiziert worden war. Alle Teilnehmenden wurden im Rahmen des Studien- und Behandlungsprogramms für FEP (ETEP) am Hospital del Mar in Barcelona, Spanien, behandelt und zwei Jahre lang nachbeobachtet. Das mediane Alter lag bei 24,9 Jahren und 60% der Patienten waren männlich.
Die Forschenden untersuchten die Anwendungsmuster von Clozapin, einschließlich der Verschreibungsraten, der Zeit bis zum Beginn der Clozapin-Behandlung, begleitender Therapien sowie der gleichzeitig eingenommenen Medikamente und der damit verbundenen Nebenwirkungen.
Verzögerter Einsatz von Clozapin: Nur 26% der für Behandlung geeigneten Patienten erhalten das Arzneimittel
Insgesamt schlossen 175 der ursprünglich aufgenommenen 255 Patienten die zweijährige Nachbeobachtung vollständig ab. Davon erhielten 20 Personen Clozapin, 57 waren für eine Behandlung mit Clozapin geeignet, und 178 wurden als nicht therapieresistent eingestuft. Somit erhielt nur etwa ein Viertel der Patienten, die für eine Clozapin-Behandlung infrage kamen, tatsächlich dieses Medikament.
Der einzige signifikante Faktor, der zu Beginn der Behandlung mit dem Einsatz von Clozapin in Zusammenhang stand, war ein niedriger Wert auf der Global Assessment of Functioning (GAF)-Skala.
Die mittlere Zeit bis zum Beginn der Clozapin-Therapie betrug 55 Tage. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Sedierung und metabolische Veränderungen, einschließlich eines Anstiegs des Body-Mass-Index (BMI) und der Triglyceride.
Frühzeitiger Einsatz von Clozapin entscheidend bei therapieresistenter Schizophrenie
„Etwa 20–30% der Patienten mit Schizophrenie sprechen nicht auf konventionelle antipsychotische Behandlungen an und gelten als therapieresistent. In diesen Fällen ist Clozapin die Behandlung der Wahl, doch wird es in der realen klinischen Praxis oft verzögert oder unzureichend eingesetzt“, erklärt Dr. Alba Toll, Leiterin der Forschungsgruppe für Psychiatrie und psychische Gesundheit am IGTP und eine der Hauptautoren der Studie.
Die geringe Nutzung von Clozapin und die Zurückhaltung von Kliniken und Patienten könnten auf die potenziellen Nebenwirkungen des Wirkstoffs zurückzuführen sein. Viele dieser Nebenwirkungen sind jedoch behandelbar, ohne dass die Therapie abgebrochen werden muss.
„Der frühzeitige Einsatz von Clozapin nach der ersten psychotischen Episode kann die psychotischen Symptome signifikant reduzieren und die Lebensqualität der Patienten verbessern“, erklärt Toll.
Trotz der Schwierigkeiten ist die frühzeitige Anwendung von Clozapin entscheidend, um die Langzeitprognose bei therapieresistenter Schizophrenie zu verbessern. Daher sei es wichtig, Strategien zu entwickeln, die eine breitere und frühere Anwendung dieses Medikaments fördern, beispielsweise die Schulung von Gesundheitsfachleuten sowie die Sensibilisierung von Patienten und deren Familien für die potenziellen Vorteile der Therapie, so die Studienautoren.
Über Clozapin
Clozapin ist ein atypisches Antipsychotikum, das primär durch die Blockade von Dopamin-D2-Rezeptoren sowie Serotonin-5-HT2A-Rezeptoren im Gehirn wirkt. Im Vergleich zu anderen Antipsychotika weist es aber nur eine schwache Dopamin-D2-Blockade auf, was zu weniger extrapyramidalen Symptomen (EPS) führt. Zusätzlich beeinflusst Clozapin eine Vielzahl weiterer Rezeptoren, darunter Noradrenalin-, Histamin- und Acetylcholin-Rezeptoren. Diese multirezeptorielle Aktivität hilft, sowohl Positiv- als auch Negativsymptome der Schizophrenie zu verringern, ohne die motorischen Funktionen so stark zu beeinträchtigen wie viele andere Antipsychotika.











